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München - Auf einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz präsentiert Bundestrainer Joachim Löw seine WM-Analyse und den Kader für die nächsten Länderspiele. Der LIVETICKER zum Nachlesen.

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Bundestrainer Joachim Löw hat sich bei seiner Analyse des WM-Desasters sehr selbstkritisch gezeigt.

Sein "allergrößter Fehler" sei das Vorhaben gewesen, mit dominantem Ballbesitzfußball durch die Vorrunde kommen zu wollen. "Ich wollte das auf die Spitze treiben, das perfektionieren. Da war ich fast arrogant. Da gibt es nichts zu beschönigen", sagte Löw am Mittwoch in München.

Man müsse die Nationalmannschaft nach dem "absoluten Tiefschlag" von Russland "wieder auf eine stabilere Spielweise vorbereiten. Wir müssen flexibler, stabiler sein. Ich bin bei der WM zu viel Risiko gefahren", sagte der 58-Jährige.

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Eine Woche vor dem Duell mit Weltmeister Frankreich in der Nations League (6.9.) und dem anschließenden Freundschaftsspiel gegen Peru (9.9.) stellte Löw auch seinen Kader vor, zu dem drei Neulinge gehören.

Die Pressekonferenz zum Nachlesen:

+++ Das war's +++

Die längste Pressekonferenz in der Geschichte des DFB (110 Minuten) sind vorüber.

+++ Rief Hoeneß wegen Özil an? +++

"Mich hat er nicht angerufen, nicht vor dem Turnier und nicht während des Turniers", sagt Löw.

Bierhoff verrät: "Mit mir hat er telefoniert. Wir haben lange telefoniert und er hat mir den einen oder anderen Hinweis gegeben, was er anders machen würde. Aber er ist immer noch der Aufsichtsratsvorsitzende des FC Bayern München und nicht der Trainer der deutschen Nationalmannschaft."

+++ "Brauchen Spezialisten" +++

"Wir sind uns mit der Liga und den Nachwuchsleistungszentren einig, dass wir im U-Bereich Spezialisten ausbilden müssen. Wir brauchen Spezialisten auf den Außenverteidigerpositionen und natürlich auch Mittelstürmer. Wir haben da im Moment in den U-Bereichen Probleme. Das wird die Zukunft sein. Da müssen wir uns verbessern. Da sind uns die Franzosen, die Engländer oder die Belgier voraus. Dahin müssen wir auch wieder kommen. Das bedarf auch eines Sportdirektors, der die Nachwuchsleistungszentren besucht und unsere Linie hinausträgt, damit der deutsche Fußball in Zukunft konkurrenzfähig bleibt", so Löw.

+++ Wer sind die Leader der Zukunft? +++

"Es gibt Spieler, die länger in der Nationalmannschaft spielen werden. Wie Kimmich, Süle, Draxler, Goretzka, Brandt, Sane. Es gibt eine ganze Reihe von jungen Spielern, die sich aber noch entwickeln müssen. Auch Lahm oder Schweinsteiger haben diese Rolle erst übernommen, als sie 27, 28 oder 29 waren. Man braucht da auch Erfahrung, Kompetenz und Akzeptanz innerhalb der Mannschaft. Diese jungen Spieler müssen noch in diese Führungsrollen hineinwachsen."

+++ DFB-Stars nicht professionell genug? +++

Einige DFB-Stars spielten in Russland angeblich bis in die Nacht an der Konsole. Löw betont, dass die Spieler "wahnsinnig professionell" seien.

"Da trinkt niemand Alkohol, jeder ist um 12 auf dem Zimmer. Was sie dann machen, wollen wir nicht so engmaschig kontrollieren. Das Spieler abends auch mal im Internet sind, ist nicht unnormal. Alle waren sehr professionell."

Auch Bierhoff gibt zu verstehen, dass das WM-Abschneiden nicht an Kartenspielen oder Friseurbesuchen gelegen habe.

