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Leipzig - Willi Orban hat RB Leipzig als Kapitän ins Finale des DFB-Pokals geführt. Mit SPORT1 spricht er über Ziele, Träume und die Angst vor der Pokalübergabe.

RB Leipzig steht vor dem größten Spiel der jungen Vereinsgeschichte.

Im Finale des DFB-Pokals treffen die Roten Bullen am Samstag auf den FC Bayern München (ab 20 Uhr im SPORT1-LIVETICKER). RB-Kapitän Willi Orban fiebert dem Highlight seiner bisherigen Karriere entgegen. Vor dem Endspiel gibt er sich kampfeslustig, hat aber vor einem Moment auch ein bisschen Angst.

SPORT1: Herr Orban, beim öffentlichen Training in dieser Woche waren viele Fans dabei und sie haben eine Kapitänsbinde erhalten. Was für eine Ehre ist das für Sie?

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Orban: Die Fans haben uns gut eingestimmt auf das Finale und haben nochmal ihren Support mit der Kapitänsbinde belegt. Das hat mich sehr gefreut. Wir können uns auf unsere Fans verlassen. Die Stimmung im Spiel am Samstag wird fantastisch sein.

SPORT1: Es wurde auch eine große Rede von Fanvertretern geschwungen. Wie geht man damit um?

Orban: Wir freuen uns über diese Unterstützung. Ich glaube die Fans haben die ganze Saison bewiesen, dass sie uns einen guten Support liefern und im Finale wird das mit Sicherheit außergewöhnlich sein. Es werden 20.000 bis 25.000 im Stadion sein, die uns unterstützen werden und die hoffen natürlich alle, dass wir den Pokal mit nach Leipzig nehmen.

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SPORT1: In der Tabelle ist es der Erste gegen den Dritten – eigentlich ja sehr ausgeglichen. Gibt es einen Favoriten in diesem Spiel? 

Orban: Wenn man die Saison sieht, ist Bayern auch verdient Deutscher Meister geworden. Deswegen kann man schon sagen, dass Bayern – auch mit der Finalerfahrung aus den letzten Jahren – ein Stück weit der Favorit ist, aber in einem Spiel ist bekanntlich alles möglich. Wir haben viel Qualität und wir wollen das Spiel auch unbedingt gewinnen.

SPORT1: Ralf Rangnick hat es schon einmal geschafft – 2011 hat er den DFB-Pokal mit Schalke gewonnen. Erzählt er von diesen Erfahrungen?

Orban: Er hat viel von der Stimmung erzählt, von der Atmosphäre, die dort herrschen wird und dass es etwas Besonderes wird. Deswegen sollen wir uns alle darauf freuen. Es wird definitiv ein Highlight-Spiel für jeden von uns.

SPORT1: Ralf Rangnick wird nach dem Spiel wieder als Sportdirektor tätig sein und zukünftig nicht mehr als Trainer. Ist das ein Hintergedanke, dass man dem Trainer so ein Abschiedsgeschenk machen kann?

Orban: Für jeden Spieler ist das erst einmal das größte Spiel – für die meisten der Karriere. Definitiv ist es dann auch für unseren Trainer ein schönes Geschenk, wenn wir ihm den Pokal bescheren könnten.

SPORT1: Sie haben es schon angesprochen. 24.000 Fans reisen mit nach Berlin, innerhalb von drei Stunden waren die Karten ausverkauft. Was erwarten Sie vom ganzen Drumherum bei diesem Pokalfinale? 

Orban: Das ist in Deutschland das größte Spiel überhaupt und so schnell bist du dann eben auch in Berlin. Wir haben Runde für Runde genommen, haben viele Gegner besiegt und jetzt freuen wir uns, dass wir die Chance bekommen, an so einem Riesenevent Teilhaben zu dürfen. Wir sehen aber auch die Chance und den Ehrgeiz, den wir in uns tragen, dass wir das Spiel auch gewinnen wollen. Solch ein Titel wäre für uns als Spieler etwas Besonderes, aber auch für diesen jungen Verein. Dass wir die Möglichkeit bekommen haben, diesen Titel für den Klub zu holen, ist schon etwas Schönes.

SPORT1: Aus Ihrer Mannschaft hat – bis auf Ralf Rangnick – noch keiner den DFB-Pokal gewonnen. Bei Bayern sind es unzählige Spieler. Ist das ein Nachteil, dass da auf der anderen Seite mehr Erfahrung vorhanden ist?

Orban: Ich denke schon, dass Bayern ein Stück weit Favorit ist, was die Erfahrung angeht – vor allem in den Finalspielen. Frankfurt hat letztes Jahr überragend vorgemacht, wie es gehen kann, wenn du da bist und 90 Minuten lang an deine Topleistung herankommst. Daran wollen wir uns orientieren. Wir wollen ins Spiel gehen und zeigen, was wir können. In einem Spiel ist alles möglich, wenn du das Momentum auf deiner Seite hast. Das wollen wir uns erarbeiten.

