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Rummenigge reicht es. Er rüffelt Flick und Salihamidzic und setzt sich vehement für einen Verbleib des Bayern-Trainers ein. Doch warum schweigen alle anderen Chefs?

Der FC Bayern könnte einer der glücklichsten Vereine der Welt sein.

Das Sextuple nimmt ihnen keiner mehr. Die neunte Meisterschaft in Folge auch nicht. Selbst die 2:3-Hinspielpleite gegen Paris ist noch kein Ausschlusskriterium für das Halbfinale der Champions League. Die Finanzen stimmen auch, der Kader basiert auf einem starken Gerüst und mit Hansi Flick hat man einen Trainer, der erfolgreich ist und dem die Mannschaft folgt. (BERICHT: Rummenigge reicht es! Rüffel für Flick und Salihamidzic)

Und doch rumort es intern wie lange nicht, vor allem zwischen Flick und Hasan Salihamidzic! Doch während der Sportvorstand intern scheinbar von allen Verantwortlichen Unterstützung erfährt und er selbst trotz einiger Fehleinkäufe und des jüngsten Kommunikations-Desasters bei der Nicht-Verlängerung von Jérôme Boateng kaum kritisiert wird, sind die Töne über Erfolgs-Trainer Flick strenger. (BERICHT: Wirft Flick am Saisonende hin?)

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Flick setzt Bosse beim FC Bayern unter Druck

Selten hat sich ein Trainer wie Flick derart vor seine Mannschaft gestellt und die Bosse damit intern unter Druck gesetzt.

Er forderte Anfang 2020 öffentlich zwei Neuzugänge und zog somit erstmals den Ärger von Salihamidzic auf sich.

Er erklärte Manuel Neuer zur unangefochtenen Nummer eins und erschwerte den Brazzo-Plan mit Alexander Nübel, dem der Sportvorstand Einsätze versprach.

Er kämpfte um Thiago, den die Bosse nicht halten konnten.

Er setzte sich für eine Vertragsverlängerung von David Alaba ein, den man am Ende nicht halten wollte.

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Wegen Boateng: Kriegserklärung an Hoeneß

Wie kein Trainer zuvor lobte und förderte er Boateng und suggerierte damit, dass er den Routinier gerne behalten wolle. Doch die Entscheidung, mit dem Weltmeister von 2014 nicht zu verlängern, fiel auf höchster Ebene schon vor Wochen. (KOMMENTAR: Dieses Aus hat Boateng nicht verdient)

Zuletzt kritisierte er sogar Ehrenpräsident Uli Hoeneß für dessen Boateng-Aussagen bei RTL, weil dieser sich nicht für einen Noch-Bayern-Spieler eingesetzt hatte. Hoeneß hat sich mit dieser Aussage zugleich auf die Seite von Salihamidzic geschlagen, dem er vom Tegernsee aus ohnehin den Rücken freihält. Intern gibt es Stimmen, die Flicks Seitenhieb als Kriegserklärung an den Ex-Präsidenten bezeichnen.

Der SPORT1-Bayern-Podcast mit Jana Wosnitza und SPORT1 Chefreporter Florian Plettenberg
Der SPORT1-Bayern-Podcast mit Jana Wosnitza und SPORT1 Chefreporter Florian Plettenberg © SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1

Warum bekennt sich Flick nicht zu Bayern?

Flick ist ein Alphatier, er geht für sein Trainerteam und seine Mannschaft durchs Feuer. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Spieler und Trainer ist er erfahren genug, um zu wissen, was es für den Erfolg braucht. Spürt er, dass die Dinge in verkehrte Richtungen laufen, spricht er die Dinge knallhart an. Flick ist kein Ja-Sager, sondern jemand, der intern auch auf den Tisch haut, wenn er es für notwendig hält. Umgehen kann damit nicht jeder im Verein.

Was ihm derzeit vor allem vorgeworfen wird, ist sein noch immer ausbleibendes vehementes Statement Pro-Bayern. Der Tenor in der Chefetage lautet: Wir wissen nicht, was Flick vorhat!

Oder ist längst alles entscheiden und kämpft Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge deshalb allein und mit aller Macht um einen Trainer, der perfekt zu dieser Mannschaft passt, aber offensichtlich nicht zu Salihamidzic?

Flick ist gereizt

Flick schweigt und ist gereizt. Der rhetorisch derart begabte Bayern-Trainer gibt aber mit einzelnen Sätzen deutlich zu verstehen, was in ihm vorgeht.

Zuletzt nach Abpfiff gegen Paris, als er auf SPORT1-Nachfrage zugab, als Trainer auch mal "schauspielern" zu müssen. Es ging um seine Meinung zum verursachten Boateng-Theater rund um das so wichtige Hinspiel. Flick biss sich auf die Zunge und machte eine gute Miene zum bösen Spiel.

Salihamidzic lässt derzeit jedes Fingerspitzengefühl vermissen und verweist lediglich auf Flicks laufenden Vertrag. Ein Machtwort, wie das von Rummenigge, hörte man von ihm bislang nicht. In der Branche sagt man, dass ihm Flicks Abgang sogar recht sein könnte, um seine Position noch mehr zu stärken. In diesem Fall würde er als Gewinner des Zoffs dastehen.

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Rummenigge-Erbe Kahn nimmt sich zurück

Vorstandsmitglied Oliver Kahn nimmt sich bewusst zurück, solange er noch nicht das Erbe von Rummenigge angetreten hat. Wie Präsident Herbert Hainer bleibt er diplomatisch und übt sich in Zurückhaltung.

Von Hoeneß hörte man nach seinem RTL-Auftritt nichts mehr. Auf SPORT1-Nachfrage wollte er sich zuvor nicht zur internen Fehde von Trainer und Sportvorstand äußern.

Flick hat in den letzten Monaten keinen Hehl daraus gemacht, dass ihm der Rückhalt aller Bayern-Bosse wichtig ist, um sich vollumfänglich auf seine Arbeit als Bayern-Trainer einlassen zu können. Doch dieser fehlt, wie auch Rummenigge feststellen muss.

Nicht umsonst fordert er bei Bild: "Wir müssen alle an einem Strang ziehen, müssen harmonisch, loyal und professionell zusammenarbeiten. Das ist meine klare Forderung an die sportliche Führung. Das hat den FC Bayern immer ausgezeichnet."

Da Flick trotz seiner Erfolge offensichtlich Kritik und Widersachern ausgesetzt ist, bleibt sein vorzeitiger Abgang zum Saisonende wahrscheinlich.

Es wäre ein trauriges Ende einer eigentlich so verheißungsvollen Zusammenarbeit.

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