+++ Löw von Özil enttäuscht +++

"Mesut hat 2009 das erste Spiel unter mir gemacht. Wir haben vieles gemeinsam erlebt. Manche Rückschläge, aber auch sehr viel Positives. Wir sind Weltmeister geworden. Das wird natürlich für immer bleiben. Er war einer der besten deutschen Spieler, die es in den vergangenen 20, 30 Jahren gab. Sicherlich wird es die Gelegenheit geben, dass wir ein persönliches Gespräch führen. Aber ich hätte mir natürlich gewünscht, dass er mich persönlich anruft und über diesen Schritt informiert. Im ersten Moment war eine Enttäuschung in mir, dass ich es nicht persönlich von ihm erfahren habe."

+++ Was wird aus Götze? +++

"Mario Götze ist nicht abgeschrieben", sagt Löw auf SPORT1-Nachfrage. "Die Leistung ist entscheidend. Man weiß, dass er gute Qualitäten hat. Meine Sicht der Dinge ist, dass er sich in Dortmund in diesem Jahr mal wieder richtig zeigen soll. Wenn er das schafft, auch dauerhaft und konstant, dann wird er mit Sicherheit wieder ein Thema für uns sein. Ich will aber bei ihm eine gewisse Konstanz sehen. Er hat die Qualität das zu schaffen."

+++ "Sie wollen dieses Scheitern ausmerzen" +++

Löw: "Ich habe bei den Spielern sehr viel Selbstkritik und Selbstreflektion verspürt. Alle haben eine Jetzt-erst-recht-Stimmung ausgestrahlt. Sie wollen dieses Scheitern ausmerzen. Es haben ein paar Prozentpunkte gefehlt und wir haben das gespürt. Das gleiche Engagement wird in Zukunft nicht reichen. Wir haben nicht geschafft, die große Flamme zu entzünden. Ich bin sicher, wir sehen nächste Woche Fortschritte."

+++ Lob für Gündogan +++

"Natürlich schlagen zwei Herzen in seiner Brust, aber Ilkay identifiziert sich voll mit unseren Werten. Er ist hier aufgewachsen, zur Schule gegangen", betont Löw.

"Aus sportlichen Gründen sehe ich ihn für die nächsten Jahre als sehr wichtigen Spieler für uns." Er hoffe, dass die Fans den Star von Manchester City beim Spiel gegen Frankreich positiv empfangen.

+++ Löw freut sich auf das Frankreich-Spiel +++

"Ich freue mich, wenn es endlich wieder los geht. Diese Mannschaft hat viel Potential. Sie hat sehr, sehr große Fortschritte gemacht. Für uns ist es ein Top-Gegner."

+++ "Brauchen eine Achse" +++

"Es ist wahnsinnig wichtig, dass wir eine gute Achse haben. Es ist ein gutes Fundament. Wir haben jetzt noch vier oder fünf ältere Spieler, alle anderen sind noch nicht so lange dabei. Wir brauchen eine Achse, an der sich junge Spieler orientieren können. All diesen Spielern traue ich zu, dass sie viel mehr zeigen können als bei der WM. Sie haben eine große Qualität und das wissen sie auch. Wenn schwierige Gegner kommen, ist es wichtig, so eine Achse zu haben - wenn sie ihre Leistung zeigen." Gemeint sind Spieler wie Manuel Neuer, Mats Hummels, Jerome Boateng, Toni Kroos und Thomas Müller.

+++ Löw spricht über Sane +++

"Ich war damals der Meinung, dass der Kader so der beste ist. Ich habe damals mit Leroy gesprochen und ihm gesagt, seine Zukunft bei der Nationalmannschaft muss nach der WM beginnen. Er hatte in der Vorbereitung und im Trainingslager nicht die besten Leistungen gebracht. Zu dem Zeitpunkt war ich überzeugt von der Entscheidung. Aber sein großes Potenzial und sein außerordentliches Talent ist unbestritten und war uns immer klar. Meine Bereitschaft und meine Idee, mit Leroy weiter zu arbeiten, habe ich schon damals mit ihm besprochen."

