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Dortmund und München - Der BVB siegt dank Erling Haaland im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen PSG und Thomas Tuchel. Der Norweger erzielt gegen die Superstar-Truppe einen Doppelpack.

Viel gelang Erling Haaland über weite Strecken des Spiels nicht. (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Doch wie so oft in den vergangenen Partien des BVB war er dann doch in den entscheidenden Momenten zur Stelle. Mit seinem Doppelpack sorgte der 19 Jahre alte Norweger für den 2:1-Sieg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Paris Saint-Germain.

In Selbstherrlichkeit verfiel der neue Bundesliga-Shootingstar nach der Partie nicht – im Gegenteil: "Ich weiß, dass ich mich noch verbessern muss. Das hat man heute gesehen, ich arbeite weiter", erklärte Haaland bei DAZN, nachdem er dem ehemaligen BVB-Trainer Thomas Tuchel die Rückkehr nach Dortmund vermiest hatte.

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Haaland genießt den Moment

Dass bei weitem nicht alles rund für Haaland lief, konnte man auch an den Reaktionen auf seine Treffer ablesen. Während er beim 1:0-Führungstreffer, als er in bester Mittelstürmermanier abstaubte, noch cool seinen Yoga-Sitzjubel auspackte, den er auch schon zu Salzburger Zeiten zelebrierte, sah es beim 2:1 rund zehn Minuten später ganz anders aus. (Die Ergebnisse der Champions League)

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Erleichtert, vielleicht auch etwas ungläubig, ließ er sich einfach nur auf den Rücken fallen und tat nur eins: Er sog den Moment auf. "Ich habe nicht viel darüber nachgedacht, sondern den Moment genossen. Das sind die Momente, auf die du hinarbeitest. Das ist fantastisch," erklärte er seine Gedanken zu seinem zehnten Treffer in der laufenden Champions-League-Saison, mit dem er in der Torjägerliste zum Ersten Robert Lewandowski aufschloss.

Denn dieser zweite Treffer hatte etwas Magisches. Während das erste Haaland-Tor als Symbol für die harte Arbeit gelten konnte, mit der die Elf von Trainer Lucien Favre das Superstar-Ensemble um Neymar und Kylian Mbappé beinahe die kompletten 90 Minuten zur Verzweiflung trieb, stand der zweite Treffer für etwas anderes: den spielerischen Glanz, den die Dortmunder vor heimischer Kulisse ausstrahlten und die Durchschlagskraft, mit der sie agierten. "Er ist im Strafraum immer bereit. Seine Bewegung beim 2:1, sein Tempowechsel, das ist einfach gut", lobte Favre seinen Schützling nach dem Spiel.

Mit seinem fulminanten linken Hammer versetzte Haaland die Gelbe Wand, die nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Neymar kurzzeitig verstummt war, eine Viertelstunde vor dem Abpfiff erneut in Ekstase. "So ein Spiel muss unser Maßstab sein," erklärte Sportdirektor Michael Zorc nach dem Spiel die Marschrichtung.

Can als Haaland-Dirigent

Dabei hatte der ehemalige Bundesliga-Spieler Jan-Age Fjörtoft noch in der Halbzeitpause die fehlende Bindung des Norwegers beklagt. "Ich verstehe nicht, warum Erling nicht mehr eingebunden wird und sich selbst nicht mehr anbietet", erklärte der norwegische Landsmann im Gespräch mit SPORT1.

In der zweiten Hälfte gelang es dem Norweger deutlich besser. Besonderen Anteil daran hatte einer, der sogar noch kürzer im Verein ist als der Norweger selbst: Emre Can. Der Neuzugang von Juventus Turin, dessen feste Verpflichtung der BVB vor dem Spiel bekannt gab, ging mehrmals auf Haaland zu, redete auf ihn ein, dirigierte ihn nahezu, gab ihm taktische Anweisungen und Tipps. So wollte er den Vulkan Haaland zum Ausbrechen bringen. Mit Erfolg.

Trotz des Erfolgs analysierte Favre nur den Ist-Zustand: "Natürlich ist das ein gefährliches Ergebnis. Aber wir haben offensiv und defensiv ein sehr gutes Spiel gemacht und gewonnen. Im Moment steht es 2:1 für uns." Nationalspieler Can warnte unterdessen: "Es ist erst Halbzeit."

Beide Mannschaften bewiesen zwar, wie hoch veranlagt sie im Offensivspiel sind. Neymars Freistoß (10.) war die erste Torchance, beim BVB lauerten Sancho und Haaland in den Schnittstellen auf steile Pässe nach Ballgewinnen. Zudem streuten die Dortmunder Pressingphasen ein. Das erhoffte Spektakel jedoch blieb zunächst aus - die Abwehrreihen waren aufmerksam, alles knubbelte sich im Mittelfeld.

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Taktik von Favre geht auf

Die Dortmunder waren beim Spiel in die Spitze allerdings gefährlicher, dementsprechend tobte Tuchel an der Seitenlinie. Sancho (27.) hätte Torhüter Keylor Navas beinahe mit einem Schuss durch die Beine seines Gegenspielers überrascht, Haaland scheiterte am Außennetz (35.). Auf der anderen Seite blieben Neymars Vorstöße vor der Pause Ansätze, Mbappe war lange kaum zu sehen - auch weil Can und Axel Witsel in der BVB-Zentrale auftrumpften.

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Die Taktik von BVB-Coach Lucien Favre ging also ging auf. Der BVB verteidigte im Kollektiv und suchte blitzschnell den Weg zum gegnerischen Tor, nur die Genauigkeit fehlte noch. PSG geriet in Bedrängnis - befreite es sich, setzten die Stars vorne zu sehr auf brotlose Kunst.

Nach der Halbzeitpause ging der BVB noch aggressiver drauf und erhöhte in der Hoffnung auf eine bessere Ausgangsposition den Druck. Immer wieder aber fehlten gegen einen fahrigen und lange erstaunlich harmlosen Gegner die entscheidenden Zentimeter - oder auch einfach mal Glück. PSG schien hingegen mit dem Ergebnis zufrieden zu sein, jedenfalls bemühten sich die Franzosen weiter nicht ernsthaft um Offensive. Eine Großchance von Mbappe, der an BVB-Torwart Roman Bürki scheiterte (66.), war das erste Pariser Aufflammen seit der 10. Minute.

Der BVB antwortete mit dem 1:0, und plötzlich explodierte das Spiel förmlich, weil endlich auch Paris aufmachen musste. Nach dem 2:1 traf Neymar noch einmal den Pfosten (81.).

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