Jubel-Poser Ronaldo: So krass pumpte er sich auf
teilentwitternE-MailKommentare

Die einen verehren Cristiano Ronaldo, andere hassen ihn: Der Real-Star verbessert Rekord um Rekord, doch sein Gehabe irritiert weiterhin - auch gegen Juventus.

Am Ende war es das gewohnte Bild. Nachdem Cristiano Ronaldo den entscheidenden Ball versenkt hatte, zog er sein Trikot aus und stürmte zu den Fans. In der Nähe der Eckfahne endete sein Lauf, dann nahm er die Pose eines Bodybuilders ein und brüllte seinen Jubel in die Madrider Nacht.

Innerhalb von wenigen Sekunden zeigte Ronaldo beide Facetten, für die er geliebt und gehasst wird. Die des eiskalten Torjägers - und die des eitlen Pfaus.

"Das ist ein bisschen instinktlos. Solch einen Jubel kann man verstehen, wenn man weiterkommt. Aber nicht in solch einer Situation. Das finde ich provokativ", sagte Ewald Lienen bei Sky.

120 Tore in der Champions League

Die Frage, ob Ego oder Können bei Ronaldo größer ist, bleibt unbeantwortet. Unzweifelhaft ist jedoch, dass sich der mittlerweile 33-Jährige seine unzähligen Titel hart erarbeitet hat. Kaum ein Fussballer ordnet so viel dem Erfolg unter wie der amtierende Weltfussballer.

Seine Ausbeute ist mittlerweile kaum mehr in Worte zu fassen. 120 Tore schoss er alleine in der Champions League, damit hängt er die gesammelte Stürmerelite um Längen ab.

Sein Dauerrivale Lionel Messi ist der einzige, der ihm das Wasser reichen kann. Doch während Barcas Superstar (100 Tore) zuletzt oft in der entscheidenden Saisonphase schwächelte, zeigt sich Ronaldo mal wieder von seiner besten Seite.

Als er sich im, vergleichsweise unwichtigen, ersten Saisonabschnitt doch mal eine Auszeit gegönnt hatte, zählten die Berichterstatter bereits seine torlosen Minuten.

Die gleichen Chronisten sind längst wieder dazu übergegangen, seine Bestmarken zu vermelden. Sein letzter Rekord: Mit dem Last-Minute-Tor zum 1:3 gegen Juventus traf Ronaldo auch im elften Champions-League-Spiel hintereinander.

"Das ist mir noch nie passiert"

Zwei Mal in Folge gewann er zuletzt die Champions League und wurde 2016 mit Portugal Europameister. Ohne Ronaldos Zutun wären die Triumphe undenkbar gewesen.

Dass er die Fußball-Welt spaltet, ist nichts Neues. Seit CR7 bei Manchester United vor 15 Jahren seine Weltkarriere startete, wandelt er permanent zwischen Genie und Wahnsinn. Geniale Momente hatte Ronaldo zuhauf auf dem Rasen, die umstrittenen zumeist daneben.

Dass er sich trotz seines Gehabes den Respekt abseits der eigenen Fans verdient hat, zeigte sich bei Reals 3:0-Sieg in Turin. Dort hatte er mit seinem spektakulären Fallrückzieher sogar die gegnerischen Anhänger auf seine Seite gebracht.

Zum ersten Mal in seiner Karriere fühlte er sich nicht nur von den eigenen Fans geliebt. "Was sie für mich getan haben, war großartig. Ich bin so glücklich", zeigte sich CR7 gerührt. Und: "Das ist in meiner Karriere bisher noch nie passiert."

Fraglich, ob die gleichen Anhänger sich noch einmal erheben würden. Eine Woche später war von Empathie jedenfalls keine Spur, als Ronaldo zum strittigen Elfmeter befragt wurde.  "Ich verstehe nicht, warum sie sich so aufregen", sagte der Weltstar bei Sky: "Für mich war es ein klarer Strafstoß."

Kein Groll von Buffon

Dass aber selbst ein Weltstar in solchen Situationen die Flatter bekommt, gab Ronaldo anschließend zu. "Mein Puls wurde immer höher. Ich habe versucht, mich zu beruhigen. Ich wusste, das ist ein wichtiger Elfmeter."

Er versenkte ihn dennoch - und beendete damit wahrscheinlich auch die internationale Karriere von Gianluigi Buffon.

In den Katakomben des Bernabeu liefen sich Ronaldo und der Juve-Keeper noch einmal über den Weg. Buffon ließ sich gerade vor laufender Kamera über Schiedsrichter Michael Oliver aus, der den fragwürdigen Elfmeter gegeben und ihn vom Platz gestellt hatte.

Über Ronaldo hatte Buffon nichts Negatives zu berichten - im Gegenteil. Der Torwart umarmte seinen Rivalen, der ihm gerade den Todesstoß versetzt hatte, herzlich. "Mein Champions-League-Traum ist nicht möglich, weil der Beste ihn gestoppt hat", hatte "Gigi Nazionale" schon nach dem Hinspiel gesagt.

Was also nun? Ronaldo für sein Können lieben - oder ihn für seine Mätzchen hassen? Der frühere VfB-Trainer Hannes Wolf spricht den meisten Fußballfans aus der Seele: "Manchmal ist es ein bisschen schwer zu ertragen. Aber wir sind trotzdem alle froh, dass es ihn gibt."

-----

Lesen Sie auch:

Buffon wütet gegen Schiri

Diebstahl! Wut! Elfmeter erzürnt Italiens Presse

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel