Desailly erklärt: Darum muss Bayern mit Ribery verlängern
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München - Nach der Verletzung von Kingsley Coman müssen die Bayern in der Offensive Lösungen finden. Besonders ein Star steht nun unverhofft im Fokus.

Die alte Flügelzange spielte beim 5:0-Sieg des FC Bayern im Achtelfinale der Champions League gegen Besiktas Istanbul nur eine Nebenrolle. Arjen Robben kam lediglich eine Halbzeit lang zum Einsatz, Franck Ribery bekam sogar nur einen Kurzeinsatz am Ende der Partie.

Nach dem Spiel versuchte Coach Jupp Heynckes zu beruhigen. Man werde an beiden "noch viel Freude haben. Das werden noch ganz, ganz wichtige Spieler in den nächsten Wochen."

Zwei Wochen später zeigt sich: Der Triple-Trainer von 2013 lag mit seiner Aussage richtiger als ihm lieb sein wird.

Durch die Verletzung von Kingsley Coman muss der 72-Jährige seine Mannschaft in der wichtigsten Phase der Saison umbauen.

Coman zog sich beim 0:0 gegen Hertha BSC am Samstag einen Riss der Syndesmose oberhalb des linken Sprunggelenks zu und wurde am Montag bereits operiert. Eine Rückkehr in dieser Saison ist unwahrscheinlich.

Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem er für die Bayern wichtiger war als je zuvor war.

Desailly: "Großes Potential"

Nach einem ausgedehnten Durchhänger und mehreren Verletzungen in der vergangenen Saison trumpfte der Franzose zuletzt auf und verdrängte seinen Landsmann Ribery.

Marcel Desailly, ehemaliger französischer Weltklassespieler, sagte SPORT1 zu Comans Verletzung: "Das ist traurig. Er hat großes Potential, der Trainer hat ihm viel Spielzeit gegeben. Bayern war wieder auf dem Weg, langsam zu einem Kandidaten für den Champions-League-Titel zu werden."

Comans Zahlen sprechen tatsächlich für sich und verdeutlichen die rasante Entwicklung des 21-Jährigen.

Das Zauber-Tor von Coman in der 3D-Analyse

Vergangene Saison war er in 25 Pflichtspielen lediglich an drei Toren beteiligt (zwei Tore, ein Assist). In dieser Spielzeit waren es in 32 Pflichtspielen 15 Torbeteiligungen (sieben Tore, acht Assists).

17 Mal stand Coman in der Startelf und das meistens in den wichtigen Spielen wie gegen Besiktas.

Coman hat den Stempel "Flügelflitzer" wirklich verdient: Diese Saison erreichte er eine Spitzengeschwindigkeit von 35,0 km/h - das ist Bayern-Bestwert. Coman ging zudem in die meisten Dribbling-Duelle und setzte sich in guten 57 Prozent dieser Zweikämpfe durch.

Schnelligkeit und Stärke im Dribbling machen ihn zum Mann für die Zukunft auf dem linken Flügel. Im Hier und Jetzt muss Heynckes improvisieren, um Coman zu ersetzen.

Ribery als erste Alternative

Thomas Müller und James überzeugten zuletzt ebenfalls in der Offensive mit konstant guten Leistungen. Der deutsche Weltmeister und der Kolumbianer haben beide auch schon auf dem Flügel gespielt. Die Stärken liegen bei beiden allerdings unbestritten im Zentrum.

Erste Alternative für Coman ist damit Ribery. Natürlich bringt der 34-Jährige zwar nicht mehr die Dynamik vergangener Tage mit. Doch "König Franck" kann immer noch ein Leader sein. Und ein Vorbild in Sachen Einsatz.

Mit dem erneuten Triple könnte er seiner Karriere das Sahnehäubchen aufsetzen.

Desailly glaubt: "Es wird schwierig für Bayern, weil Coman sehr gut gespielt hat. Aber sein Ersatzmann ist immerhin Ribery. Ribery hat auch ein Ego. Er will bestimmt zeigen: Ihr habt mich auf die Bank gesetzt, jetzt habe ich meine Möglichkeit, es euch zu zeigen. Und wenn man einen neuen Vertrag will, gibt man unterbewusst noch ein bisschen mehr."

Rummenigge hält sich bedeckt

Ribery muss nämlich um seine Weiterbeschäftigung beim Rekordmeister kämpfen. Sein hochdotierter Vertrag in München läuft zum Saisonende aus. Ribery will gerne mit seiner Familie in München bleiben, aber die Bosse zieren sich noch, ein neues Arbeitspapier anzubieten.

Der 49 Jahre alte Desailly würde seinem Landsmann noch einen Vertrag mit kurzer Laufzeit geben: "Ich glaube, er kann noch ein Jahr spielen, aber man muss auch an die körperliche Komponente denken. Er wird nicht mehr 60 Spiele auf Topniveau absolvieren können."

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge äußerte sich mit Blick auf Ribery und Robben, dessen Zukunft ebenfalls offen ist, bei Sky verhalten: Die beiden "hochverdienten Spieler" hätten eine "große Bedeutung" für den FC Bayern, "wir wissen, was wir an ihnen haben."

"Sanfter Umbruch" beim FCB?

Der Verein müsse aber auch "ein Stück über den Tellerrand hinausschauen. Ist es noch die richtige Entscheidung ein Jahr weiterzugehen oder die unpopuläre Entscheidung zu treffen, einen Umbruch einzuleiten?"

Alles deutet darauf hin, dass in der Führungsetage tatsächlich daran gedacht wird, das Kapitel Ribery bei den Bayern am Saisonende zu schließen.

Sollte Altmeister Ribery aber den Triple-Traum der Bayern am Leben halten, könnte sich das schlagartig ändern.

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