Wie Sandro Wagner vom Talent zum Typen wurde
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München - Sandro Wagner überrascht mit seinem sofortigen Rücktritt aus dem DFB-Team alle. SPORT1-Chefreporter Florian Plettenberg kritisiert vor allem den Zeitpunkt.

So selbstbewusst, wie sich Sandro Wagner seiner Kadernominierung sicher war ("Ich habe es verdient, da mitzufahren. Ich fahre auch mit, da bin ich mir sicher"), so selbstbewusst verkündete er nur rund 33 Stunden nach seiner Nicht-Nominierung seinen Rücktritt aus der Nationalelf

Es ist zweifellos nachzuvollziehen, dass Wagner darüber frustriert ist, dass Bundestrainer Jogi Löw seinen großen WM-Traum so kurz vor der Ziellinie zerplatzen lässt.

Nicht nachzuvollziehen ist jedoch der Zeitpunkt seiner Entscheidung. Warum wartet er damit nicht, bis die WM vorbei ist? Warum verzichtet ein Kämpfer, wie es Wagner zweifellos ist, nicht gänzlich darauf?

Denn zur Erinnerung: Laut FIFA-Reglement sind Nachnominierungen - auch von Spielern, die nicht dem vorläufigen WM-Kader angehören (wie Wagner) - bis zum 16. Juni möglich. Dafür müsste bei einem anderen Spieler eine "ernsthafte Verletzung" vorliegen.

Mit Sicherheit wäre Wagner eine Nachrücker-Option gewesen, würden sich nominierte Offensivkräfte bis dahin verletzen.

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Mit seinem Adhoc-Rücktritt, über den er das DFB-Trainerteam im Vorfeld nicht informierte, verbaut sich Wagner aber bewusst jede Chance auf eine mögliche Nachnominierung. Er will ja offensichtlich als konsequent wahrgenommen werden.

Streng genommen lässt er die Nationalmannschaft mit seiner Entscheidung sogar im Stich, denn er beraubt das Trainerteam mit seinem Rücktritt eben dieser Option. 

Bei Wagners Wortwahl fehlt mir gegenüber der Nationalmannschaft und den nominierten Kontrahenten Gomez und Petersen zudem eine Prise Demut und Respekt.

Klar, Wagner hat im Spätherbst seiner Karriere nochmal beachtlich Fahrt aufgenommen. Er hat aber nur acht Länderspiele bestritten, er ist kein Stammspieler bei Bayern München. Er war es auch nie in der Nationalmannschaft.

Was soll denn bitteschön Mario Götze sagen? Der WM-Held von 2014 wird über seine Nicht-Nominierung ebenso gefrustet sein, hält aber dicht. Er wird Urlaub machen.

Götze wird gewiss im Sommer neu angreifen und alles dafür tun, um bei der EM 2020 dabei zu sein. Von Wagner hätte ich mir genau diese Einstellung gewünscht. Oder einen Rücktritt nach der WM.

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