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München - Vor dem Champions-League-Spiel von Borussia Dortmund bei Inter Mailand spricht der frühere BVB-Profi Miki Stevic bei SPORT1 über Trainer Lucien Favre.

Wie überzeugend und mitreißend ist Lucien Favre? Und: Kann er Titel gewinnen?

Fragen, die nicht nur die Fans von Borussia Dortmund beschäftigen, sondern inzwischen auch die Fußball-Experten und Anhänger anderer Klubs in Deutschland. Die Meinungen über den BVB-Coach gehen weit auseinander.

Zuletzt hatte Favres Truppe in der Liga einen Durchhänger. Auch wenn der Sieg gegen Borussia Mönchengladbach Favre wieder etwas Luft verschafft hat, sind die Kritiker vor dem Kracher am Mittwoch gegen Inter Mailand (Champions League: Inter Mailand - BVB ab 21 Uhr im LIVETICKER) längst nicht verstummt.

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Stevic: Favre hat Umbruch gemeistert

Einer, der Favre den Rücken stärkt, ist Miroslav "Miki" Stevic, er trug von 1999 bis 2002 das BVB-Trikot, spielt in der Legenden-Mannschaft der Schwarz-Gelben und hat den Klub noch immer im Herzen. Favre kennt er durch dessen ehemaligen Berater Jose Noguera, der den Schweizer einst nach Deutschland brachte.

"In den vergangenen Jahren gab es immer einen kleinen Umbruch beim BVB, weil die besten Spieler verkauft wurden. In der vergangenen Saison hat Favre das sehr gut gemeistert und er bekam berechtigt Lob von allen Seiten. Leider hat der letzte Schritt zur Meisterschaft gefehlt“, sagt Stevic im Gespräch mit SPORT1.  

Die Kritik am oftmals als emotionslos beschriebenen Auftreten des BVB-Trainers kann der 49-Jährige nur bedingt nachvollziehen. "Favre ist für mich ein sehr gemütlicher und sympathischer Typ, jeder von uns ist auf seine Art schwierig", meint der Serbe. "Jeder Mensch ist auf seine Art schwierig. Natürlich ist es leichter, einen Menschen zu ändern, wenn er 20 oder 30 Jahre alt ist, als wenn er so alt ist wie Lucien."

SPORT1-Reporter Reinhard Franke (l.) traf sich in München mit dem früheren BVB-Profi Miki Stevic
SPORT1-Reporter Reinhard Franke (l.) traf sich in München mit dem früheren BVB-Profi Miki Stevic © Reinhard Franke

Stevic: Auch Favre wird an Titeln gemessen

Favre habe "seinen Trainerstil" und man werde "ihn in diesem Alter nicht mehr ändern können". "Er hat mit diesem Stil in der Vergangenheit schon sehr guten Fußball gezeigt", erklärt Stevic. Fakt sei aber auch, "dass man in gewissen Situationen die eigene Spielphilosophie anpassen oder ändern muss und dass es bis jetzt nicht zur Meisterschaft gereicht hat, obwohl ich ihm das von Herzen gewünscht habe." 

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Stevic weiß: "In der Bundesliga musst du als Spitzenklub Titel gewinnen. Daran wirst du gemessen. Auch Lucien. Aber das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen, ich bin davon überzeugt, dass der BVB in dieser Saison bis zum letzten Tag um den Titel mitspielen wird."

Stevic ist von Favres Stärke und der individuellen Klasse des Kaders überzeugt: "Im Sommer wurde reagiert und der BVB hat sich top verstärkt. Die Bosse haben alles dafür getan, um eine top Mannschaft auf die Beine zu stellen mit berechtigtem Anspruch auf Platz 1. Auch aufgrund einer starken Vorbereitung und des Supercup-Gewinns. Jeder dachte es wird die Saison des BVB."

Das andauernde Anzählen Favres empfindet er daher in erster Linie als unsachlich. "Wenn Kritik aus Fakten besteht aufgrund von schlechten Ergebnissen, dann ist sie immer berechtigt. Die Kritik an der Tabellenposition und am Ergebnis muss Lucien daher akzeptieren. Aber wenn Kritik auf die persönliche Ebene geht, dann ist sie immer ungerecht".

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"Lucien ist natürlich kein Klopp"

Doch die anhaltende Kritik kommt auch aus dem eigenen Fanlager. Nicht wenige Fans träumen nach wie vor von einem Trainervulkan à la Jürgen Klopp. Doch das dürfte Wunschdenken bleiben. Stevic stellt klar: "Jürgen Klopp und der BVB war eine der besten Konstellationen, die ich im Fußball je erlebt habe."

Und weiter: "Lucien ist natürlich kein Klopp. Das wäre so, wie wenn man Sancho mit Dembele vergleicht oder Gnabry mit Ribéry."

Favre und Klopp sei einfach ein "fehlerhafter Vergleich". Beide seien "komplett verschieden". "Man kann Favre nicht mit ihm vergleichen, das ist ungerecht. Man kann ihn kritisieren, aber nicht mit einem BVB-Trainer vor ihm vergleichen. Favre ist Favre."

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