+++ Gab es Disziplinarverstöße in Russland? +++

Bierhoff auf Nachfrage zu angeblichen Disziplinarverstößen: "Ich kann bei der WM nichts erkennen, wo eklatant gegen Regeln vergangen wurde."

+++ Wie spielt Deutschland zukünftig? +++

"Eine Mannschaft, die ich trainiere, wird nie ausschließlich defensiv spielen. Aber ich muss mich anpassen und neue Lösungen finden. Es geht um Balance."

+++ "Bin zu viel Risiko gefahren" +++

Löw übt erneut Selbstkritik: "Wir haben uns bewusst zu einer Ballbesitz-Mannschaft entwickelt und auch alle zehn Qualifikationsspiele gewonnen. Wir haben Tore über Kombinationen erzielt und erzielen müssen, weil wir nicht so wahnsinnig viele Spieler für Eins-gegen-Eins-Situationen haben. Dafür mussten wir Überzahlsituationen schaffen und ein wahnsinniges Risiko gehen. Vielleicht hätten wir es nicht so angehen dürfen. Ich war aber überzeugt, dass wir gegen Mexiko, Schweden und Südkorea so weiterkommen und uns dann Gedanken machen müssen für die K.o.-Spiele. Ich bin am Ende zu viel Risiko gefahren. Ich hätte vor der Vorbereitung erkennen müssen, dass wir hätten flexibler sein und weniger Risiko fahren müssen. Nach dem ersten Spiel waren wir schon mit dem Rücken zur Wand, dann mussten wir viel riskieren. Aber das erste Spiel hätten wir anders angehen müssen."

+++ Löw zur Lahm-Kritik +++

Ex-Nationalspieler Philipp Lahm forderte zuletzt einen "strafferen Führungsstil" von Löw ein. "Ich weiß schon, wie man junge Spieler erreicht. Sie sind kritikfähig, sie wollen aber auch Dialog. Diesen Weg werde ich beibehalten, auch wenn situativ mal was anderes gefragt ist. Man muss sich immer ein bisschen anpassen. Für mich gibt es aber nicht die Situation, mich völlig zu ändern."

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+++ Grüppchenbildung? +++

"Das konnten wir nicht als Problem identifizieren. Es gibt keine unüberbrückbaren Differenzen, die nicht gelöst worden sind. Wir hatten nur nicht diesen unglaublichen Teamgeist, der sich bei einem Turnier 2014 oder auch 2010 entwickelt hat nach einigen Problemen, die sich auch damals ergeben hatten im Turnier. Dieses Mal war es nicht so die verschworene Gemeinschaft von Anfang an, es war professionell, aber es hat etwas gefehlt. Konflikte gab es aber nicht. Die Mannschaft ist nach meinen Informationen gut miteinander klar gekommen."

+++ Löw zuversichtlich +++

"Ich bin absolut überzeugt von unserer Klasse und der Qualität unseres Kaders. Wir haben schon einige Rückschläge in den letzten zwölf Jahren hinnehmen müssen, daraus haben wir aber viel gelernt."

+++ Warum fehlt Khedira? +++

"Ich habe mit ihm darüber gesprochen. Er hat ja auch klar gesagt, dass er mir zur Verfügung steht und man nicht einfach aus der Nationalmannschaft zurücktritt. Ich habe ihm gesagt: Im Moment werde ich ihn nicht nominieren."

Khediras Zukunft im DFB-Team hänge von seinen Leistungen bei Juventus Turin ab, so Löw. "Wir werden zu gegebener Zeit wieder darüber sprechen. Er hat sich klare Ziele gesetzt. Er hat signalisiert, dass er alles dafür tun wird, sich wieder für die Nationalmannschaft anzubieten."

+++ Löw benennt Kader +++

"Wir haben klare Ansätze und Ideen, den Worten wollen wir jetzt Taten folgen lassen", sagt Löw im Hinblick auf die Nations League. Thilo Kehrer, Nico Schulz und Kai Havertz sind neu im Kader, Nils Petersen und Leroy Sane kehren zurück. Sami Khedira fehlt. Auch Marvin Plattenhardt, Sebastian Rudy und Kevin Trapp sind neben den zurückgetretenen Mario Gomez und Mesut Özil nicht dabei.

