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München - Ajax Amsterdam nagelt Real Madrid im Bernabeu förmlich an die Wand und lässt die Konkurrenz in der Champions League wissen: Jetzt ist alles möglich!

Den letzten Auftritt bekam Klaas-Jan Huntelaar.

Fast 20 Minuten lang feierten die Spieler von Ajax Amsterdam zuvor mit den rund 5000 Fans, völlig entrückt und ausgelassen. Jetzt waren die Kollegen in den Katakomben des Bernabeu-Stadions verschwunden, als Huntelaar nochmals vor die Anhängerschaft trat.

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Der Hunter hatte an alter Wirkungsstätte keine Sekunde gespielt und vielleicht deshalb noch genügend Kraft für ein paar satte Rutscher bäuchlings über den Rasen. Der ältere Herr im jungen Ensemble bot den letzten Akt eines glorreichen Abends, in der Heimat schrieb der Telegraaf schon vom "Wunder von Madrid".

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Champions League: Ajax schraubt Real auseinander

Ajax Amsterdam hat am Dienstagabend wohl nicht weniger als eine Ära beendet und das mit einem Fußball, der so viel moderner und frischer erschien als der seines Gastgebers, dass man zeitweise die Vermutung hatte, die Niederländer betrieben eine ganz andere Sportart.

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Vor zwei Wochen konnte sich mit seinem Heldenfußball noch zu einem 2:1-Sieg in Amsterdam schummeln, nun wurde der Titelverteidiger vor den eigenen Fans regelrecht auseinandergeschraubt von einer hungrigen Mannschaft, die einen Plan hatte und diesen nahezu perfekt umsetzen konnte.

Tadic: "Vielleicht das beste Spiel"

Trainer Erik ten Hag ist mit seinem Team nicht nur ein Achtungserfolg oder eine kleine Überraschung gelungen. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren steht wieder eine Mannschaft aus der Eredivisie in einem Viertelfinale der Champions League und das mit einem Fußball, der an die ganz großen Zeiten dieses großen Klubs erinnert.

Wie ein Wirbelsturm fegte Ajax über träge Madrilenen hinweg, war im Kopf und mit den Beinen schneller, kreativer, spritziger.

"Das war vielleicht das beste Spiel, das ich jemals gespielt habe", sagte Dusan Tadic. Der Serbe war mit zwei Assists und einem Tor der Spieler des Spiels, wobei man damit dem kollektiven Rausch der Truppe nicht gerecht wird.

Tadic, 30, ist neben Lasse Schöne, dem Schützen des 4:1, und Huntelaar so etwas wie der Vater der Kompanie. Drumherum hat Ten Hag in bester Tradition Spieler aus dem eigenen Internat "De Toekomst" (die Zukunft, Anm.d.Red.) zusammengebracht und den einen oder anderen vernünftigen Zukauf.

Jetzt oder nie für Ajax?

Frenkie de Jong und Matthijs de Ligt sind die Köpfe der Mannschaft. Der eine 21, der andere 19 Jahre jung und trotzdem schon Kapitän des Teams. Oder Rechtsverteidiger Noussair Mazraoui, der mit sieben Jahren in Ajax Akademie wechselte. Dazu Hakim Ziyech, der einst für Amsterdamer Verhältnisse ebenso wie Tadic sehr teuer in der Anschaffung war, seinen Marktwert bei Ajax aber längst schon vervielfacht hat.

Ten Hag beschrieb die Leistung von Madrid als "Zertifikat für die  Philosophie des holländischen Fußballs und konkret von Ajax" und weiß nun schon wie so viele andere auch, dass diese eine Saison vielleicht schon Höhepunkt und Niedergang zugleich sein könnte für seine Mannschaft.

De Jong geht im Sommer nach Barcelona, für de Ligt und Ziyech stapeln sich die Anfragen der größten Klubs des Kontinents. Die Mannschaft wird zerfallen, das große Geld kocht am Ende vermutlich doch wieder jeden klein.

Umso wichtiger ist das Hier und Jetzt. "Wir haben den Bayern in zwei Spielen Probleme bereitet und jetzt den Titelverteidiger rausgeworfen. Wer weiß, wie weit unsere Reise noch gehen wird?", sagte de Ligt und bekam Unterstützung von seinem Trainer. "Wir werden auch die nächsten Spiele mit unserer Art des Fußballs angehen, mit Risiko und Wagemut", sagte ten Hag und schickte eine Botschaft hinaus an die verbliebene Konkurrenz: "Jetzt wollen wir noch mehr!"

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