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Ajax Amsterdam scheitert auf dramatische Art im Halbfinale der Champions League. José Mourinho kritisiert Ajax-Coach Erik ten Hag für dessen Vorgehensweise.

José Mourinho ließ an den Spielern von Ajax Amsterdam kein gutes Haar.

Der nicht mehr für mögliche gehaltene Knockout des niederländischen Überraschungsteams war schon brutal.

Die kritischen Worte des Portugiesen bei beIn Sports nach der 2:3-Pleite gegen die Tottenham Hotspur im Halbfinale der Champions League waren es nicht weniger.

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Ajax muss "von seiner Philosophie abweichen"

Im britischen Fernsehen wurde Mourinho gefragt, ob er Ajax bei der komfortablen Pausenführung taktisch anders ausgerichtet hätte, nachdem Tottenham drei Tore zum Weiterkommen brauchte.  

"Absolut. Ja. Die Philosophie ist es, was ein Team wachsen lässt", erklärte der Portugiese bei beIn Sports und fügte an: "Jedes Team wächst heran, man braucht aber diese Basis, man braucht diese Philosophie, man braucht diesen Spielstil, der an die Qualität der Spieler angepasst ist."

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Und weiter: "Fußball ist ein sportlicher Kampf und in Kämpfen braucht man Strategie. Und um Spiele zu gewinnen, insbesondere spezielle Spiele, muss man in speziellen Spielen manchmal von seiner eigentlichen Philosophie abweichen."

Damit meinte der exzentrische Portugiese insbesondere die offensive Ausrichtung der Amsterdamer, die mit ihrem "Voetbal Total" unter anderem Titelverteidiger Real Madrid und Juventus Turin an die Wand spielten und aus der Königsklasse warfen.

Mourinho: Wie gegen Vitesse Arnheim

Gegen Tottenham aber brach genau das ihnen das Genick, so Mourinho: "Manchmal muss man sogar gegen seine Philosophie verstoßen, um ein Fußballspiel zu gewinnen." Das Problem lag seiner Meinung nach in der Defensive, wo die Innenverteidiger Daley Blind und de Ligt zu oft und zu weit nach vorne geschoben haben.

"Wir sahen Situationen, in denen Blind und de Ligt über der Verteidigungslinie standen. Die grundlegende Sache, wenn man einen Vorteil hat, ist, die Balance die ganze Zeit zu halten - und nie unausgeglichen zu agieren", so Mou. "Und die Balance beginnt genau mit der Verteidigungslinie. Hinter dem Ball muss immer eine bestimmte Anzahl von Spielern stehen."

Der zurzeit arbeitslose Trainer lässt bekanntermaßen seine Teams defensiver auflaufen und hatte damit auch Erfolg, als er mit Porto 2004 und Inter Mailand 2010 die Champions League gewonnen hatte. Ajax aber lief seiner Meinung nach ins eigene Verderben - wegen des zu offensiven Fußballs.

"Sie blieben bei ihrer Philosophie, sie spielten das Spiel in der zweiten Halbzeit, als würden sie gegen Vitesse Arnheim in der niederländischen Liga spielen", kritisierte Mourinho. "Sie spielten, als wäre es ein Gruppenspiel der Champions League oder ein weiteres Spiel in der Eredivisie." Und eben kein spezielles Spiel.

Mourinho kritisiert ten Hag

Die Schuld lag allerdings nicht nur bei den Spielern, sondern vielmehr bei Ajax-Coach Erik ten Hag, der es versäumt hatte, die Taktik zu ändern:

"Als Trainer gibt es Spiele, in denen die eigene Mannschaft nicht spielt. Es gibt Spiele, in denen sie sehr schlecht spielt. Es gibt Spiele, in denen sie sehr gut spielen. Aber in der zweiten Halbzeit brauchten die Ajax-Spieler ihn (Anm. d. Red.: ihren Coach ten Hag), um sehr gut zu spielen. Nur spielte er - wie seine Mannschaft - nicht sehr gut", so Mourinho.

Und wieder einmal bewahrheitet sich eine bekannte Fußball-Weisheit: "Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften und Titel."

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