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Krefeld - In der 1. Runde des DFB-Pokals trifft Kevin Großkreutz mit dem KFC Uerdingen auf Herzensklub BVB (LIVE auf SPORT1). Vorab spricht er über das besondere Duell.

Echte Liebe - wenn das Motto von Borussia Dortmund auf einen ehemaligen Spieler zutrifft, dann auf Kevin Großkreutz.

Der 31-Jährige spielte von 2009 bis 2015 für den BVB, wurde mit dem Klub zwei Mal Deutscher Meister und ein Mal Pokalsieger. Seine rechte Wade ziert ein Tattoo mit der Skyline seiner Heimatstadt.

DFB-Pokal LIVE im Free-TV: KFC Uerdingen - Borussia Dortmund am Freitag ab 18.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im STREAM

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Seit 2018 steht Großkreutz bei Drittligist KFC Uerdingen unter Vertrag. Am Freitag (DFB-Pokal: KFC Uerdingen - Borussia Dortmund ab 18.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im STREAM) kommt es erstmals zum Wiedersehen mit seiner Borussia, die in der ersten Pokalrunde beim KFC antritt.

Großkreutz trotz Sperre gegen BVB spielberechtigt

Im DFB-Pokal ist Großkreutz trotz seiner Sperre für die kommenden Drittliga-Partien spielberechtigt.

Bereits vor Verkündung der Sperre sprach der Weltmeister von 2014 im SPORT1-Interview über das besondere Pokalduell und seinen Herzensverein.

SPORT1: Herr Großkreutz, der KFC Uerdingen hat in der Liga fünf Punkte nach vier Spielen auf dem Konto. Sind Sie damit zufrieden?

Kevin Großkreutz: Wenn man jeweils den Verlauf jedes einzelnen Spiels sieht, kann man schon zufrieden sein. Wir haben eine englische Woche und in acht Tagen drei Spiele gehabt, und waren dabei 130 Minuten in Unterzahl. Das schlaucht ganz schön. Dafür haben wir das sehr gut gemacht. Die Mannschaft hat Charakter und Moral bewiesen und wir sind immer zurückgekommen. Man kann den Jungs wirklich ein Kompliment machen.

SPORT1: Sie sind nun das zweite Jahr in Krefeld und die 3. Liga war Neuland für Sie. Wie fühlen Sie sich nach einem Jahr beim KFC?

Großkreutz: Sportlich war es nur am Anfang berauschend. Im ersten Jahr waren wir bloß in der Hinrunde erfolgreich, die Rückrunde war nicht so gut. Aber ich fühle mich wohl im Verein, bin zu Hause bei meiner Familie und lebe daheim im gewohnten Umfeld. Das freut mich unheimlich und ist mir wichtig. Im Klub passt alles für mich. Deshalb bin ich sehr zufrieden.

SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf Kevin Großkreutz zum Interview
SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf Kevin Großkreutz zum Interview © SPORT1

Ponomarev? "Er ist nicht der eiskalte Geschäftsmann"

SPORT1: Heiko Vogel ist seit dieser Saison Ihr neuer Trainer, der dritte Cheftrainer in einem Jahr. Er war schon beim FC Bayern II und auch beim FC Basel tätig. Wie nehmen Sie ihn wahr?

Großkreutz: Er ist taktisch ein sehr guter Trainer und hat auf diesem Gebiet unglaublich viel Ahnung. Das merkt man in jedem Training. Er stellt uns immer umfassend auf den Gegner ein. Herr Vogel ist ein guter Typ und passt zu uns.

SPORT1: Der starke Mann im Verein ist Präsident Mikhail Ponomarev. Wie ist Ihr persönlicher Kontakt?

