"Viel zu passiv": Boateng und Co. nach Zittersieg selbstkritisch
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München - Der FC Bayern hat sich ins Pokal-Viertelfinale gezittert. Nachdem die Münchner die erste Hälfte dominierten, kam Dortmund immer besser auf, verpasste aber den Ausgleich.

Bayern München hat mit einer über weite Strecken überzeugenden Leistung im deutschen Fußball-Klassiker dem Erzrivalen Borussia Dortmund das Weihnachtsfest verdorben und ist ins Viertelfinale des DFB-Pokals eingezogen.

Der lange deutlich überlegene Rekordcupsieger zeigte beim 2:1 (2:0) phasenweise einen Klassenunterschied auf, musste in einer hektischen Schlussphase aufgrund eigener Nachlässigkeiten aber noch zittern. Die vorgezogene Münchner Weihnachtsparty nach Schlusspfiff im Stadion machte das aber noch süßer.

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"Wenn man die 94 Minuten sieht, sind wir der hochverdiente Sieger", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes. "Wenn Thomas Müller das 3:0 macht, dann können wir das Spiel ganz ruhig nach Hause bringen. In der Endphase sind wir dann gegen eine gute Mannschaft noch unter Druck geraten und haben sicherlich auch etwas Glück gehabt."

"Wir hatten keinen Zugriff mehr"

Jerome Boateng mit seinem ersten Pokaltor überhaupt (12.) und Thomas Müller (40.) sorgten für die scheinbar beruhigende Führung. Titelverteidiger Dortmund, der ohne Pierre-Emerick Aubameyang (Hüftprobleme) insgesamt zu harmlos war, kam durch Andrej Jarmolenko heran (77.).

An der ersten Auswärtsniederlage im Pokal nach 17 Spielen für den BVB, der die Bayern 2015 und im Frühjahr dieses Jahres in der Münchner Arena ausgeschaltet hatte, änderte das nichts mehr.

"In der ersten Halbzeit waren wir die klar bessere Mannschaft", sagte Boateng bei Sky. "Wir müssen einfach die Tore machen. Am Ende ist Dortmund aufgekommen, wir hatten keinen Zugriff mehr und zittern uns zum Sieg. Aber es war auch eine tolle kämpferische Leistung vom BVB."

BVB-Trainer Peter Stöger sprach die schwache erste Hälfte an: "Der Anfang ist uns nicht gelungen, den Bayern das Spiel schwer zu machen. Wenn man nicht mutig ist, hat man zu viele Leute hinten. Es hatte am Anfang eher mit unserem Offensivspiel zu tun, dass wir Probleme hatten."

BVB zunächst überfordert

Vor 75.000 Zuschauern zeigten die Bayern, denen Mats Hummels (grippaler Infekt) fehlte, in der Anfangsphase einen wahren Sturmlauf. Arturo Vidal köpfte nach Flanke von Müller an die Latte (3.), weitere hochkarätige Chancen durch James (6.) und Robert Lewandowski (8./11.) folgten. Dann verwertete Boateng einen Lattenabpraller nach einem Kopfball von Niklas Süle mit dem Kopf aus sieben Metern zur Führung.

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Dortmund war in dieser Phase überfordert und konnte von Glück reden, dass der Rekordmeister zwei Gänge zurückschaltete. Obwohl der BVB so häufiger in Ballbesitz kam, strahlte er keinerlei Gefahr aus. Die Taktik von Trainer Peter Stöger, den Bayern mit einer variablen Fünferkette in der Abwehr und einer Mittelfeld-Raute zu begegnen, lief völlig ins Leere. (Das Spiel im Ticker zum Nachlesen)

Stöger erkannte seinen Irrtum und stellte nach einer guten halben Stunde mit der Einwechslung von Mahmoud Dahoud für Marc Bartra auf 4-2-3-1 um, Yarmolenko rückte von der Rautenspitze nach rechts - und hatte sofort eine gute Chance. Doch der zurückgeeilte David Alaba klärte den Schuss des Ukrainers auf der Linie (35.).

Bürki rettet für den BVB

Für die Bayern war es ein Warnschuss - den sie umgehend beantworteten. Müller und Lewandowski setzten mit einem Doppelpass die gesamte Gästeabwehr um Kapitän Marcel Schmelzer matt, Bayern-Spielführer Müller vollstreckte mit einem gefühlvollen Heber. Es war der zehnte Münchner Torschuss in Hälfte eins - der BVB hatte nur den von Jarmolenko.

In der zweiten Halbzeit zunächst dasselbe Bild: Die Bayern stürmten, Dortmund schaute oder lief hinterher. James (46.) und Müller (50.) scheiterten am gut reagierenden Torhüter Roman Bürki.

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Bei einem der wenigen zielgerichteten BVB-Angriffe war Joshua Kimmich im Bayern-Strafraum mit der Hand am Ball, Schiedsrichter Sascha Stegemann (Niederkassel) ließ weiterlaufen - eine umstrittene Entscheidung (51.).

Dortmund gab sich nicht auf, kam gegen nachlassende Münchner zu mehr Abschlüssen - und durch Yarmolenkos Kopfball zum Anschluss. In der Nachspielzeit vergab der eingewechselte Alexander Isak noch eine Großchance für die Gäste.

"Es war psychologisch nicht so einfach, der Schritt rückwärts nach dem 2:0 war falsch", sagte Müller in der ARD. "Am Ende zählt der Sieg. Wir gehen zufrieden in die Winterpause, das ist das Wichtigste."

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