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München - Die DFL reagiert auf die Mannschaft-Quarantäne bei Hertha BSC und sagt drei Bundesliga-Partien ab. Berlins Geschäftsführer warnt vor einem Chaos.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat am Freitag mit der erwarteten Spielabsage auf die Mannschafts-Quarantäne des Bundesligisten Hertha BSC reagiert. Die Partie am Sonntag beim FSV Mainz 05 wird abgesetzt.

Die DFL stimmte auch der Absetzung der Partien gegen den SC Freiburg (21. April) und bei Schalke 04 (24. April) zu. Über die Neu-Ansetzung der Spiele werde in der nächsten Woche informiert (Spielplan der Bundesliga). Hertha ist derzeit Tabellen-15. und punktgleich mit dem auf dem Relegationsrang liegenden Aufsteiger Arminia Bielefeld.

"Das ist eine Herausforderung für den Spielplan, das ist klar", sagte Liga-Boss Christian Seifert bei Bild live. "Es ist aber auch klar, dass so etwas in dieser Zeit passieren kann. Insofern werden wir uns dieser Situation stellen und darüber nachdenken, wie der Plan anzugehen ist."

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Kommen die Quarantäne-Trainingslager?

Bei der DFL laufen auch erneut die Diskussionen über mögliche Quarantäne-Trainingslager. Nach SID-Informationen wird sich das DFL-Präsidium in der kommenden Woche noch einmal mit dem Thema befassen und sich mutmaßlich dafür entscheiden. Die wahrscheinlichste Variante ist ein Beschluss für die letzten zwei oder drei Spieltage.

Die Hertha musste nach mehreren positiven Coronatests als erster Bundesligist in komplette Isolation. Für die Mannschaft und den Trainerstab gilt eine 14-tägige häusliche Quarantäne. Zuvor waren "nur" Zweitligisten von einer derartigen Maßnahme betroffen (KOMMENTAR: Das Kartenhaus Bundesliga droht einzustürzen).

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Jarstein war im Krankenhaus

Nach Trainer Pal Dardai, Co-Trainer Admir Hamzagic und Offensivspieler Dodi Lukebakio wurde am Donnerstag auch noch Marvin Plattenhardt positiv getestet.

Während Dardai, Hamzagic und Lukebakio nur leichte Symptome aufwiesen und Plattenhardt noch ohne Symptome war, sei Torhüter Rune Jarstein nach einem schwereren Verlauf wieder "auf dem Weg der Besserung", so Sportdirektor Arne Friedrich, der das Team übergangsweise betreuten soll.

Der Norweger Jarstein hatte sich Ende März mit der britischen Variante infiziert und musste laut Friedrich gar zwischenzeitlich ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Seifert glaubt nicht an Liga-Abbruch

"Die Gesundheitsämter haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht", erklärte Seifert. Corona sei "eine wahnsinnige Herausforderung für unser Land".

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Seifert meinte, es sei "nicht so einfach, eine große Disziplin über so eine lange Zeit aufrechtzuerhalten".

Der Liga-Boss ist aber davon überzeugt, dass ein Deutscher Meister regelkonform ausgespielt werden kann: "Es verbietet sich, zum jetzigen Zeitpunkt über einen Saisonabbruch nachzudenken. Das ist auch das Verständnis der 36 Vereine. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass der Deutsche Meister am 22. Mai feststehen kann."

Durch die am 31. Mai beginnende Abstellungsperiode für die EM-Endrunde (11. Juni bis 11. Juli) könnte es bei weiteren Verlegungen zu Terminproblemen kommen.

"Je nachdem, wo wir sportlich stehen, wird man sich natürlich im Zweifel auch damit befassen müssen", sagte Seifert, der bei einer möglichen Saisonverlängerung auch auf die Europäische Fußball-Union (UEFA) hofft. Die UEFA sei "nicht blind, die sieht auch, was in ganz Europa passiert".

Hertha-Geschäftsführer warnt

Hertha-Geschäftsführer Carsten Schmidt macht sich nach dem Corona-Schock allerdings Sorgen um die Fortsetzung der Saison. "Ich glaube, die DFL hat in den letzten Wochen schon deutliche Hinweise gegeben. Und ich mache mir schon Gedanken, dass wir in eine Situation kommen, die wir schwer beherrschen", sagte er am Freitag.

Zu möglichen Terminproblemen merkte Schmidt an: "Wie weit das in den Mai reinragt und wir in der Bundesliga Ansetzungsprobleme bekommen - das ist Spekulation. Wir müssen allerdings anerkennen, dass die Zahlen steigen und dass der Fußball keine Ausnahme ist."

Hertha verschärfte Hygienemaßnahmen

Friedrich hatte sich bereits am Donnerstag geäußert: "Wir hatten nach Rücksprache mit unserem Hygienebeauftragen bereits in der letzten Länderspielpause die Hygienemaßnahmen nochmal verschärft und damit auch die Hoffnung, dass der positive Corona-Test von Rune Jarstein ein Einzelfall bleibt. Leider hat sich das nicht bestätigt."

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Die häusliche Quarantäne sei "aus gesundheitlicher Sicht der absolut richtige Schritt. Aus sportlicher Sicht trifft uns das natürlich, denn wir haben nun im Kampf um den Klassenerhalt im Mai sechs Bundesliga-Spiele bis zum Saisonende am 22. Mai zu absolvieren."

Friedrich in Sorge um Fitness

Während der Quarantäne sollen sich die Spieler mit Fahrrädern und Laufbändern individuell in Form halten (Die Tabelle der Bundesliga).

Zusätzlich betonte Friedrich, durch gemeinsame Videocalls die Nähe innerhalb der Mannschaft wahren zu wollen.

Klar sei jedoch auch, "dass wir in diesen zwei Wochen Fitness verlieren werden", so Friedrich: "Die Muskulatur muss sich gewöhnen an Abstoppbewegungen." Neben dem Training wolle Hertha laut Friedrich aus eigener Initiative "alle zwei bis drei Tage" PCR-Tests durchführen, um den Gesundheitszustand des Teams zu überwachen.

Heidel: "Keinen Anlass zu lamentieren"

Auch Hertha-Gegner Mainz bezog Stellung. "Aus sportlicher Sicht hätten wir am Sonntag gerne gespielt, aber wir können das nicht beeinflussen", meinte Christian Heidel, Vorstand Strategie, Sport & Kommunikation: "Wir nehmen es, wie es kommt, aus der Perspektive von Mainz 05 gibt es keinen Anlass zu lamentieren."

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Heidel wünscht sich, "dass wir die Saison in einem fairen Wettbewerb gut zu Ende spielen können."

Cheftrainer Bo Svensson erklärte: "Es ist schade, dass wir nicht spielen können. Aber in diesen Pandemie-Zeiten besteht das Risiko leider immer – dadurch, dass Corona-Infektionen in den eigenen Reihen jede Mannschaft treffen können, wird man gewissermaßen zur Flexibilität gezwungen."

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