Großkreutz: Ich verstehe mich mit ihm richtig gut. Ein schönes Beispiel, dass Herr Ponomarev nah dran ist: Er kam nach dem Spiel gegen Unterhaching in die Kabine und hat uns sehr gelobt. Er meinte, dass wir ein richtig gutes Spiel gemacht hätten. Er ist öfter beim Training und schaut uns von der Trainerbank aus zu. Er ist nicht der eiskalte Geschäftsmann, wie er nach außen wirkt.

SPORT1: Im vergangenen Jahr gab es einiges an Unruhe, auch in der Rückrunde. Lastete von außen zu viel Druck auf dem Verein?

Großkreutz: Ich glaube, für den Verein war es neu, dass man nach Jahren der Abwesenheit wieder so in der Öffentlichkeit stand. Auch durch Herrn Ponomarev und neue Spieler wie mich, Dominik Maroh oder Stefan Aigner. Daran musste man sich erst mal gewöhnen. Intern herrscht keine Unruhe, vieles kam von außen. Damit müssen auch wir als Profis erst mal umgehen. Das hat sich aber alles wieder eingependelt und deshalb habe ich das persönlich nicht als schlimm empfunden.

SPORT1: Am Freitag steigt das große Spiel gegen den BVB. Was bedeutet Ihnen die Borussia?

Großkreutz: (seine Augen leuchten) Die Borussia begleitet mich von Kindesbeinen an und ich habe den Klub im Herzen, seit ich denken kann. Ich war mit vier Jahren zum ersten Mal im Westfalenstadion. Ich habe als Fan auf der Tribüne mit den Schwarz-Gelben mitgefiebert und konnte später als Spieler Titel auf dem Platz feiern. Ich glaube, ich kenne jede zweite Person in Dortmund. Wenn ich ins Stadion einlaufe und auf die Tribüne schaue - das wird vor und nach dem Spiel für mich wirklich absolut emotional werden.

"Ich bin in der Sache kein Heuchler"

SPORT1: Könnte da auch die eine oder andere Träne kommen?

Großkreutz: Vielleicht. Erst mal will ich mich auf das Spiel konzentrieren. Was danach passiert, das wird man sehen. Emotionen dürfen ruhig raus. Ich freue mich unheimlich auf das Spiel. Alle freuen sich. Ich bekomme jeden Tag Nachrichten, die sich um diese Partie drehen. Das wird sensationell.

SPORT1: Es ist erst das zweite Mal, dass Sie als Profi gegen den BVB auf dem Platz stehen. Kann Sie das auch etwas hemmen?

Großkreutz: Nein. Auf dem Platz gebe ich alles, das habe ich schon immer gemacht. Beim Training oder beim Spiel. Ich zerreiße mich für die Mannschaft und in den 90 Minuten kenne ich keine Freunde, da werde ich alles geben für Uerdingen. Nach dem Spiel sieht das wieder anders aus - und am nächsten Tag werden wir alle zusammen grillen. Hoffentlich können wir dann auf ein geiles Spiel zurückblicken und gemeinsam anstoßen.

Alle Video-Highlights der 1. Runde im DFB-Pokal ab Freitag in der SPORT1-Mediathek und in der SPORT1 App

SPORT1: Wie sieht aktuell Ihr Kontakt zum BVB aus?

Großkreutz: Sehr intensiv. Ich bin auch öfter bei der Physio in Dortmund, kenne noch so viele Leute dort. Ich bin in Kontakt mit aktuellen Spielern oder Ex-Kollegen. Ich schreibe auch mit Herrn Watzke (BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Anm. d. Red.). Der Kontakt war nie weg, er wird immer bleiben. Den BVB bekommt niemand aus mir raus. Ich bin in der Sache auch kein Heuchler. Ich bin Dortmunder und werde immer Dortmunder bleiben. Aber trotzdem werde ich alles für den KFC Uerdingen geben, das ist mein Arbeitgeber. Der Verein hat es sich verdient, so ein Riesenspiel zu haben. Deswegen werde ich mich zerreißen für die Fans und diesen Verein. Ich hoffe, wir sehen ein gutes Spiel. Vielleicht sogar ein gutes Ende für uns. 

