Blasse Analyse: Hat der DFB einen Krisenplan?
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Nach dem blamablen WM-Aus steht vor allem Mesut Özil massiv in der Kritik. Jerome Boateng verteidigt ihn und will selbst von Rücktritt nichts wissen.

Jerome Boateng will der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auch in den kommenden Jahren zur Verfügung stehen. Trotz des Debakels bei der WM 2018 in Russland schließt der Innenverteidiger einen Rücktritt aus.

"Das war nie ein Thema für mich. Ich sehe mich auch noch überhaupt nicht am Zenit meiner Leistungsfähigkeit angekommen", sagte der Spieler des FC Bayern München der Welt am Sonntag. "Solange niemand auf mich zukommt und mir sagt, dass alles ganz neu sein soll und überhaupt nicht mehr mit mir geplant wird, möchte ich unbedingt weiterspielen", ergänzte Boateng.

Deutschland war bei der Weltmeisterschaft als Titelverteidiger in der Vorrunde ausgeschieden. Anschließend hatte es massive Kritik gehagelt, auch die Spieler selbst äußerten sich kritisch. Boateng wurde vor allem von Experten auf der Insel hart angegangen. 

"Ich habe immer gekämpft und alles gegeben. Mein Problem war, dass ich wegen meiner Verletzung vor der WM nicht den Spielrhythmus hatte. Ab der 70. Minute bin ich etwas müde geworden, dann lässt die Konzentration nach, dann habe ich auch Fehlpässe gespielt, die mir sonst nicht passieren", erklärte Boateng.

Darüber hinaus stellte sich der 29-Jährige nach dem WM-Debakel schützend vor den massiv kritisierten Mesut Özil.

Boateng: "Özil ist ein Künstler, kein Kämpfer"

"Alle haben sich jetzt Mesut Özil rausgepickt. Das geht nicht. Mesut ist ein Mensch", sagte der Abwehrspieler. "Die ganze Mannschaft ist in der Verantwortung. Wir haben es gemeinsam nicht geschafft, bei dieser WM zu überzeugen. Das müssen wir uns vorwerfen."

Özil wurde nach dem blamablen 0:2 gegen Südkorea von Fans und Medien als Sündenbock auserkoren, auf dem Weg in die Kabine geriet der Offensivstar des FC Arsenal mit deutschen Anhängern aneinander.

Vor allem seine Körpersprache auf dem Platz war immer wieder Anlass für Kritik. Boateng hält die Debatte darüber für unfair.

"Er ist ein Künstler am Ball, kein Kämpfer in der Abwehr wie ich. Vielleicht kommt er deswegen manchmal falsch rüber, aber das heißt nicht, dass er nicht will oder gar mit Absicht Fehler begeht", sagte der 29-Jährige.

Die größten DFB-Blamagen aller Zeiten

Die Affäre um das umstrittene Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan habe Özil laut Boateng zusätzlich belastet. "Das mit dem Foto war unglücklich, es war zuletzt eine sehr schwierige Situation für ihn", sagte Boateng.

Tritt Özil zurück? Das sagt Boateng

Ob Özil daraus Konsequenzen ziehe und aus der Nationalmannschaft zurücktrete, wollte Boateng nicht abschließend beantworten: "Wir haben natürlich gesprochen. Wie wir alle ist auch Mesut extrem enttäuscht und traurig, dass die WM für uns so zu Ende gegangen ist. Ich kann mich schwer in seine Lage versetzen, wir müssen das jetzt alle erst mal verarbeiten."

Der Arsenal-Star hatte sich am Samstag erstmals seit dem WM-Aus via Twitter zu Wort gemeldet.

"Die Weltmeisterschaft schon nach der Gruppenphase verlassen zu müssen, schmerzt so sehr. Wir waren einfach nicht gut genug. Ich werde einige Zeit brauchen, um darüber hinwegzukommen", twitterte der schwer in der Kritik stehende Mittelfeldspieler. In seinem Hashtag ("SayNoToRacism") sprach er sich gegen Rassismus aus. Zu seinem viel diskutierten Foto mit Erdogan äußerte sich Özil erneut nicht.

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