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München - Der FC Bayern sieht sich genötigt, seinen Sportvorstand Hasan Salihamidzic öffentlich in Schutz zu nehmen. Das schwächt ihn weiter, sagt Julian Meißner, SPORT1-Director News.

Es ist ein Kreuz mit der Kommunikation. Wo wüsste man das besser als beim FC Bayern?

Wutreden, öffentliche Machtkämpfe, publik gewordene Interna und verbale Scharmützel aller Art liefern seit Jahrzehnten beständig Stoff für Hollywoodstreifen rund um die Säbener Straße.

Doch was in den letzten Wochen beim deutschen Vorzeigeklub passierte, war selbst für hohe Maßstäbe an Skurrilität kaum mehr zu überbieten.

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Neben Chefdramatiker Hansi Flick der stille Gegenspieler: Hasan Salihamidzic.

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Seine Rolle im unseligen Stück um Flicks Vertragsflucht wird landesweit rauf und runter diskutiert, so dass man sich die Frage stellen muss: Warum erklärt der Mann sich nicht endlich?

Jetzt sah sich der Klub gar gleich mehrfach veranlasst, Salihamidzic in Schutz zu nehmen. Man stelle sich "geschlossen und mit Nachdruck gegen die Anfeindungen", sagte Präsident Herbert Hainer auf der Klub-Website.

Salihamidzic muss öffentlichen Gegenwind aushalten können

Das eine sind anonyme, persönliche Beleidigungen, wie sie Salihamidzics Familie offenbar widerfuhren, was natürlich scharf zu verurteilen ist. 

Das andere ist öffentlicher Gegenwind zur Sache, den ein Mann in Salihamidzics Position sollte aushalten können. Eine Petition für seinen Rücktritt, wie sie Fans im Internet initiierten, ist jedenfalls kein Grund zum Schmollen.

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Zur Erinnerung: Salihamidzics letztes öffentliches Interview vor gut zwei Wochen beinhaltete das bereits legendäre Statement: "Jeder weiß, dass Hansi Flick und ich sehr gut zusammenarbeiten."

Kurz darauf: Flächenbrand. Seitdem: Schweigen.

Öffentliche Protektion schwächt Salihamidzic nur

Flick meidet den Namen seines direkten Chefs wie der Teufel das Weihwasser. Salihamidzic selbst ist abgetaucht. Auf dem Fußballplatz hätte längst einer gebellt: Mach‘ den Mund auf, Brazzo!

In seinem eigenen Interesse wäre es an der Zeit, dass er Position bezieht. Zu Gegenwart und Zukunft. Niemand ist frei von Fehlern, und das Märchen vom lieben Hansi und dem bösen Brazzo glauben nur Naivlinge.

Brust raus, Argumente vor - nur so kann sich Salihamidzic wieder ein Standing erarbeiten, das er benötigt, um in Zukunft erfolgreich in diesem zugegebenermaßen schwierigen Umfeld zu funktionieren. Mit welchem Trainer auch immer.

Das Versteckspiel und die gleichzeitig zur Schau gestellte Protektion durch Hainer und den Vorstand (dessen Mitglied er ist!) ist jedenfalls seiner unwürdig und schwächt seine Position nur weiter.

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