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+++ Bierhoffs Mission +++

Bierhoff abschließend: "Ich muss es wieder schaffen, den deutschen Fußball wieder an die Weltspitze zu führen. Ich weise seit Jahren darauf hin, dass wir gute Arbeit leisten. Aber wir müssen noch mehr investieren und gemeinsam mit der DFL neue Wege beschreiten. Maßnahmen werden seit Anfang des Jahres besprochen und eingeleitet. Ich bin überzeugt, dass wir das gemeinsam schaffen. Mich hat es gefreut, dass das DFB-Präsidium und auch die Liga mir das volle Vertrauen ausgesprochen haben."

+++ Hrubesch hört als Sportdirektor auf +++

Tobias Haupt soll als Leiter der DFB-Akademie neue Wege einschlagen. "Wir haben genug kompetente Experten bei uns im Haus, er soll das alles zusammenführen", erklärt Bierhoff. Beim Thema Sportdirektor werde der DFB nach dem Abschied von Horst Hrubesch zum Jahresende aus Altersgründen in Ruhe eine neue Lösung suchen.

+++ Müller-Wohlfahrt geht +++

Bierhoff: "Wir werden unseren Stab der Physiotherapeuten von vier auf drei reduzieren. Die Bedürfnisse sind in diesem Bereich nicht mehr so gegeben. Dr. Müller-Wohlfarth werden wir nicht Eins-zu-eins ersetzen. Wir werden auch im Teammanagement einige Leute streichen, die wir nicht ersetzen. Beispielsweise dadurch ergeben sich die Zahlen, die ich genannt habe."

+++ Was wird aus "Die Mannschaft"? +++

Er habe den Vorschlag von DFB-Präsident Reinhard Grindel, den in der Kritik stehenden Slogan "zu analysieren und zu hinterfragen", betont Bierhoff.

+++ Bierhoff über #ZSMMN +++

"Die Kampagne #ZSMMN war ein DFB-Claim. Da gab es keinerlei kommerziellen Hintergrund. Wir wollten zeigen, dass wir auf die Russen zugehen, aber vielleicht war es zu dominant vorgetragen. Dennoch müssen wir schauen, dass wir das Gemisch aus selbstgefälligem Auftreten und der Darstellungsweise dieses Gefühl ermöglicht haben. Das müssen wir uns anheften. Wir müssen mit unseren Partnern gemeinsam die Mannschaftsaktivitäten analysieren."

+++ Keine Fan-Nähe +++

"Diese Vorwürfe haben mich besonders getroffen. Trotz unserer Bemühungen, die wir im Vorhinein getroffen haben - zum Beispiel ein Fanländerspiel um 18 Uhr mit 5 Euro Eintritt -, sind wir den Bedürfnissen unserer Fans offenbar nicht näher gekommen. Deswegen werden wir in Zukunft daran arbeiten, die Bodenständigkeit und die Nähe zu den Fans wieder herzustellen. Dazu gehört, dass wir häufiger wieder die Türen aufmachen werden, dass wir öffentliche Trainingseinheiten abhalten. Wir werden auch in weiteren Formaten wieder die Nähe zu den Fans aufbauen."

+++ Hat das DFB-Team ein Identitätsproblem? +++

"Ich war selbst Nationalspieler. Nationalspieler zu sein, ist etwas ganz Besonderes, eine Auszeichnung. Die Spieler kommen mit großem Stolz zu uns. Sie wollen mit dem Adler auf der Brust spielen und dieses Trikot tragen. Das war auch bei den Spielern so, die zur Weltmeisterschaft gefahren sind. Aber das muss auch gelebt werden. Das werde ich künftig wieder mehr einfordern. Wir haben 2006 einen Verhaltenskodex entwickelt und wir haben es irgendwann gelebt. Aber vielleicht haben wir das irgendwann schleifen lassen. Ich werde wieder verstärkt klare Vorgaben machen, aber wir werden dieses Bild gemeinsam mit den Spielern entwerfen. Wir werden daran arbeiten", verspricht Bierhoff.

