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Roman Bürki sieht sich zuletzt durch einige Fehler Kritik ausgesetzt, nun muss er verletzt pausieren. Ob er danach wieder die Dortmunder Nummer eins wird?

Ob er froh sei, dass ihm manche Entscheidungen mitunter von alleine abgenommen würden, wurde Edin Terzic am vergangenen Wochenende vor dem Augsburg-Spiel gefragt.

Bezogen war die Frage auf das verletzungsbedingte Fehlen des einmal mehr in die Kritik geratenen Roman Bürki.

"Roman", sagte der BVB-Trainer, "hat im Laufe der Woche ein paar Probleme mit der Schulter bekommen und spielt deshalb nicht." Grundsätzlich aber, stellte der 38-Jährige klar, impliziere der Job des Trainers, dass man Entscheidungen treffen müsse. "Wenn ich dazu keine Lust hätte, wäre es einfach der falsche Job."

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Hinter vorgehaltener Hand heißt es in Dortmund, dass Terzic auch ohne Bürki-Verletzung einen Wechsel im Tor vollzogen hätte, schließlich wackelte der Stammtorhüter zuletzt.

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In den Ligaspielen gegen Mainz (1:1), Leverkusen (1:2) und Gladbach (2:4) traf Bürki bei vier von sieben Gegentoren zumindest eine Teilschuld. Der kicker schrieb von einer "Woche zum Vergessen" und der Spiegel gar von einer "fürchterlichen Arbeitswoche".

Hitz ersetzt Bürki in mindestens drei Spielen

Bürki verletzte sich in der Folge im Training an der Schulter und wird der Borussia "in den kommenden zehn bis 14 Tagen nicht zur Verfügung" stehen. Heißt: Mindestens heute Abend im DFB-Pokal-Heimspiel gegen Paderborn (DFB-Pokal: Borussia Dortmund - SC Paderborn ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) sowie in den beiden Bundesliga-Partien in Freiburg am Samstag und gegen Hoffenheim (13. Februar) wird Marwin Hitz im Tor stehen.

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Nicht auszuschließen, dass der drei Jahre ältere Keeper, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, bei starken Leistungen zunächst im Tor bleibt. Nach SPORT1-Informationen sind für Mitte Februar Gespräche zwischen Hitz und dem BVB angesetzt. Die Dortmunder würden mit der loyalen Nummer 2 gerne verlängern. Hitz zögert aber noch.

Aber zurück zu Bürki. Der Ex-Freiburger und der BVB – das ist eine Geschichte für sich. Seit 2015 hütet der Schweizer nun schon das Borussen-Tor. Damals war er für eine Ablöse von rund 4 Millionen Euro aus dem Breisgau gekommen.

Bürki war nie völlig unumstritten

Wirklich unumstritten war der 30-Jährige im Pott aber nie. Der Tenor auch bei den Fans: Bürki ist ein guter, aber eben kein überragender Torwart. Und genau das braucht es, sagen viele Experten, um im Konzert der ganz Großen auf Augenhöhe mitmischen zu können.

Im vergangenen Sommer verlängerte der BVB - sicherlich auch aus Mangel an wirklich besseren Alternativen - den Vertrag mit dem Schweizer vorzeitig bis 2023. "Damit ist eine wichtige Position langfristig und exzellent besetzt", wurde Sportchef Michael Zorc damals zitiert.

Seither gibt es immer wieder Diskussionen um die Personalie Bürki. Im Oktober hatte der damalige Trainer Lucien Favre bereits die Torhüter getauscht und für Irritationen gesorgt. Bürki, dem sicherlich auch die bedingungslose Rückendeckung der BVB-Bosse fehlt, hatte sich seinerzeit schließlich nichts zu Schulden kommen lassen. 

Auf der Linie ist Bürki stark

Bürki hat Schwächen im Spielaufbau, ist bei hohen Bällen nicht gerade der sicherste und agiert oft zu zögerlich beim Herauslaufen in Eins-gegen-Eins-Situationen. Immer wieder zeigt er aber auch mit Mega-Reflexen, was in ihm steckt. Auf der Torlinie ist Bürki stark, da zählt er zweifelsohne zu den besten der Liga. Das Weiterkommen in der Champions League rettete er den Schwarzgelben in der Schlussphase des Lazio-Rückspiels durch drei Glanztaten.

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Die Statistik spricht in dieser Saison aber gegen Bürki: In seinen 16 Ligaspielen in der laufenden Saison kassierte er 26 Gegentore. Einen von drei Schüssen aufs Tor hält er nicht. Mit einer Quote von 64,9 Prozent an abgewehrten Schüssen steht der 1,87-Meter-Mann ligaintern nur auf Rang 13.

Zugegeben, die Wackel-Abwehr und die teils fahrigen Fehler der Vorderleute machen es Bürki in dieser Saison auch nicht einfach. Neben ihm patzten zuletzt auch andere Routiniers wie Mats Hummels, Marco Reus, Emre Can oder Manuel Akanji.

Eine weitere Schwäche: Keinen der 20 Elfmeter in der Bundesliga konnte Bürki halten.

Hat der BVB also ein Torwart-Problem?

Peter Gulacsi wäre ein Schnäppchen für den BVB

In Dortmund stellt sich wieder einmal die Frage, ob Bürki den Ansprüchen eines europaweiten Top-10-Klubs genügt, zu dem der BVB ja gerne gehören will. Den dauerhaften Status eines Weltklasse-Keepers, an dem der neunfache Schweizer Ex-Nationalspieler in machen Spielen kratzt, hatte er jedenfalls selten. 

SPORT1 hatte bereits vor einigen Tagen berichtet, dass die BVB-Bosse mit Blick auf einen möglichen Umbruch im Sommer auch auf der Torwart-Position nicht in Gänze zufrieden sind und sich diese Baustelle ab sofort genauer anschauen.

Die Bild wirft nun drei Torhüter-Kandidaten als mögliche Bürki-Erben in den Ring: Ajax-Schlussmann André Onana (24/Vertrag bis 2022), Benfica-Ass und Ex-Stuttgarter Odysseas Vlachodimos (26/2024) und Leipzig-Keeper Péter Gulácsi. Dass die BVB-Bosse über Letzteren nachdenken, kann SPORT1 bestätigen.

Interessant: Gulácsi, der mit 30 Jahren im besten Torwart-Alter ist, wäre im Sommer dank einer Ausstiegsklausel zu haben.

Berater Hasan Cetinkaya erklärte kürzlich: "Ich kann bestätigen, dass es eine Klausel im Vertrag von Peter gibt und die in diesem Sommer aktiviert werden kann." Die Summe sei "selbst für Corona-Zeiten sehr niedrig". Von 10 bis 15 Millionen Euro ist die Rede.

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