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München - Beim FC Bayern wird fleißig an einer vielversprechenden Zukunft gearbeitet. Dagegen scheinen viele CL-Konkurrenten geschwächt aus der Corona-Krise zu gehen.

München, Anfang April. Der Frühling zieht mit lautem Vogelgezwitscher und einer atemberaubenden Blütenpracht in die bayerische Landeshauptstadt ein. An der Säbener Straße, wo das Trainingszentrum des FC Bayern München steht, weht ein lauer Wind, der weißblaue Himmel hat Postkartenqualität.

Passend zum Naturschauspiel verbreitet der deutsche Rekordmeister in diesen sonnigen Tagen zwei Nachrichten, die das Stimmungsbild abrunden: Erst bekommt Cheftrainer Hansi Flick einen Vertrag bis 2023 vorgelegt, anschließend zieht Thomas Müller nach und verlängert ebenfalls bis 2023.

Corona-Pandemie? War da was? Auch wenn der Fußball seit Wochen still steht und keiner genau weiß, wann der Ball wieder rollt: Den Bayern merkt man nichts von einer existenziellen Krise an - im Gegenteil. Während viele Klubs rundherum, in der Bundesliga und vor allem auch im Ausland, unter wegbrechenden Einnahmen ächzen, geben die Münchner ein Bild ab, das vor Zuversicht nur so strotzt.

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"Man verlängert für sich selbst, weil man das Gefühl hat, hier passt das Gesamtensemble - und das Gesamtpaket", sagte Müller über die Gründe, seinem Heimatverein treu zu bleiben. "Wir alle haben das Gefühl, dass wir bei diesem Projekt dabei bleiben wollen. Spieler, Trainer und Verein gehen in die gleiche Richtung. Das ist immer gut."

Flick: "Das Triple ist ja immer ein Thema"

Die Unterschriften von Flick und Müller dürften als Dominoeffekt fungieren und weitere Stars zum Bleiben animieren. Vor allem die Leistungsträger Thiago, David Alaba und Manuel Neuer, deren Verträge nur noch bis 2021 datieren, sollen nun nachziehen - zumindest ist das die Hoffnung im gesamten Umfeld.

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Schon für die laufende Spielzeit fühlen sich die Münchner gerüstet. "Wir haben in allen drei Wettbewerben die Chance, sehr erfolgreich zu sein. Das Triple ist ja immer ein Thema, und es scheint im Machbaren zu sein", sagte Flick noch vor seiner Vertragsverlängerung. 

Doch vor allem perspektivisch könnte der FC Bayern im internationalen Vergleich als Sieger aus der Coronakrise hervorgehen. 

Chaos-Tage in Barcelona

Während man in München gerade Nägel mit Köpfen macht, legten sich einige der Champions-League-Konkurrenten zur Osterzeit selbst ein paar faule Eier ins Nest. So beschloss der FC Liverpool zunächst, Kurzarbeit zu beantragen, und erntete einen Shitstorm seiner eigenen Anhänger.

Angesichts des Aufschreies aus den eigenen Reihen zogen die Reds zwar den Antrag zurück, allerdings sind die Zweifel an der Anfield Road berechtigt, ob die Fans den Fauxpas so schnell vergessen werden.

Bei anderen Topklubs hätte man diese Probleme gerne - vor allem beim FC Barcelona. Dort zerfleischt sich gerade die Chefetage gegenseitig, nachdem der Rücktritt von sechs Vereinsdirektoren die Katalanen ins Chaos gestürzt hatte. 

Vor allem finanziell scheint der aktuelle Spitzenreiter der spanischen Liga nicht auf Rosen gebettet zu sein, schließlich forderte man von den eigenen Spielern, auf große Teile ihrer Bezüge zu verzichten.

Barca-Kapitän Lionel Messi fühlte sich daraufhin genötigt, auf Instagram öffentlich seinen Unmut darüber zu verbreiten, dass er und seine Mannschaftskollegen sich zu Unrecht unter Druck gesetzt fühlten. Laut dem Superstar stimmten die Barca-Profis schließlich aus eigenem Antrieb zu, auf 70 Prozent ihres Gehalts zu verzichten.

