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Mit dem Abschied von Arjen Robben und Franck Ribéry endet eine Ära beim FC Bayern. Der ehemalige Coach Jupp Heynckes erinnert sich an viele Momente mit den beiden Stars.

Mit dem Gewinn des Doubles endete für Arjen Robben und Franck Ribéry eine glanzvolle Zeit beim FC Bayern. "Robbery" gewannen mit dem deutschen Rekordmeister jeden nur erdenklichen Titel.

Das glanzvollste Jahr erlebte das Duo zusammen 2013 unter Jupp Heynckes, als die Bayern erstmals in ihrer Geschichte das Triple einfuhren. 

Nach dem Abschied der beiden Stars erinnert sich Heynckes an seine Zeit mit dem Duo und beschreibt, was die beiden so einzigartig macht. 

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Robben und Ribéry "getrieben von kindlicher Freude"

"Sie waren getrieben von einer kindlichen Freude am Fußball, von nie abkühlender Leidenschaft und einem ungebremsten Spaß, der Straßenfußballern eigen ist", schwärmte Heynckes im kicker von den Qualitäten des Duos.

Der Erfolgstrainer nennt auch die Gründe, warum sich die beiden Stars zu den herausragenden Figuren im Weltfußball auf ihren Positionen entwickeln konnten. 

Die "angeborene Liebe zum Ball und Spiel" habe sich das Duo stets bewahrt, erklärte Heynckes: "Nur dank dieser Eigenschaften konnten sie das Flügelspiel so nachhaltig und perspektivisch interpretieren."

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Dabei hätten Ribéry als auch Robben "neue Maßstäbe gesetzt. Franck, mit seinen Hochgeschwindigkeits-Dribblings tänzerisch wie beim Slalom; Arjen, zielgerichtet mit dem Blick nach vorne, im Vollspurt durchstartend, sodann mit dem Robben-Move nach innen ziehend, um den Ball wahlweise in den rechten oder linken Winkel zu zirkeln oder zu zimmern", schwärmt Heynckes.

Mit dieser Kunst haben sie, jeder auf seine spezielle Weise, die Massen elektrisiert. "Darauf komme es an, das macht das Spiel der ganz großen Könner aus", führte der 74-Jährige weiter aus.

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Ribery ein Rebell

Dass der Umgang mit den beiden Stars nicht immer einfach war, gestand der Weltmeister von 1974 ein. Dabei spielte er auch auf die Aggressionen von Ribéry auf dem Platz und dessen gelegentlichen Kontrollverlust an. Er "habe etwas Rebellisches in sich".

"Er ist ein Straßenkämpfer, der einen steinigen Weg gehen und sich nach oben boxen musste. Diese Aggressivität lebte Franck immer wieder gegen Gegenspieler aus. Er glaubt sich schnell angegriffen und ist ein hochsensibler Charakter, der nach Respekt giert. Erfährt er diese Anerkennung, ist Franck ein herzensguter, liebenswerter Mensch", berichtete Heynckes.

Zwischen ihm und Ribéry habe es aber auch gekracht. "Kurz vor Weihnachten 2011 traten wir im Pokal in Bochum an, als es kurz vor Schluss einen Freistoß gab. Franck wollte schießen, ich rief, Toni Kroos solle es tun. Wir gewannen kurz vor Schluss 2:1 und jubelten in der Kabine. Franck war stinkesauer und motzte herum. Ich war genauso geladen und außer mir, schrie zurück", erinnerte sich Heynckes.

Funkstille zwischen Heynckes und Ribéry

"Franck und ich gingen wortlos in die Winterpause. Da rief mich im Weihnachtsurlaub Daniel van Buyten, Francks bester Freund, an und sagte, er wolle mir mitteilen, dass sich Franck entschuldigen möchte", erinnerte sich Heynckes und verriet, wie sich die Wogen letztlich wieder glätteten: "Vor dem zweiten Rückrundenspiel, zu Hause gegen Wolfsburg, sagte Schweinsteiger zu mir: "Trainer, tun Sie mir bitte einen Gefallen und reden Sie mit Franck!"

Ich rief ihn auf mein Zimmer, nach unserem Gespräch umarmte mich Franck und sagte: 'Danke, Trainer! Ich werde morgen super spielen.' Er löste sein Versprechen ein."

Ein ähnlichen Vorgang erlebte der Coach auch mit Arjen Robben.

"Es war in der Triple-Saison, als ich Arjen nach einer Verletzung sukzessive an den vollen Spielbetrieb heranführen wollte. In drei Begegnungen ließ ich ihn zunächst draußen, was ihm missfiel, sodass eine Eiszeit zwischen uns entstand", verriet der Ex-Coach: "Ich musste ihn mit Bedacht einsetzen, Spieler haben dafür kein Verständnis."

Auch damals habe sich Schweinsteiger als Vermittler eingeschaltet. Das Bayern Urgestein "versuchte damals, Arjen von meinem Vorgehen im Sinne der Gesundheit zu überzeugen", berichtete Heynckes.

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