SPORT1: Unabhängig vom Pokalfinale: Ralf Rangnick hat im SPORT1-Doppelpass den Meisterkampf für RB Leipzig in der nächsten Saison ausgerufen. Wie groß wäre Ihr Traum, in der nächsten Saison um die Meisterschaft mitzuspielen?

Orban: Man träumt immer – natürlich. Wir haben in dieser Saison bewiesen, dass wir uns im oberen Tabellendrittel stabilisiert haben. Dennoch sieht man auch, dass immer noch ein gewisser Abstand zu den zwei oberen Klubs da ist. Man muss jetzt erstmal sehen, wie es mit dem neuen Trainer wird. Wir bringen viel Potential und Talent mit, aber man muss erstmal schauen, dass wir gut zueinander finden, dass wir konzentriert arbeiten. Das ist die Basis und dann wird man sehen, ob und wie schnell wir uns dann weiterhin oben etablieren.

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SPORT1: Sie können der erste Kapitän sein, der mit RB Leipzig einen großen Pokal in die Höhe streckt. Haben sie das schon verinnerlicht? Denkt man da abends nochmal darüber nach, dass man da auch nichts falsch macht?

Orban: Mehr als den Pokal fallen lassen kann ich ja dann nicht. Natürlich ist es etwas Schönes, wenn es dann soweit wäre. Aber auch für uns persönlich ist es ein riesiger Ansporn, dass wir die Chance jetzt ergreifen und diese 90 Minuten konzentriert spielen.

SPORT1: Wie schwer war der Weg nach Berlin? Wenn man an Augsburg zurückdenkt: 120. Minute, Halstenberg mit dem Elfmeter. Oder auch das knappe 1:0 gegen Wolfsburg.

Orban: Wir hatten drei Erstligisten. Es war nicht einfach, nach Berlin zu kommen, aber wir haben jedes Mal bewiesen, dass wir da sind, auch wenn es über die 120 Minuten ging. Wir können stolz sein, dass wir es soweit geschafft haben, aber jetzt wollen wir auch den Pokal holen, das ist klar!

SPORT1: Ihr hattet ab dem 31. Spieltag Ruhe in der Liga und hattet euch für die Champions League qualifiziert. Bayern musste hingegen bis zum 34. Spieltag um die Meisterschaft kämpfen. Ist das für euch ein Vorteil, dass ihr euch besser vorbereiten konntet? Gegen Bremen wurden ja auch sehr viele Spieler geschont.

Orban: Das wird man sehen. Wir mussten ja trotzdem weiter gute Leistungen in der Bundesliga zeigen. Ich glaube, dass es keinen riesigen Unterschied macht. Beide Mannschaften mussten Woche für Woche Leistung bringen. Es wird auch von der Tagesform abhängig. Ich bin guter Dinge, dass wir uns bis Samstag im Training gut vorbereiten können, um dann on point da zu sein.

SPORT1: Wenn man nach Ihren Erfolgen schaut, gibt es bisher nur den Aufstieg aus der Zweiten Liga in die Bundesliga zu verbuchen. Es wird also Zeit, dass da mal eine Trophäe steht.

Orban: Definitiv! Jetzt wird es Zeit, einen Titel zu holen. Ich hätte nichts dagegen, wenn es am Samstag schon soweit ist.

SPORT1: Spielt es eine Rolle, dass Bayern im letzten Jahr das Pokalfinale verloren hat und jetzt vielleicht mehr Ehrgeiz mitbringt, um das wieder gut zu machen?

Orban: Frankfurt hat in diesem Spiel gezeigt, was möglich ist, auch wenn Bayern der vermeintliche Favorit ist. Die hatten eine überragende Taktik und haben die Bayern ein Stück weit überrascht. Klar ist Bayern sensibilisiert aus dem letzten Jahr. Das ist für uns vielleicht auch ein Stück weit ein Nachteil, dass sie sich noch mehr auf eventuelle Möglichkeiten des Gegners vorbereiten, aber wir haben Qualität. Wir brauchen uns überhaupt nicht zu verstecken. Wir wollen mit breiter Brust in dieses Spiel gehen und zeigen, dass wir diesen Pokal auch verdienen.

SPORT1: Haben Sie sich von Frankfurt aus dem letzten Jahr etwas abgeguckt?

Orban: Die haben ja auch nichts allzu Überraschendes gemacht. Es ist ja bekannt, welche Stilmittel du gegen eine gute Bayern-Abwehr brauchst. Du musst mit viel Speed, Tiefgang und auch vertikal spielen, um zu versuchen die Räume zu bekommen, die du dann nutzen musst. Klar gehört auch eine große Effektivität dazu. Wenn wir die haben – und das haben wir schon oft gezeigt – dann können wir das Ding auch holen.

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