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München - Der FC Liverpool kann binnen weniger Wochen viel gewinnen - oder die Saison titellos beenden. Jürgen Klopp verkauft sein Team erneut als Außenseiter. Zu Unrecht.

Nein, Favorit ist der FC Liverpool gegen den FC Barcelona wahrlich nicht. Und das ist auch gut so. (Champions League: FC Barcelona – FC Liverpool, 21 Uhr im LIVETICKER, alle Infos ab 20.15 Uhr im Fantalk im TV auf SPORT1)

"Wenn du gegen den FC Barcelona spielst, bist du gewiss kein Favorit“, erklärte Liverpool-Trainer Jürgen Klopp vor dem Champions-League-Halbfinale bei DAZN. Seine Mannschaft wolle dennoch "gucken, was geht".

"Gucken, was geht" scheint so etwas wie das Leitmotiv der klopp’schen Philosophie zu sein. Favorit? Die anderen. Druck? Liegt nicht bei uns. Sein Team könne quasi nur gewinnen.

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Dabei gäbe es gute Gründe, den FC Liverpool zumindest annähernd auf Augenhöhe mit den Katalanen zu sehen. Nur eine Saisonniederlage in der Premier League, doch weil es diese ausgerechnet gegen Manchester City setzte, sind die Reds nur Zweiter.

Es wäre schon bitter, sollte Klopps Team mit nur einer Niederlage nicht Meister werden. Doch das könnte genauso kommen, wenn die Citizens die restlichen beiden Spiele gewinnen.

Favorit? Die Anderen

In der Champions League schalteten die Reds auch den FC Bayern aus. Im Vorfeld schob Klopp die Favoritenrolle gegen das Team von Niko Kovac genüsslich beiseite. "Es wird so getan, als wären wir Favorit“, hatte er bei Sky vor dem Duell mit dem deutschen Rekordmeister erklärt.

Selbst im Viertelfinale gegen den FC Porto, wo Liverpool von der Papierform her wirklich haushoher Favorit war, hatte Klopp eine andere Sicht der Dinge: "Leute mit Ahnung wollen Porto nicht als Gegner haben.“

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Leute mit Ahnung wollen natürlich auch Liverpool nicht als Gegner haben. Denn wie schon beim BVB hat es Klopp auch bei den Reds längst verstanden, Understatement als Waffe einzusetzen.

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Dabei ist Liverpools Kader ebenso gespickt mit Topstars wie der der anderen europäischen Spitzenvereine. Das Trio Mohamed Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino ist das dritttorgefährlichste Europas.

Doch anders als bei den meisten anderen Topklubs folgt die Spielweise von Klopps Teams eher einer Art Wagenburgmentalität: Der Gegner darf ruhig mehr Ballbesitz haben, wir "gucken, was geht“ und schlagen dann blitzschnell zu, vornehmlich durch Tempogegenstöße.

Klopp vs. Messi

Ein weiteres Merkmal der Spielweise von Klopp: In seiner Mannschaft ist kein Platz für Egoisten. Seine Devise ist, dass die Mannschaft geschlossen verteidigt. Jeder muss für den anderen mitlaufen, nur so kann der Klopp-Fußball funktionieren.

Und das hat er auch seinen Spielern erfolgreich eingetrichtert. "Ich liebe diesen Job, und Teil dieses Jobs ist, hart für die Mannschaft zu arbeiten“, erzählte Mané der SZ. Persönliche Tore oder Vorlagen seien für ihn dagegen zweitrangig.

Der Senegalese gibt auch einen Einblick in das Mannschaftsgefüge. Die klare Botschaft: "Unser Leader steht am Spielfeldrand." Überspitzt könnte man also behaupten, Barcelona gegen Liverpool, das heißt Lionel Messi gegen Jürgen Klopp.

Für Mané ist Barcelona eine der besten Mannschaften überhaupt. "Wir haben nichts zu verlieren", erklärte der Toptorschütze der bisherigen Liverpooler CL-Saison.

Eine Frage der Perspektive

Da ist es wieder. "Nichts zu verlieren", nur etwas zu gewinnen. Dabei stimmt das nicht annähernd. Innerhalb weniger Tage können die Reds gleich zwei Titel verlieren.

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Den von den Fans so lange herbeigesehnten ersten Meistertitel seit 1990 und den Titel in der Königsklasse, der Klopp und Co. bereits im vergangenen Jahr unter dramatischen Umständen aus den Händen gerissen wurde.

Doch davon wollen Klopp und Mané nichts hören. Denn nur Favoriten können etwas verlieren. Und das sind die Reds ja einmal mehr nicht. Zumal es gegen den aus Sicht von Klopp besten Spieler der Welt geht, wie er bei einer Charity-Gala Ende 2018 erzählte.

Wie Messi gestoppt werden sollte, darauf hatte Klopp nach dem Viertelfinaltriumph über Porto noch keine Antwort. Dabei ist die Antwort ganz einfach: Wenn der Argentinier überhaupt zu stoppen sein sollte, dann nur im Kollektiv. Aber das ist ja eh die Stärke der Reds.

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