+++ "Nicht alles über den Haufen werfen" +++

Was soll sich im DFB-Team ändern? Bierhoff: "Ich ärgere mich, an der einen oder anderen Stelle nicht eingegriffen zu haben. Wir blicken aber auch auf 14 Jahre erfolgreiche Arbeit zurück. Es wäre vollkommen verkehrt, all das über den Haufen zu werfen, was wir erreicht und auf die Beine gestellt haben. Vielmehr geht es darum, aus den Fehlern zu lernen, nach vorne zu sehen und gewisse Dinge anzupacken."

+++ Bierhoff äußert sich zu Özil +++

"Ich habe mit ihm neun wunderbare Jahre in der Nationalmannschaft verbracht", sagt Bierhoff. Özil sei ein "großartiger Spieler" und "unglaublich wichtig" für die Erfolge in der Vergangenheit gewesen.

"Dass dieser Rücktritt so vollzogen wurde, schmerzt uns allen. Auch Mesut. Wir haben die Situation unterschätzt oder falsch eingeschätzt, dass auch politische Reaktionen stattfinden." Er habe es noch nie erlebt, dass Meinungen so weit auseinander gehen. "Eines ist klar: Ein Nationalspieler kann kein Ziel rassistischer Beleidigungen sein." Wie Löw weist auch er die Rasssimusvorwürfe klar zurück.

+++ "Uns hat die richtige Einstellung gefehlt" +++

"Nach dem Ausscheiden ging es nicht nur um sportliche Erklärung, sondern auch um das Auftreten und das Erscheinungsbild der Nationalmannschaft. Darüber mache ich mir seitdem jeden Tag Gedanken. Wir haben alle Aspekte der Teamleistung analysiert und mir war es wichtig, mit den Beteiligten zu sprechen. Viele haben schon viele Turniere erlebt und können deswegen auch Vergleiche ziehen. Spieler, Betreuer, aber auch nicht direkt Beteiligte, Außenstehende. Ich habe viele persönliche Gespräche, Telefonate und E-Mail-Konversationen geführt. Ich bin verantwortlich für die Darstellung der Mannschaft. Uns hat die richtige Einstellung gefehlt. Wir haben die Unterstützung unserer Fans für zu selbstverständlich genommen. Wir waren nachlässig und haben gedacht, dass das Weiterkommen und die Unterstützung ein Selbstläufer ist. Wir waren uns der Verantwortung zu wenig bewusst, wie viel Fußball für dieses Land bedeutet. Natürlich steht man dann als Verantwortlicher in der Kritik. Das habe ich verstanden und nachvollziehen können. Wer meine Karriere verfolgt hat, weiß, dass sie sehr häufig mit Kritik verbunden war, dass mich diese Kritik aber nie niedergeschlagen hat, sondern noch mehr angestachelt hat."

+++ Bierhoff ergreift das Wort +++

Löw ist fertig. Jetzt spricht Bierhoff.

+++ "Keinen Ansatz von Rassismus" +++

"Mit seinen Rassismus-Vorwürfen hat Mesut überzogen. Ich kann ganz klar sagen, dass im DFB niemals ein Ansatz von Rassismus vorhanden war. Die Spieler mit Migrationshintergrund haben immer gerne für uns gespielt und daran hat sich nichts geändert."