Bei Juventus Turin fällt der Gehaltsverzicht sogar noch drastischer aus: Vier Monate lang kassieren Cristiano Ronaldo und Co. keinen einzigen Cent von der "Alten Dame", nachdem Kapitän Giorgio Chiellini, selbst studierter Ökonom, seine Teamkameraden von der Dringlichkeit der Maßnahmen überzeugt hatte.

Juventus verpasst Kaderverjüngung

Doch auch wenn Juventus einigermaßen unbeschadet aus der Krise hervorgehen sollte, darf bezweifelt werden, dass die Mannschaft von Trainer Maurizio Sarri in der kommenden Zeit ein ernsthafter Kandidat für den Champions-League-Sieg sein wird. 

Mit 29,6 Jahren im Durchschnitt haben die Turiner den mit Abstand ältesten Kader unter den europäischen Top-Klubs. Der geplante Umbruch im vergangenen Sommer verpuffte zunächst, nachdem sich Matthijs de Ligt im Abwehrzentrum nicht durchsetzen konnte. 

Zuletzt machten Meldungen die Runde, wonach Juve die Verträge von Gianluigi Buffon (42), Chiellini (35) und Blaise Matuidi (32) verlängern will. 

PSG vor einem Umbruch

Ganz andere Probleme hat gerade Paris Saint-Germain, wo ein kompletter Umbruch in der kommenden Sommerpause ansteht. Kapitän Thiago Silva dürfte die Pariser ebenso verlassen wie Thomas Meunier und Edinson Cavani. Alle drei Verträge laufen am Saisonende aus, wodurch PSG keine Ablöse generieren kann. 

Die entscheidende Frage ist allerdings, was mit Kylian Mbappé und Neymar passiert, die schon lange im Mittelpunkt der internationalen Transfergerüchte stehen. Dass beide Superstars in Paris bleiben werden, ist nach derzeitigem Stand unwahrscheinlich, auch wenn Real Madrid und Barca durch die Coronakrise nicht mehr so liquide zu sein scheinen, einen dreistelligen Millionenbetrag zu stemmen.

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Wann greift die Sperre für ManCity?

Die schlimmste (und selbstverschuldete) Krise hat aber, zumindest mittel- und langfristig, Manchester City auszubaden. Der englische Meister wird für zwei Jahre komplett von der internationalen Bildfläche verschwinden - die Frage ist nur, wann.

Mitte Februar war City wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay von der UEFA für zwei Jahre aus der Champions League gestrichen worden. Die Berufungsverhandlung vor dem Sportgerichtshof CAS verzögert sich allerdings durch die Coronakrise, so dass die Sperre für die kommende Spielzeit ausgesetzt sein könnte.

Dennoch dürften die Citizens, in Pep Guardiolas viertem Amtsjahr auch sportlich nicht mehr das Maß der Dinge, vom Ausschluss aus der Königsklasse schwer getroffen werden - schließlich wird es für einen Klub, der nicht in der Champions League vertreten ist, schwer, die besten Fußballer anzulocken.

Hoeneß lobt Vorstand Kahn 

Bei so vielen Sorgen der europäischen Konkurrenz kann der FC Bayern trotz Coronakrise noch entspannter in die Zukunft blicken, was auch viel mit Oliver Kahn zu tun hat. Der 50-Jährige, der seit Januar als Vorstandsmitglied im Amt ist und 2022 Karl-Heinz Rummenigge als Bayern-Boss ablösen soll, ist schon in die aktuellen Personalplanungen eingebunden - und er macht seinen Job allem Anschein nach hervorragend.

"Er hat alle meine Erwartungen zu 100 Prozent erfüllt", frohlockte Ex-Präsident Uli Hoeneß kürzlich im kicker. "Und ich bin sehr optimistisch, dass es die total richtige Entscheidung war, Oliver da einzubauen. Das sieht man schon jetzt."

Im Mitgliedermagazin "51" versprach Kahn den Fans schon, "dass wir alles dafür tun, dass der FC Bayern, wenn es soweit ist, seinen Anhängern wieder Freude vermitteln wird - und natürlich auch wieder Titel anvisieren wird".

Die Anzeichen an der Säbener Straße deuten derzeit also ganz klar auf eine Fortsetzung des unbeschwerten Frühlings hin. Und auch die Schlechtwetterfront, die nach Ostern die ersten Aprilschauer nach München bringen soll, soll schon schnell wieder Geschichte sein.

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