Fix! Löw bleibt Bundestrainer
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München - Joachim Löw hat seine Entscheidung über die Zukunft getroffen. Der Bundestrainer will trotz des blamablen Ausscheidens in der WM-Vorrunde weitermachen.

Joachim Löw bleibt trotz des historischen WM-Debakels Bundestrainer.

Das  bestätigte der Deutsche Fußball-Bund in einer Pressemitteilung am Dienstagnachmittag.

Löw habe demnach der Verbandsspitze um Präsident Reinhard Grindel, DFL-Präsident Reinhard Rauball, den Vizepräsidenten Rainer Koch und Peter Peters, Generalsekretär Friedrich Curtius sowie Oliver Bierhoff nach einem "offenen Austausch über die WM in Russland und das Aus in der Vorrunde" seinen Entschluss mitgeteilt.

Der Verband hatte dem 58-Jährigen nach dem blamablen Ausscheiden in der Vorrunde bereits die volle Unterstützung ausgesprochen.

Löw will Neuaufbau gestalten

"Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen, das der DFB weiterhin geschlossen in mich setzt, und ich spüre trotz der berechtigten Kritik an unserem Ausscheiden auch generell viel Rückhalt und Zuspruch", wird Löw in der Pressemitteilung zitiert.

"Energie ist da": Bierhoff erklärt Löws Entscheidung

"Es war mir wichtig, nach ein paar Tagen, in denen ich mir viele Gedanken gemacht habe, persönlich mit der DFB-Spitze zusammenzukommen. Auch meine Enttäuschung ist nach wie vor riesig. Aber ich möchte nun auch mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten."

Er werde "gemeinsam mit meinem Team analysieren, Gespräche führen und zum Start der neuen Saison die richtigen Schlüsse ziehen. Das alles braucht Zeit, wird aber alles rechtzeitig bis zum Start in die neue Länderspielsaison im September geschehen“.

Grindel erklärte, der DFB habe mit Jogi Löw einen Bundestrainer, "der sehr genau analysieren, die richtigen Schritte einleiten und unsere Mannschaft zurück in die Erfolgsspur führen wird. "Löw und Bierhoff sollten sich nun die Zeit nehmen, das Turnier "sportlich aufzuarbeiten und dem Präsidium vor dem Länderspiel am 6. September gegen Frankreich, in dem wir in der Nations League gleich gefordert sind, eine umfangreiche Analyse vorzustellen".

Seit zwölf Jahren Bundestrainer

Löw hatte das Amt nach der WM 2006 als Nachfolger von Teamchef Jürgen Klinsmann übernommen. Höhepunkt seiner Amtszeit war der WM-Triumph 2014 in Brasilien, zudem gewann er mit einer stark verjüngten Mannschaft 2017 den Confed Cup.

Der Badener hatte seinen Vertrag im Mai um zwei Jahre bis 2022 verlängert. Darauf pochte DFB-Präsident Grindel auch nach dem WM-Vorundenaus.

Ansonsten drohte eine lange Nachfolgersuche, da derzeit kein geeigneter Kandidat auf dem Trainermarkt zur Verfügung steht.

Grindel sah EM-Zuschlag für 2024 gefährdet

Schon am 6. September steht nun das Frankreich-Länderspiel an und genau drei Wochen später (27. September) die Vergabe der Europameisterschaft 2024.

Dieses Prestigeobjekt will Grindel unbedingt nach Deutschland holen. "Insofern wäre ich, da zu unterliegen, glaube ich, trauriger noch als beim Verlust des WM-Titels", hatte er zu Jahresbeginn im Deutschlandfunk erklärt.

DFB-Präsident Grindel stellt Löw Jobgarantie aus

Durch eine ähnlich chaotische Suche nach einem neuen Bundestrainer wie etwa 2004 nach Rudi Völlers Rücktritt sah der DFB-Boss offenbar die Chancen auf den Zuschlag gegenüber Rivale Türkei gefährdet.

Daher hatte Grindel am vergangenen Freitag ein einstimmiges Votum des Präsidiums für Löw organisiert, auch Bundesligatrainer wie Niko Kovac, Julian Nagelsmann und Christian Streich hatten sich eindeutig für einen Verbleib ausgesprochen.

Mehrheit der Bevölkerung skeptisch

In der Bevölkerung sah das in fast allen Umfragen anders aus, die Mehrheit war für eine Trennung. Zu befürchten ist daher, dass die Unzufriedenheit der Fans nach der WM-Pleite mit jedem weiteren sportlichen Rückschlag noch stärker anwachsen wird.

Dennoch hat sich Löw entschlossen, dass er nicht mit dem Makel des schlechtesten deutschen Abschneidens bei Weltmeisterschaften abtreten will.

Allerdings wird er sich dazu ein Stück weit neu erfinden und seinen markigen Worten nach dem K.o. Taten folgen lassen müssen.

Veränderungen bei Team und Betreuern erwartet

"Es braucht tiefgreifende Maßnahmen, es braucht klare Veränderungen", hatte der einstige Profi unmittelbar nach der Rückkehr angekündigt.

Das betrifft neben einem Neuaufbau der Mannschaft vor allem seinen zuletzt extrem aufgeblähten Betreuerstab, in dem es auch nach Ansicht der DFB-Spitze zwingend Veränderungen geben muss.

So listete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Dienstag eine lange Liste an Problemen im deutschen Team auf, die ihr angeblich von Insidern berichtet wurden.

Vor allem die Sorglosigkeit der Verantwortlichen um Löw und Bierhoff hätten zum WM-Desaster geführt, hieß es dort aus "Spielerkreisen" und von zwei "erfahrenen Kennern der sportlichen und organisatorischen Verhältnisse in der Nationalmannschaft und beim DFB".

Löw habe den Leistungsgedanken ausgehebelt, was zur Spaltung der Mannschaft in Etablierte und Junge beigetragen habe.

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