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München - Zwei Schiedsrichterentscheidungen sorgen im Achtelfinale des DFB-Pokals für Kopfschütteln. Den deutschen Referees fehlt eine klare Linie, kommentiert SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk.

Es ist im Moment eine Unverschämtheit, was die deutschen Schiedsrichter pfeifen. Jeder versteht ja, dass Respektlosigkeit und Rudelbildung auf dem Fußballplatz schneller und konsequenter bestraft werden müssen.

Aber die Regelauslegung ist nicht mehr nachvollziehbar. Der DFB-Pokal hat's gezeigt.

Tatort 1: das Pokalspiel zwischen Schalke 04 und Hertha BSC (3:2 n.V.). Der Schalker Mittelfeldspieler Mascarell schickt seinen Gegenspieler Torunarigha mit einem Tackling zu Boden. Trainer David Wagner fängt den Berliner mit beiden Händen auf, kann aber nicht verhindern, dass Torunarigha seinen Frust über die verspielte Führung an einer Wasserkiste auslässt und sie zu Boden schmeißt.

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Schiedsrichter Osmers kontrolliert die Szene am Monitor. Alle denken: um Gelb-Rot zu checken. Weit gefehlt: Er schickt Wagner mit Rot auf die Tribüne. Keine Zeitlupe kann erklären, was der Schiedsrichter entschieden hat. Es ist dubios.

Tatort 2: das Pokalspiel zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund (3:2). Im Strafraum attackiert der Bremer Moisander seinen Gegenspieler Reyna zunächst im Zweikampf, der geht zu Boden. Als er wieder steht, schubst Moisander den Dortmunder in Gesichtsnähe, Reyna fällt erneut zu Boden.

Schiedsrichter Winkmann prüft die Szene am Monitor. Alle denken: eine Tätlichkeit von Moisander - Rot und Strafstoß wären die Folge. Winkmann denkt nicht daran. Beide Spieler sehen Gelb, das Spiel wird mit Freistoß für Werder Bremen fortgesetzt. Später wird BVB-Profi Julian Brandt sagen, dass wohl jeder Schiedsrichter sein eigenes Regelwerk hat.

Besser kann man es nicht ausdrücken. Das deutsche Schiedsrichterwesen kann aktuell nicht für sich in Anspruch nehmen, eine einheitliche Linie zu verfolgen. Und selbst wenn: Nachvollziehbar sind die Entscheidungen nicht mehr.

Es ist eine Situation wie beim Videobeweis entstanden: Der guten Absicht folgt ein Chaos, das Verunsicherung und Reputationsschaden auslöst. Man fragt sich: Was haben die Schiedsrichter bei ihrem Treffen im Wintertrainingslager verabredet? Mit höchstem Aufwand will man das Spiel perfektionieren und die Fehlerzahl minimieren. Aber das Vorhaben wird scheitern, wenn die Schiedsrichter nicht ihrer Kernkompetenz nachgehen.

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