Trikottausch gegen BVB schon geplant

SPORT1: Was vermissen Sie am meisten seit dem Weggang vom BVB?

Großkreutz: Jetzt bin ich ja wieder in der Heimat. Das hat mir gefehlt, das Zuhause. Die Menschen, Dortmund und den Ruhrpott habe ich lange vermisst. Alle sind offen und ehrlich. Die Menschen sind einfach anders. Das Gefühl ist wieder da. Borussia Dortmund ist ein Riesenverein. Das ganze Drumherum packt einen. Ich merke es jetzt immer noch, wie viele Menschen mich erkennen. Sei es an der Tankstelle, an Raststätten, es ist der Wahnsinn. Die BVB-Fans sind einfach positiv verrückt.

Kevin Großkreutz (2.v.l.) gewann mit dem BVB 2012 das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal
Kevin Großkreutz (2.v.l.) gewann mit dem BVB 2012 das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal © Getty Images

SPORT1: Mit wem würden Sie gerne am Freitag das Trikot tauschen?

Großkreutz: Ich weiß schon, mit wem ich es tausche und derjenige weiß es auch schon (nach SPORT1-Informationen wird es Marco Reus sein). Ich verrate noch nichts, man wird es auf dem Spielfeld dann sehen (lacht). Wir schreiben natürlich untereinander und ein paar Späße gehören im Vorfeld eines solchen Spiels auch dazu.

SPORT1: Was gefällt Ihnen am neuen BVB?

Großkreutz: Es wurde super Qualität eingekauft. Mit Mats Hummels hat man einen erfahrenen Mann, drumherum lauter junge Spieler. Ich glaube, das passt alles. Noch mehr als vergangene Saison. Und wie sie die Vorbereitung im Moment spielen, das Supercup-Finale gewinnen konnten, da sieht man, dass die Mannschaft lebt und absolut intakt ist. Der BVB wird eine Riesenrolle beim Kampf um die Meisterschaft spielen.

Großkreutz warnt: Bayern ist immer noch Bayern

SPORT1: Es wurde auch von Lust beim BVB und Last bei den Bayern gesprochen. Wie bewerten Sie es?

Großkreutz: Wer bei Borussia spielt, kann nur Lust haben. Der BVB ist keine Last. Wenn man im Stadion einläuft, kann man sich nur zerreißen für den Verein. Bayern ist aber immer noch Bayern. Sie werden zurückkommen. Das ist sogar gefährlich, wenn dort Unruhe herrscht. Da schlagen sie danach meist richtig zu. Deshalb muss man den Ball etwas flach halten. Man sollte sich auf seine Aufgabe konzentrieren. Und das tut Borussia auch. Dann wird man sehen, was dabei herauskommt.

SPORT1: Waren Sie auch überrascht mit welcher Wucht und Souveränität Michael Zorc die Kaderplanung betrieben hat?

Großkreutz: Sie machen seit Jahren gute Arbeit. Vor allem Herr Zorc, wenn es um neue Spieler geht. Das haben sie überragend gemacht zusammen mit Sebastian Kehl, es wurden super neue Leute eingekauft.

SPORT1: Wie ist Ihr Kontakt zu Herrn Watzke? Ist er Ihr Ratgeber oder guter Freund?

Großkreutz: Ich sehe Herrn Watzke als Freund. Wie auch Herrn Rauball. Wenn man sich sieht, freut man sich - und dann nimmt man sich in den Arm. Man erinnert sich an die Dinge, die man zusammen erreicht hat. Das vergisst keiner. Deshalb hat man immer guten Kontakt und fragt nach, wie es geht. Das ist sehr wichtig und passt auch bei uns.

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SPORT1: Sie haben immer gesagt, dass Sie nach Ihrer Karriere gerne beim BVB arbeiten möchten. Inwieweit gibt es da schon Pläne?

