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Mönchengladbach - Gladbach-Keeper Yann Sommer spricht über eine drohende Saison ohne Europa, den Trainerwechsel von Marco Rose zu Adi Hütter, die EM, Lewandowski und sein Karriereende.

Yann Sommer ist seit sieben Jahren der Gladbach-Rückhalt.

Am Samstag möchte der 32 Jahre alte Torwart mit den Fohlen die Bayern-Meisterschaft mit einem Auswärtssieg gerne um eine Woche verschieben. (Bundesliga: FC Bayern München - Borussia Mönchengladbach Sa., ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

Im SPORT1-Interview spricht der Schweizer über eine drohende Saison ohne Europa, den Trainerwechsel von Marco Rose zu Adi Hütter, die anstehende EM und sein Karriereende.

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SPORT1: Herr Sommer, Gladbach hat drei Spieltage vor Schluss vier Punkte Rückstand auf Rang sechs. Ist die Europa League überhaupt noch zu erreichen? 

Yann Sommer: Das ist weiterhin ein sehr realistisches Ziel. Solange die Tür noch offen ist, wollen wir eintreten. Wir glauben fest dran, dass wir diese schwierige Saison mit vielen Aufs und Abs noch positiv beenden.

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SPORT1: Sie spielen noch gegen Bayern, Stuttgart und Bremen - kein einfaches Restprogramm. Was, wenn es am Ende nur für die Europa Conference League reicht?

Sommer: Damit habe ich mich noch gar nicht beschäftigt. Es ist ein internationaler Wettbewerb. Und wenn es am Ende die Conference League sein wird, werden wir sie auch annehmen. Wir schielen aber weiterhin auf Platz 6 - das ist unser Ziel!

SPORT1: Auch eine Saison ohne die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb ist sogar möglich. Wie bitter wäre das aus Fohlen-Sicht? 

Sommer: Eine Saison ohne Europa wäre natürlich bitter und eine große Enttäuschung. Wir werden alles dafür tun, das zu verhindern. Wir haben es uns erarbeitet, dass wir mittlerweile den Anspruch haben, jedes Jahr in Europa zu spielen. 

Sommer über mögliche Gladbach-Abgänge

SPORT1: Die Zukunft einiger Top-Spieler ist unklar. Unter anderem die von Matthias Ginter oder Denis Zakaria. Rechnen Sie im Sommer mit Spielerabgängen? 

Sommer: Das kann gut sein. Abgänge gehören im Fußball-Business dazu. Wir reden untereinander aber nicht groß über mögliche Wechsel. Wenn wir zusammen sind, konzentrieren wir uns voll auf unsere Aufgaben. Es kann aber immer sein, dass uns Spieler verlassen. Sollte es so kommen, werden wir uns wieder neu finden und uns bestmöglich einstellen. 

SPORT1: Hand aufs Herz, hat die Bekanntgabe des Trainerwechsels die Mannschaft rückblickend doch gestört?

Sommer: Es ist nicht schön, wenn dein Trainer, mit dem du gerne zusammengearbeitet hast, den Verein wechselt. Das hatte aber keinen Einfluss auf unsere Leistungen, auch wenn die Ergebnisse vielleicht anderes gesagt haben. Intern hatte sich seit der Bekanntgabe des Wechsels nichts verändert. Die Info kam, wir haben sie aufgenommen und natürlich darüber diskutiert. Der Coach hat sich aber nicht verändert. Marco Rose ist der gleiche geblieben. Wir wollen mit ihm die Europa League erreichen und für einen guten Abschluss sorgen.

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Sommer: "Hütter wird unseren Spielstil ändern“

SPORT1: Hat Max Eberl mit Adi Hütter den richtigen Trainer gefunden? 

Sommer: Ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung, auch wenn ich Adi Hütter noch nicht persönlich kenne. In der Schweiz und in Frankfurt hat er sehr erfolgreich gearbeitet. Er lässt einen tollen und attraktiven Fußball spielen.

SPORT1: Wird er den Spielstil der Borussia ab Sommer verändern? 

Sommer: Bestimmt. Jeder Coach hat schließlich seinen eigenen Charakter, seinen eigenen Stil, seine eigenen Ideen – das ist gut so. Er wird uns sicher frischen Wind bringen. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Über den Schweizer Torwart-Boom

SPORT1: In der laufenden Bundesligasaison haben Sie nur sieben Mal zu Null gespielt und 40 Gegentore kassiert. Wie sehr nervt Sie diese Bilanz? 

