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München - Beim Aus von PSG im Champions-League-Halbfinale gegen Manchester City lässt Neymar seinen Worten keine Taten folgen. Von Experten und Presse wird er hart kritisiert.

Nein, "gestorben" ist Neymar auf dem Spielfeld am Dienstagabend wirklich nicht.

Mit 0:2 unterlag sein Klub Paris Saint-Germain im Halbfinal-Rückspiel Manchester City und verpasste somit nach der 1:2-Hinspielniederlage den zweiten Finaleinzug in Folge deutlich. Die Franzosen enttäuschten im Rückspiel auf ganzer Linie. (Service: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

Mittendrin: Superstar Neymar. Der Brasilianer hatte vor dem Spiel im Etihad Stadium große Töne gespuckt. "Ich denke, jeder Pariser sollte an uns glauben! Ich bin in der ersten Reihe und werde der erste Kämpfer sein, der für das Team in die Schlacht zieht", tönte der 29-Jährige und wurde sogar noch martialischer: "Ich werde das Beste von mir geben und alles dafür tun, egal was passiert, auch wenn ich auf dem Spielfeld sterben muss."

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PSG-Profis versagen die Nerven

Große Worte, nichts dahinter! Nichts zu sehen vom Aufbäumen des französischen Starensembles. In der ersten Hälfte zeigte PSG noch einige gute Ansätze, spätestens das 0:2 durch Riyad Mahrez nach einer Stunde zog dem Team von Mauricio Pochettino den Stecker.

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Nicht, nur sportlich versagte Paris an diesem Abend komplett, erneut erwies sich der Tabellenzweite der Ligue 1 als äußerst schlechter Verlierer. Angel Dí Maria flog nach einer Tätlichkeit mit Rot vom Platz, in der Schlussphase fielen die PSG-Stars nur noch durch diverse Unsportlichkeiten auf. Auch im Hinspiel leistete sich Idrissa Gueye bereits einen üblen Tritt gegen Ilkay Gündogan, der ebenfalls mit Rot bestraft wurde.

Und Neymar? Der hielt sich war weitestgehend aus den Nickligkeiten heraus, er machte allerdings auch keine Anstalten, sich sportlich gegen das Aus wehren zu wollen. Sky-Experte Dietmar Hamann ging mit dem brasilianischen Ballkünstler hart ins Gericht. Schon im Hinspiel habe Neymar durch einzelne Aktion Schärfe in die Partie gebracht. Im Rückspiel monierte Hamann ein "halbes Nachtreten gegen Gündogan kurz vor Schluss".

Hamann kritisiert Neymar: "Hat mit Mannschaftsspiel" nichts zu tun

Das seien alles Sachen, die er sich nicht erlauben könne, wenn er der weltbeste Spieler sein wolle. "Wenn du der Kopf der Mannschaft bist, hast du eine Vorbildfunktion. Mir ist das einfach zu wenig", monierte Hamann. Auch die französische Presse ging mit dem PSG-Star hart ins Gericht. "Neymar ist auf dem Spielfeld nicht gestorben. Der Brasilianer gab nicht sein Bestes, ebenso waren, wenn man strenger sein will, einige Einzelleistungen schlichtweg ungenügend", schrieb Le Parisien.

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Nach dem schwachen Auftritt des Brasilianers dürften sich seine Kritiker erneut bestätigt sehen. Der Vorwurf, der seit jeher gegen Neymar im Raum steht: Hochbegabt ja, doch durch seine Theatralik, seinen Hang zur Show und seine Undiszipliniertheit verbaue er sich die Chance, in einem Atemzug mit Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo genannt zu werden.

"In der zweiten Hälfte versuchte er, mit der Sohle Beinschüsse zu verteilen. Das hat mit Mannschaftsspiel nichts zu tun. Ich frage mich, ob ihm jemand schonmal gesagt hätte. Wie gut er sein könnte, wenn er diesen ganzen Firlefanz weglassen würde", kritisierte Hamann.

Der ehemalige Nationalspieler bemühte den Vergleich zum Star des FC Barcelona. "Bei Messi wird man nie sehen, dass er versucht, drei, vier Spieler an der Mittellinie auszuspielen." Neymar halte sich dagegen so oft mit Sachen auf, bei denen er auf Show mache und versuche, gut auszusehen oder den Gegenspieler lächerlich zu machen. "Das macht Messi nie."

Schon zwei Platzverweise in der aktuellen Saison

Zudem brennen Neymar wie seinem gesamten Team immer öfter die Sicherungen durch, wenn es mal nicht läuft. In der aktuellen Spielzeit flog er bereits zweimal vom Platz. Das färbt natürlich auch auf die restliche Mannschaft ab.

Auch ein ehemaliger aus der Bundesliga bekannte Brasilianer stieg in die Debatte um seinen Landsmann ein. "Ich denke, er ist einfach nicht konstant genug in dieser Saison", erklärte Zé Roberto in der Sport Bild. Was der ehemalige Spieler vom FC Bayern und Bayer Leverkusen damit meint? Leistungen wie der starke Auftritt in den Spielen gegen den FC Bayern München (wo er allerdings auch etliche Großchancen liegen ließ), bringt Neymar zu selten. Gegen PSG überzeugte Neymar wie das restliche Team nur in einer der vier Hälften, Hin- und Rückspiel eingeschlossen.

Zé Roberto traut dem PSG-Star allerdings zu, noch eine Schippe drauflegen zu können. "Seine Leistungen sind gerade okay. Und von da kann er sein Niveau steigern. Und wenn das passiert, bin ich mir sicher, dass er auch ein höheres Maß an Selbstvertrauen und Technik in einem Finale erreichen wird", erklärte er in dem Interview, das allerdings vor dem Halbfinalrückspiel geführt wurde.

Hamann wurde da deutlicher: "Er hat den Anspruch, bester Spieler der Welt zu sein. Die Leute sagen, er ist der drittbeste Spieler. Für mich ist er no way near (nicht im Entferntesten) drittbester Spieler, da gibt es zehn andere."

Einen echten Weltstar zeichnet neben den fußballerischen Fähigkeiten auch aus, in den entscheidenden Spielen ein sportlicher Anführer zu sein und sich auf dem Platz zu zerreißen. Vor allem, wenn er das vorher so martialisch ankündigt.

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