+++ Löw spricht über Özil +++

"Sein Berater hat mich spätnachmittags am Sonntag angerufen und hat mir gesagt, dass Mesut gleich die dritte Erklärung herausgibt und seinen Rücktritt bekanntgibt. Der Spieler selbst hat mich nicht angerufen. Normalerweise war das in der Vergangenheit immer so. Der Mesut hat sich für einen anderen Weg entschieden. Ich habe ihn in den letzten eineinhalb, zwei Wochen versucht, zu erreichen. Das ist mir auch nicht gelungen. Er hat sich für diesen Weg entschieden und das muss ich so akzeptieren. Wir haben die ganze Geschichte mit den Fotos unterschätzt. Auch ich habe das unterschätzt. Wir haben alles versucht, auch mit Präsident Steinmeier, um das auszuräumen. Das Thema hat Kraft gekostet. Aber das soll kein Alibi für unser Ausscheiden sein. Es war für mich aus sportlichen Gründen immer klar, dass ich Ilkay und Mesut aus sportlichen Gründen nominiere."

+++ "Es lag nicht an einem einzigen" +++

"Es lag nicht an einem einzigen, sondern wir haben alle in der Summe nicht das geleistet, was wir können. Es ist an uns, einen richtigen Mix zu finden zwischen Erfahrung und jungen, dynamischen, hungrigen Spielern. Wir haben wichtige Aufgaben vor uns. Die Nations League nehmen wir sehr ernst, wir spielen gegen den Weltmeister Frankreich und die Niederlande. Es ist wichtig, da die richtigen Schritte einzuleiten. Wir müssen die Mannschaft wieder neu einstellen und eine gute Mischung finden. Dann bin ich mir sicher, dass wir dieses Jetzt-erst-recht-Gefühl hinbekommen und dass die Mannschaft mit einer ganz anderen Freude, Begeisterung und Leidenschaft zu Werke gehen wird."

+++ Schneider nicht mehr im Trainerteam +++

"Wir haben ein sehr großes Team und ein großes Team hinter dem Team. Die Leute haben alle eine sehr große Qualität. Aber manchmal ist weniger mehr. Wir haben uns entschieden, dass Thomas Schneider nicht mehr zum Trainerstab gehören wird, sondern die Leitung der Scoutingabteilung übernimmt. Das Trainerteam besteht aus mir, Marcus Sorg und Andreas Köpke. Urs Siegenthaler (der bisherige Chef der Scoutingabteilung; Anm. d. Red.) wird aber weiter für uns arbeiten."

+++ "Flexibler, variabler, stabiler" +++

Lange Rede, kurzer Sinn: "Wir müssen flexibler, variabler und stabiler sein."

+++ Das hat in Russland gefehlt +++

"Wir haben viel weniger Sprints und intensive Läufe investiert. Von dem hat unsere offensive Spielweise gelebt. Dass wir in die Tiefe gehen, mit hoher Intensität. Das hat uns in Russland gefehlt. Wir haben weniger geradlinig gespielt und vor allen Dingen viel langsamer im Spielaufbau gespielt. Die Zahlen belegen, dass wir viel zu lange gebraucht haben. Dadurch hatte der Gegner genug Zeit, sich zu organisieren. Wir haben auch ein großes Problem in der Chancenverwertung. Wir hatten so viele Abschlüsse und Chancen wie nie zuvor. Wir hatten 24 Torabschlüsse pro Spiel."

+++ "Das war eine riesige Fehleinschätzung" +++

Löws Erkenntnisse: "Die Defensive war wieder in Russland viel wichtiger als bei den letzten Turnieren. Fast alle Mannschaften haben nur mit drei Offensivspielern gespielt. Kontersituationen wurden wieder wichtiger und Standardsituationen haben eine größere Rolle gespielt. Die Frage ist: Ist Ballbesitzfußball vorbei? In Deutschland Bayern München, in Spanien Barcelona, in England Manchester City sind alles Mannschaften, die über einen Ballbesitzfußball Meisterschaften gewonnen haben. Aber die Champions League hat Real Madrid gewonnen. Bei Turnieren sind Anpassungen gefragt. Meine größte Fehleinschätzung bei der WM war es zu denken, dass wir mit diesem Ballbesitzfußball zumindest durch die Gruppenphase kommen. Die Rahmenbedingungen haben bei diesen Spielen nicht gepasst. Das war eine riesige Fehleinschätzung, das war fast schon arrogant. Ich wollte die Mannschaft in Sachen Ballbesitz perfektionieren. Aber ich hätte mehr auf eine stabile Defensive setzen müssen. Ich wollte erst nach der Vorrunde die Spielweise adaptieren. Eigentlich war das Spiel gegen Mexiko schon ein K.o.-Spiel. Das habe ich falsch eingeschätzt. Wir müssen unsere Spielweise adaptieren, variabler und flexibler sein."