Sommer: 40 Gegentore sind einfach zu viel. Das ist nicht unser Anspruch. Damit sind wir als Mannschaft nicht zufrieden. Das haben wir intern auch mehrfach angesprochen. Als Torwart ist es natürlich nicht schön, wenn man auf die Tabelle schaut und diese Zahl sieht. Daran arbeiten wir. 

SPORT1: Direkt nach der Saison geht es mit der EM weiter. Freude Sie sich inmitten der Pandemie überhaupt auf das Turnier?

Sommer: Ich habe schon drei Turniere miterlebt und weiß, dass das etwas ganz Besonderes ist. Natürlich wird dieses Turnier anders sein. Es wird weniger Euphorie aufkommen. Die Fans und die Public Viewings werden uns allen sicher fehlen. Bei uns in der Schweiz war immer die Hölle los. Trotzdem bleibt es eine Europameisterschaft. Wir haben einen harten Job hinter uns, damit wir uns für dieses Turnier qualifiziert haben. 

SPORT1: Die Schweiz hat viele gute Torhüter. Mit Ihnen, Gregor Kobel (Stuttgart), Marwin Hitz, Roman Bürki (beide BVB) oder Yvon Mvogo (von Leipzig nach Eindhoven verliehen) stehen fünf Schweizer bei Bundesligisten unter Vertrag. Woher kommt der Schweizer Torwart-Boom? 

Sommer: Es stimmt, wir haben viele Top-Torhüter in den letzten Jahren herausgebracht. Wir sind ein kleines Land und haben dementsprechend weniger Auswahl. Es zeigt, dass die Schweiz in vielen Bereichen einen sehr guten Job gemacht hat. Viele Schweizer Torhüter fassen in Europa Fuß. Das freut mich persönlich sehr. 

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SPORT1: Gregor Kobel macht beim VfB Stuttgart mit starken Leistungen auf sich aufmerksam und wird vom BVB umworben. Ist er Ihr legitimer Nachfolger? 

Sommer: Ich schätze Gregor Kobel sehr. Er ein Top-Typ und ein sehr guter Torwart. Er zeigt bei Stuttgart gute Leistungen. Mit Jonas Omlin und Yvon Mvogo, die zuletzt mit mir für die Nati berufen wurden, gibt es zwei weitere tolle Talente. Wir haben im Moment einfach viele gute Torhüter in der Schweiz.  

Plan für das Karriereende?

SPORT1: Wie lange wollen Sie denn noch in der Nationalmannschaft spielen? 

Sommer: Keine Ahnung. Solange ich der Schweiz helfen kann, werde ich weitermachen. Ich werde mich aber nicht mit aller Macht durchzwängen. Wenn ich irgendwann merke, dass ich das Level nicht mehr erreiche, werde ich meinen Platz für einen jüngeren Goalie freimachen. 

SPORT1: Sie sind 32 Jahre alt und haben in Gladbach noch einen Vertrag bis 2023. Werden Sie den Kontrakt verlängern und Ihre Karriere am Niederrhein beenden?  

Sommer: Alles ist möglich. Ich bin 32, fühle mich topfit und habe noch Spaß. Solange mir mein Körper jeden Morgen sagt "Go for it!" werde ich durchziehen. Zurzeit denke ich noch nicht an ein Karriereende. Ich bin noch voll im Saft! 

SPORT1: Am Samstag reisen Sie zu den Bayern. Im Hinspiel gab es einen 3:2-Sieg. Wieso klappt es auch diesmal? 

Sommer: Die Bayern können Meister werden, was sicherlich ein zusätzlicher Ansporn für sie ist. Wir wollen mutig auftreten und sie wieder vor große Probleme stellen. Das hat in der Vergangenheit schon ganz gut geklappt. Es wäre nicht schön, wenn wir den Bayern nach dem Spiel beim Feiern zuschauen müssten. (Tabelle der Bundesliga)

SPORT1: Robert Lewandowski braucht nur noch vier Tore, um den Uralt-Rekord von Gerd Müller zu knacken. Würden Sie es ihm gönnen? 

Sommer: Der Rekord wäre das i-Tüpfelchen auf seine unglaubliche Karriere. Er spielt seit Jahren auf einem konstant hohen Level und ist ein Schlüsselspieler in dieser großen Mannschaft. Er ist sehr abschlussstark und in seinen Aktionen unberechenbar. Ich muss schnell sein und gute Entscheidungen treffen. Ich würde ihm den Rekord gönnen, aber noch nicht an diesem Wochenende.  

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