Mo Salah: Der steile Aufstieg eines Dorfplatz-Kickers
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München - Mohamed Salah ist drauf und dran, sich in Liverpool unsterblich zu machen. Er stößt nicht nur an der Konsole in Messis Sphären vor - und trifft nun auf sein Ex-Team.

Was sich derzeit im Leben von Mohamed Salah abspielt, erinnert an ein orientalisches Märchen. Ein scheuer und bescheidener Mann zieht in die Welt hinaus und erobert diese im Sturm.

Der Königsklasse und der Premier League hat er seinen Stempel längst aufgedrückt, bei der WM in Russland wird der Ägypter es aller Voraussicht nach noch tun.

Mit dem FC Liverpool steht der wieselflinke Angreifer am Dienstag im Champions-League-Halbfinale und trifft dort auf seine alten Kameraden vom AS Rom (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER und im Fantalk im TV auf SPORT1).

Wenig überraschend gewann Salah am Montag die Wahl zum Spieler des Jahres in der Premier League.

Liverpool-Star Salah mit Ansage vor Halbfinalkracher

Messi bei FIFA 18 eingeholt

Auf dem Platz ist Salah derzeit angesagt wie kaum ein anderer Fußballer - genau wie an der Konsole. Bei FIFA 18 hat er mit 98 Gesamtpunkten keinen Geringeren als Lionel Messi eingeholt und liegt nur ganz knapp hinter Cristiano Ronaldo (99).

Kein Wunder, dass die gesangsfreudigen Liverpool-Fans ihrem "ägyptischen König" längst ein eigenes Lied widmen.

Als Salah im Sommer 2017 an der Anfield Road aufschlug, eilte ihm bereits der Ruf des pfeilschnellen Außenstürmers voraus, der auch noch zuverlässig seine Tore erzielt.

83 Spiele hatte der Ägypter im Trikot der Roma bestritten und dabei 34 Treffer erzielt - wahrlich eine ordentliche Bewerbung. Doch es ging noch wesentlich besser, wie sich herausstellen sollte.

Jürgen Klopp zu seinem Glück gezwungen

Dabei musste Jürgen Klopp zu seinem Glück gezwungen werden. Dem Vernehmen nach wollte der Reds-Coach lieber Leverkusens Julian Brandt holen. 

Die Scouting-Ateilung habe ihm aber "andauernd in den Ohren gelegen", erklärt er mit einem Schmunzeln. "Come on, come on, Salah ist die Lösung", berichtet Klopp, "sie drängten, das Ding schnell über die Bühne zu bringen, damit ja niemand mehr dazwischenfunkte".

Jürgen Klopp verneigt sich vor Salah

Ein dreiviertel Jahr später ist klar, dass die Liverpool-Scouts ganz genau hingeschaut hatten: 46 Pflichtspiele, 41 Tore und 13 Assists lautet Salahs bisherige Bilanz in seiner ersten Liverpool-Saison.

Dabei erkannten Klopp und der Trainerstab der Reds zunächst noch gar nicht das Riesenpotenzial ihres neuen Schützlings. "Wir haben erst nach einer Weile verstanden, wie gut er vor dem Tor ist", erzählt der frühere BVB-Coach.

Lange Zeit dauerte es aber nicht, bis Klopp seinen neuen Spieler von der Außenbahn näher ans Sturmzentrum zog.

Salah trifft sogar per Kopf

Die Folge war eine echte Torexplosion: Zusammen mit den kongenialen und ständig rochierenden Sadio Mane und Roberto Firmino bildet Salah ein Trio, das von keiner gegnerischen Abwehr so richtig in den Griff zu bekommen ist.

Die Unberechenbarkeit ist dabei der größte Trumpf des nur 1,75 Meter großen Angreifers. Salah trifft mit rechts, mit links, aus der Distanz, per Abstauber - und sogar mit dem Kopf.

42 Millionen Euro hatte Liverpool nach Rom überwiesen, nun ist Salah fast das Vierfache wert. Auf 164 Millionen Euro taxiert das "CIES Football Observatory" inzwischen den Marktwert des Spielers.  

Kein Wunder, dass Teams wie Real Madrid den Knipser verpflichten wollen. Dass Liverpool nach dem Abgang von Philippe Coutinho zum FC Barcelona den nächsten Superstar ziehen lässt, ist jedoch unwahrscheinlich.

Salahs besondere Fähigkeiten

Wichtig für den 25-Jährigen ist ohnehin zunächst das Duell mit seinen alten Kameraden von der Roma - was ihm offensichtlich nicht einfach fällt. "Ich liebe den Verein, ich liebe die Stadt, es wird kein leichtes Spiel für mich", meinte er.

Der frühere Roma-Trainer Luciano Spalletti sagte einmal über ihn, man brauche "ein Moped, um ihn einzuholen". Doch während Salah durch die Abwehrreihen flitzt, sieht er das Spiel selbst wie in Zeitlupe.

"Wenn die Chance kommt, wird er ruhiger", erklärt der einstige englische Weltklasse-Stürmer Michael Owen: "Er kann sich so den richtigen Abschluss aussuchen, obwohl um ihn herum das Spiel mit 100 Meilen in der Stunde tobt."

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