Großkreutz: Da gibt es noch nichts. Ich habe beim KFC noch zwei Jahre Vertrag. Darauf möchte ich mich konzentrieren. Was danach passiert, wird man sehen. Borussia Dortmund ist immer eine Option, das ist kein Geheimnis.

Jubel gegen BVB? "Emotionen müssen raus"

SPORT1: Der KFC spielt am Freitag in den blauen Trikots wie in den 80er-Jahren. Ist das ein Push für Sie und die Mannschaft?

Großkreutz: Das ist natürlich eine tolle Geschichte, dass wir ähnliche Trikots tragen dürfen, aber wenn ich auf dem Platz stehe, gebe ich sowieso alles. Da ist es egal, ob wir oben ohne spielen oder andersfarbig. Ich werde alles daran setzen, dass der KFC eine Überraschung schafft. 

SPORT1: Würden Sie jubeln, wenn Sie ein Tor gegen den BVB schießen?

Großkreutz: Ehrlich gesagt, weiß ich das nicht. Emotionen müssen eigentlich raus. Ich habe schon lange kein Tor mehr geschossen. Das wäre für mich auch wieder etwas Positives. Ich verliere nicht den Respekt, wenn ich juble. Und Jubel zu unterdrücken, wenn es gegen den Ex-Klub geht, halte ich für Schwachsinn. Ich verliere ja nicht den Respekt vor der Borussia. Das ist für dieses Spiel, danach ist wieder alles vergessen und ich werde wieder Fan von diesem Klub sein.

SPORT1: Mario Götze hat als Bayern-Spieler mal nicht gejubelt nach einem Tor gegen den BVB ...

Großkreutz: Jeder hat dazu seine eigene Meinung. Ich denke, wenn ich ein Tor schieße, dann kann ich auch jubeln. Das ist nicht respektlos. Alle Menschen wissen, wie ich ticke und dass ich den BVB liebe. In diesem Moment kann man auch einen Jubel verzeihen.

SPORT1: Wie sind Sie in den vergangenen anderthalb Jahren als Spieler und Person gereift?

Großkreutz: Ich glaube, jeder Mensch sieht das ein bisschen anders. Die einen beurteilen mich negativ, die anderen positiv. Ich werde mich nicht für andere Menschen verändern. Ich werde immer ich bleiben. So wurde ich erzogen und das wird auch so bleiben. Ich bin immer ehrlich und direkt. Wenn mir etwas nicht passt, sage ich das jedem ins Gesicht. Ich brauche dafür keine Foren. Wem das nicht passt, der soll nicht auf mein Profil gehen. Und für meine zwei Kinder werde ich alles tun. Der Rest ist mir, ehrlich gesagt, egal, was andere Menschen da über mich denken.

Großkreutz: Diese Entscheidung bereue ich

SPORT1: Haben Sie sich als Vater verändert?

Großkreutz: Wenn man sein Kind in den Arm nimmt, da vergisst man auch eine Niederlage. Es gibt nichts Größeres.

SPORT1: Was bereuen Sie wirklich?

Großkreutz: Bereuen? Vielleicht den Wechsel zu Galatasaray Istanbul, da war ich zu hektisch, da habe ich zu schnell gehandelt und war zu euphorisch, nur aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Herrn Tuchel (damaliger BVB-Coach Thomas Tuchel, Anm. d. Red.). Da hatte ich zu wenig Geduld. Das war vielleicht ein Fehler. Ich habe aber keinem Menschen geschadet, sodass ich irgendwas bereuen müsste.

SPORT1: Ihr Tipp für das Spiel?

Großkreutz: Ich hoffe auf ein tolles Spiel für beide Fan-Lager. Wir wollen den BVB ein bisschen ärgern. Ich hoffe, wir können das Spiel lange offen gestalten. Eine Überraschung ist nur möglich, wenn wir alles geben und etwas Glück haben. Ich wünsche mir natürlich einen Sieg für uns!

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