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Manchester United hatte beim letztlich zu deutlichen 5:0-Erfolg gegen RB Leipzig einen entscheidenden Kniff parat. Nagelsmanns Umstellung konterte Solskjaer.

Die Reise nach Manchester wurde für RB Leipzig zum Debakel. Die Roten Bullen verloren mit 0:5 gegen Manchester United.

Ein wesentlicher Grund: In der zweiten Halbzeit geriet die Mannschaft von Julian Nagelsmann immer weiter ins Hintertreffen, weil sie sich auch nach dem zweiten oder dritten Gegentor nicht zurückzog.

Leipzig war die Partie gegen Manchester United wie nahezu jede andere Partie angegangen. Die Sachsen versuchten aus ihrer flexiblen 3-1-4-2-Grundordnung, das Spiel zunächst von hinten anzukurbeln und mit Tempo in die offensiven Räume vorzustoßen. United allerdings war genau darauf vorbereitet und schwächte Leipzig bewusst punktuell.

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Der oft kritisierte Ole Gunnar Solskjaer nutzte im Mittelfeld eine Rautenformation, um die Leipziger Offensivkräfte aus dem Spiel zu nehmen.

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Donny van de Beek stellte während des Spielaufbaus der Roten Bullen Kevin Kampl in seinen Deckungsschatten, während die wichtigen Flügelangreifer Angelino und Benjamin Henrichs von Uniteds Außenverteidigern nach Ballannahmen hart attackiert wurden. Paul Pogba tat sein Übriges, um das wacklige Mittelfeld der Gäste in Fehler zu treiben.

Damit verflachte das Offensivspiel der Leipziger immer wieder. Und es kam sogar noch schlimmer: Manchester nutzte die Ballgewinne zu schnellen Konterangriffen über Anthony Martial und Mason Greenwood, die mit Steilpässen oftmals ins Eins-gegen-Eins mit den Leipziger Verteidigern geschickt wurden.

Leipzigs Verteidiger gehen hohes Risiko

Leipzigs recht offensive Grundeinstellung entpuppte sich als ein entscheidender Fallstrick für die Mannschaft. Denn aufgrund der Tatsache, dass United die gegnerischen Flügel- und Mittelfeldakteure vielfach aus dem Spiel nahm, wurden Leipzigs drei Verteidiger dazu verleitet, mit dem Ball am Fuß bis zur Mittellinie vorzustoßen und hohes Risiko einzugehen.

Dayot Upamecano, Ibrahima Konaté und Marcel Halstenberg befanden sich nach Ballverlusten teilweise auf über zwei Drittel der Spielfeldbreite verteilt.

Die Hausherren wiederum wurden aufgrund der Rollenverteilung zwischen beiden Teams weitestgehend davon befreit, selbst das Spiel gestalten zu müssen. Das fällt Solskjaers Spielern erfahrungsgemäß schwer. Stattdessen konnten sie am Mittwochabend ihr unbestritten hohes Tempo nutzen und Leipzigs ohnehin entblößte Verteidigung schlecht aussehen lassen.

Nagelsmann stellt nach einer halben Stunde um

Nagelsmann entschied sich nach knapp einer halben Stunde dazu, die Grundstruktur bei eigenem Ballbesitz in ein 4-1-2-3 zu verändern, um hinten mehr Präsenz zu haben und etwas geordneter mit dem Ball vorzurücken. Nach dem ersten Gegentor durch Greenwood und der taktischen Umstellung hatte Leipzig seine beste Phase mit insgesamt sechs Schussversuchen.

Mit Beginn der zweiten Hälfte drehte sich das Blatt allerdings einmal mehr, weil United das eigene Pressing auf die neue Struktur der Leipziger anpasste und erneut Ballgewinne forcieren konnte.  

Dass Leipzig im Verlauf der zweiten Halbzeit zusehends ins offene Messer lief, hatte mit der Mentalität der Mannschaft zu tun, die unbedingt zurück ins Spiel kommen wollte. Die Innenverteidiger ließen es sich auch nach dem 0:2 oder 0:3 nicht nehmen, bis zur Mittellinie vorzustoßen und das Risiko einzugehen, im offenen Feld gegen die United-Offensive verteidigen zu müssen.

War das Spiel nun der Beweis, dass es Solskjaer mit dem vermeintlich überlegenen Trainerkollegen Nagelsmann aufnehmen kann? Ganz gewiss, denn der Norweger fand nicht nur die richtige Pressingformation zu Spielbeginn, sondern reagierte auch auf Leipzigs taktische Veränderungen. Nagelsmanns aggressive Herangehensweise ist mit dem Risiko verbunden, gelegentlich eine herbe Niederlage zu kassieren.

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