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München - Am 15. November endet die Ära von Uli Hoeneß als Bayern-Präsident. Dann will er sich auch öffentlich zurücknehmen - doch ist das überhaupt vorstellbar?

Angst vor diesem Tag habe er überhaupt keine, das hat Uli Hoeneß Ende August bei seiner offiziellen Rückzugsankündigung versichert.

Es sind nur noch gut dreieinhalb Wochen, bis Hoeneß' Amtszeit als Präsident des FC Bayern endet. Ende August gab er bekannt, bei der Jahreshauptversammlung am 15. November in der Münchner Olympiahalle nicht erneut kandidieren zu wollen.

Statt sich öffentlich über vergebene Chancen seiner Bayern zu ärgern, zählt für Hoeneß dann in erster Linie nur noch, dass das Frühstücksei auch nicht zu hart gekocht ist. Wenn er dann sonntags mit seiner Familie in seinem Haus in Bad Wiessee am Tisch sitzt und auf den Tegernsee blickt, ist die Säbener Straße gut 40 Kilometer weit weg.

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Hoeneß: "Von mir wird noch was zu hören sein"

"Ich freue mich, den FC Bayern weiterhin aus etwas größerer Distanz begleiten zu können", sagte Hoeneß auf der Pressekonferenz damals - kündigte aber zugleich an: "Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, von mir wird noch was zu hören sein."

40 Jahre prägte Hoeneß zunächst als Manager, ab 2009 als Präsident die Geschichte des FC Bayern, nun will er mehr Zeit für sein Familie haben.

Aber kann sich ein Uli Hoeneß überhaupt raushalten? Und darf sich der Bayern-Macher angesichts der momentanen Turbulenzen ausgerechnet jetzt zurückziehen?

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Ein FC Bayern ohne Hoeneß ist für viele kaum vorstellbar, war während seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung von Juni 2014 bis Februar 2016 aber schon einmal Realität. Nach seiner Rückkehr nahm sich Hoeneß in der Öffentlichkeit zunächst deutlich zurück, nur um in der jüngeren Vergangenheit doch wieder verstärkt die "Abteilung Attacke" zu verkörpern.

Seine Aussagen in der Debatte um Marc-André ter Stegen und Manuel Neuer verdeutlichten, welche Wucht seine Worte noch immer entfalten können. Dies dürfte auch in Zukunft der Fall sein, selbst wenn er sich nicht mehr regelmäßig äußern wird.

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Die zwei Gesichter des Uli Hoeneß

Hoeneß wird immer Hoeneß bleiben, das unterstrich er mit seinem Auftritt vor der Presse vor seiner letzten internationalen Dienstreise.

Vor dem Abflug vor dem Champions-League-Gastspiel bei Olympiakos Piräus nannte er es im Gespräch mit SPORT1 "Käse", in der gegenwärtigen Situation von einer Krise zu sprechen. Dabei wurde er laut. Die Art und Weise, wie die Diskussion um Edelreservist Thomas Müller in den Medien geführt wird, nannte er eine "Schweinerei". Auch dabei wurde er laut.

Doch nachdem er die Sicherheitskontrolle passiert hatte, war Hoeneß plötzlich wie ausgewechselt. Auf dem Flug suchte er das Gespräch mit den mitreisenden Journalisten, schlug versöhnliche Töne an und war zu Scherzen aufgelegt.

In Zukunft werde er auf eigene Kosten als Privatperson zu den Auswärtsspielen der Bayern in der Königsklasse reisen, kündigte er am Montag noch an.

Als Hoeneß vor fast zwei Monaten über seinen bevorstehenden Rückzug sprach, betonte er, wie sehr der Verein in sich selbst ruhe. Dies wiederholte er am Montag und bekräftigte: "Ich sehe kein Problem, diese Unruhe wird wieder von außen hereingetragen."

Hoeneß stützt Kovac - noch

Allerdings drohen die Bayern wie vor einem Jahr unter Niko Kovac in eine Herbst-Krise zu schlittern. Grund genug für Hoeneß, für "seinen" Trainer noch ein letztes Mal öffentlich in den Kampf zu ziehen. Aber wie geht es weiter, wenn Hoeneß ab dem 15. November nicht mehr Präsident ist und Herbert Hainer in seine Fußstapfen tritt?

Der designierte Präsident hat sich mit öffentlichen Aussagen bisher zurückgehalten und lediglich dem Vereinsmagazin 51 Anfang Oktober ein längeres Interview gegeben.

Darin wurde Hainer auch gefragt, was er Kritikern entgegne, die sagen, Hoeneß wolle über ihn den FC Bayern weiterhin mit steuern. Dabei betonte Hainer seine große Erfahrung als Vorstand eines "international agierenden DAX-Konzerns", räumte aber mit Blick auf Hoeneß' Erfahrungsschatz ein: "Es wäre klug von mir, wenn ich auf seinen Rat hören würde."

Hoeneß-Einmischung? Stoiber mit klarer Meinung

Auch Hoeneß betonte bereits, dass er seinem Klub weiterhin beratend zur Seite stehen werde, wenn er denn gefragt werde. Auch für Spieler werde er weiterhin ein offenes Ohr haben. "Wenn einer einen Rat will, wird ein gemeinsames Essen weiter möglich sein - mit mir als Person, nicht als Funktionsträger."

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Hainer stellt sich am 15. November der Wahl zum neuen Präsidenten, einen Gegenkandidaten gibt es nicht. Im Januar stößt mit Oliver Kahn ein weiteres neues Gesicht zur Führungsriege. Der langjährige Bayern-Torhüter soll Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsvorsitzender beerben. Wie beide in der Öffentlichkeit auftreten werden, bleibt abzuwarten. Hainer gilt als Diplomat, Kahn wird voraussichtlich im Rahmen einer offiziellen Pressekonferenz vorgestellt werden, dürfte sich in seiner Einarbeitungsphase dann aber wohl eher zurücknehmen.

Dass Hoeneß von außen der neuen Führungsetage ins Handwerk pfuschen werde, glaubt Aufsichtsratsmitglied Edmund Stoiber nicht.

"Uli Hoeneß wird denen, die jetzt die Verantwortung tragen, mit Sicherheit keine öffentlichen Ratschläge geben. Davon bin ich überzeugt", sagte Stoiber im CHECK24 Doppelpass Anfang September auf SPORT1. "Jetzt tragen andere die Verantwortung. Da hält man sich logischerweise zurück. Das ist doch gar keine Frage."

Ob Uli Hoeneß in Bad Wiessee künftig wirklich die Füße stillhalten kann, wird sich zeigen.

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