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Das Halbfinale zwischen Liverpool und Barcelona wird durch eine kuriose Ecke entschieden. Geplant oder Zufall? Daran scheiden sich sogar die Geister der Protagonisten.

Drin oder nicht, Tor oder kein Tor?

Über Jahrzehnte hinweg war es das größte Rätsel der Fußballgeschichte. Das Wembley-Tor, jener Treffer, der England, dem Mutterland des Fußballs 1966 den bislang einzigen Weltmeister-Titel der Geschichte bescherte.

Keine Wiederholung in Zeitlupe, kein Hawk-Eye. Wer damals im entscheidenden Moment nicht richtig stand oder hinsah, sah nichts.  

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So wie Jürgen Klopp an diesem denkwürdigen Abend an der Anfield Road. Soeben hatte sein FC Liverpool das 4:0 gegen den FC Barcelona erzielt. Wie, das wusste er selbst nicht so recht.

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Liverpool-Ecke übertölpelt Barcelona

"Ich habe das gar nicht selbst gesehen. Das war alleine die Idee von Trent Alexander-Arnold, 20 Jahre alt. Was für ein Kerl", sagte Klopp nach dem Einzug ins Finale der Champions League.

Dieser Kerl hatte zuvor mit einem Geniestreich die gesamte Barça-Defensive übertölpelt. Alexander-Arnold legte sich den Ball zum Eckball zurecht, drehte dann jedoch ab und überließ scheinbar dem hinzueilenden Xherdan Shaqiri die Ausführung.

Trent Alexander-Arnold bringt den Ball in die Mitte
Trent Alexander-Arnold bringt den Ball in die Mitte © Screenshot: DAZN

Nachdem er sich zwei Schritte von der Eckfahne entfernt hatte, drehte er jedoch blitzschnell um und passte direkt nach innen.

Marc-André ter Stegen und Barcelonas Hintermannschaft pennen beim 0:4
Marc-André ter Stegen und Barcelonas Hintermannschaft pennen beim 0:4 © Screenshot: DAZN

Da sich die Defensive der Katalanen inklusive Torhüter Marc-André ter Stegen, der gerade noch seine Vorderleute klatschend zu mehr Aufmerksamkeit animierte, im kollektiven Tiefschlaf befand, hatte der frei am Fünf-Meter-Raum stehende Divock Origi nur wenig Mühe den Ball halbhoch im langen Eck zu versenken.

Origi: Variante war einstudiert

Versagen auf der einen und Genialität auf der anderen Seite? Torschütze Origi jedenfalls bestand auf Berechnung statt eines Geistesblitzes: "Ja, die war einstudiert", sagte der Belgier nach der Partie bei Sky über die entscheidende Ecke.

Marc-André ter Stegen kann dem Ball nur noch hinterher schauen
Marc-André ter Stegen kann dem Ball nur noch hinterher schauen © Screenshot: DAZN

"Klopp sagt im Training, wir müssen schnell reagieren können, wenn es die Räume gibt bei so einer Ecke. Ich habe gesehen, dass Barcelona unaufmerksam war und habe den Ball gefordert."

Tatsächlich ist auf den TV-Bildern zu sehen, wie der 24-Jährige immer wieder verstohlen Richtung Eckfahne schielt. Ob man allerdings einstudieren kann, dass eine komplette Hintermannschaft den Dienst versagt?

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Alexander-Arnold widerspricht Origi

Alexander-Arnold jedenfalls sah das etwas anders. “Es war nur Instinkt. Einer dieser Momente, in der du die Möglichkeit siehst", antwortete er auf die Frage, ob jene Variante im Vorfeld trainiert wurde.

Auch Klopp sprach von einer "Idee, die in diesem Moment entstanden ist". Allerdings betonte er auch, dass er seiner Mannschaft bei Ecken und Freistößen eine gewisse Marschroute mit auf den Weg gegeben hatte, nachdem die Analysten nach dem Hinspiel herausgearbeitet hatten, dass die Katalanen bei Standards immer wieder die Konzentration verlieren. Dementsprechend wurden die Balljungen angewiesen, den Ball möglichst schnell wieder ins Spiel zu bringen.

"Standardsituationen sind bei uns mittlerweile ein großes Thema. Die Jungs machen da einen sensationellen Job, wir verwenden viel Zeit darauf. Wir wollten schnelle Standardsituationen haben", erklärte der ehemalige BVB-Trainer.

Und Alexander-Arnold tat, was ihm aufgetragen wurde. "Die Leute werden mir erzählen, dass es schlecht verteidigt war, aber ich sage euch, es war pure Intelligenz und Vision", schwärmte der langjährige Barça-Star Cesc Fabregas via Twitter.  

Ob nun spontange Eingebung oder von langer Hand geplant, final wird sich das nicht mehr klären lassen.

Der Fußball hat ein neues Mysterium.

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