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Karim Benzema (l.), Trainer Julen Lopetegui (M.) und Gareth Bale durchleben mit Real Madrid eine seltene Flaute
Karim Benzema (l.), Trainer Julen Lopetegui (M.) und Gareth Bale durchleben mit Real Madrid eine seltene Flaute © SPORT1-Grafik/Getty Images
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München - Die Niederlage in der Champions League bei ZSKA Moskau hat die vielleicht größte Schwäche von Real Madrid aufgedeckt. Die königliche Offensive produziert nicht mehr.

Das Luschniki-Stadion in Moskau wird wohl niemals das Lieblingsstadion von Toni Kroos.

Vor vier Monaten begann dort der Anfang vom Ende für die DFB-Elf bei der WM in Russland. Kroos und Co. blamierten sich bei der 0:1-Niederlage gegen Mexiko. Am Dienstagabend erlebte der Star von Real Madrid in der russischen Hauptstadt sein nächstes Desaster. Und an diesem hatte er einen wesentlichen Anteil.

Kroos-Patzer besiegelt Niederlage

Der Mittelfeld-Stratege spielte nach nicht einmal 120 Sekunden einen katastrophalen Rückpass und leitete die Führung und die damit verbundene 0:1-Blamage bei ZSKA Moskau ein.

Für die spanische Presse natürlich ein gefundenes Fressen. "Ein schwerer Fehler von Kroos stürzt Real in die Krise", schrieb beispielsweise Sport, ein "selbstmörderisches Manöver" nannte es AS.

In der Folge rannte der Titelverteidiger auf das Tor der Moskauer an, hatte jedoch großes Pech. Insgesamt dreimal scheiterten Karim Benzema und seine Nebenleute am Aluminium. 26 Torschüsse ohne Tor sind laut Opta der höchste Wert für Real seit Beginn der detaillierten Datenerfassung 2003/04.

Seit drei Spielen warten die Königlichen schon auf einen Sieg, sogar seit 319 Minuten auf einen eigenen Treffer. Am vergangenen Wochenende hatte sich Real torlos vom Stadtrivalen Atletico getrennt, eine Woche zuvor gab es sogar eine 0:3-Klatsche beim FC Sevilla.

In der Liga liegen die Madrilenen zwar punktgleich mit dem FC Barcelona an der Spitze. 14 Punkte aus sieben Spielen sind aber keine königliche Ausbeute.

Modric zeigt sich besorgt

Dementsprechend ratlos waren die Spieler nach der erneuten Pleite in Moskau. "Keiner weiß so genau, was vor dem Tor los ist. Vielleicht waren wir zuletzt nicht hundertprozentig konzentriert", erklärte Real-Keeper Keylor Navas, in der Königsklasse statt Thibaut Courtois im Tor, nach dem Spiel. Weltfußballer Luka Modric nannte die Torflaute "besorgniserregend".

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Stellvertretend für die Tor-Krise steht Benzema. Der 30-Jährige blühte nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo zu Saisonbeginn auf, erzielte in den ersten vier Partien fünf Treffer. Doch seitdem herrscht auch bei ihm Ladehemmung, gegen Atletico gab es bei seiner Auswechslung wieder Pfiffe von den Fans.

Darum verließ Ronaldo Real Madrid

Trainer Julen Lopetegui ist trotz der jüngsten Misere optimistisch, bald wieder in die Erfolgsspur zurückkehren zu können. "Wir müssen uns weiter Chancen erarbeiten. Das ist alles, was wir tun können. Dann werden wir früher oder später wieder Tore schießen", erklärte er.

Real mit Personalproblemen

Zur aktuellen Ladehemmung kommt bei den Madrilenen allerdings die angespannte Personalsituation. Gegen Moskau fehlten einige Stammspieler wie Marcelo, Gareth Bale oder Isco, zudem wurde Ramos geschont. So kam der junge Sergio Reguilon unverhofft zu seinem Profi-Debüt.

Zudem wird deutlich, dass Mittelfeldmotor Modric der anstrengenden WM Tribut zollen muss. Er braucht immer mal wieder seine Pausen.

Und dann ist da auch noch das Fehlen von Cristiano Ronaldo. Drei Spiele in Folge ohne Tor, das gab es in Zeiten von CR7 bei Real nicht. Der Superstar hinterließ eine Riesenlücke im Angriff, die bisher nicht gefüllt wurde. Daraus macht auch Navas keinen Hehl. "Cristiano hat die Messlatte bei Real sehr hochgelegt. Man kann die Sonne nicht mit einem Daumen verdecken", sagte der Keeper.

Jahrelang zehrten die Madrilenen von den Toren Ronaldos. Der Superstar entschied Spiele oft im Alleingang, übernahm in wichtigen Momenten Verantwortung. Jetzt muss sich die königliche Offensive aus dem Schatten ihres einstigen Anführers bewegen - und das möglichst bald.

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