+++ Löw erklärt Analyse +++

"Wir haben die letzten Turniere noch einmal genau analysiert. Wir haben versucht, das zu vergleichen, was wir wann gut gemacht haben. 2010 waren wir eine Mannschaft. Damals war der Fußball geprägt von einer starken Defensive. Wir haben damals über schnelle Konter ein gutes Turnier gespielt und sind ins Halbfinale gekommen. 2014 sind wir Weltmeister geworden. Wir sind immer mehr zu einer Mannschaft geworden, die über totale Dominanz und Ballbesitz ein Spiel gewinnen wollte. Wir haben festgestellt, dass wir 2014 in der goldenen Mitte lagen. Dass wir uns 2014 bis 2018 in puncto Ballbesitz weiterentwickeln mussten, waren ein Resultat aus dem WM-Titel 2014, weil die Mannschaften sich immer weiter zurückgezogen haben. Deswegen mussten wir diese Spielweise weiterentwickeln. Das ist uns vier Jahre sehr gut gelungen und wir waren eine Benchmark."

+++ "Haben uns Zeit genommen" +++

"Die ersten ein, zwei Tage nach dem Aus waren von großem Frust, Enttäuschung und Wut geprägt. Danach habe ich mich mit Oliver getroffen und wir haben uns ausgetauscht und uns auch selbst kritisch hinterfragt. Am Ende des Tages, und das ist für mich und auch Oliver das Allerwichtigste, haben wir gespürt, dass wir weiterhin, auch nach 14 Jahren, auch nach diesem Aus in Russland, die große Motivation, Energie, Kraft und Begeisterung haben, das was wir in Russland verbockt haben, wieder auf die Beine und ein gutes Fundament zu stellen. Danach haben wir mit einer tiefgehenden Analyse fortgeführt. Es gibt ja nicht die eine finale Erklärung für das Ausscheiden. Wir haben uns ganz bewusst Zeit dafür genommen. Ich habe mich mit einigen Spielern ausgetauscht, Informationen gesammelt."

+++ Löw spricht von "Tiefschlag" +++

"Das WM-Aus war für mich und für uns alle, die in der Verantwortung standen, ein absoluter Tiefschlag. Da gibt es nichts zu beschönigen. Wir sind alle unter unseren Möglichkeiten geblieben und haben zu Recht die Quittung dafür bekommen."

+++ Jetzt geht's los +++

Löw betritt in Begleitung von Bierhoff und dem Pressesprecher des DFB den Pressesaal der Allianz Arena.

+++ Khedira nicht im Kader +++

Der erste Streichkandidat steht fest: Nach SPORT1-Informationen ist Sami Khedira nicht im Kader für die kommenden Länderspiele.

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"Wenn es aktuell Bessere gibt, dann werde ich das akzeptieren, dafür habe ich Verständnis", hatte der 31 Jahre alte Weltmeister von 2014 im vergangenen August über die Sozialen Netzwerke mitgeteilt.

Grundsätzlich könne Löw aber weiter auf ihn zählen, so der Mittelfeldspieler von Juventus Turin.

"Sollte ich nominiert werden, weil der Bundestrainer der Meinung ist, dass ich dem DFB helfen könnte, dann ist das für mich immer zugleich Ehre und Verpflichtung", hatte Khedira geschrieben.

"Wenn es für mich nicht reichen sollte, so gut kennen mich die meisten, wäre es für mich nur noch mehr Ansporn, weiter an mir zu arbeiten. Das bin ich meinem Sport, dem DFB, den Personen, die mich unterstützt haben und an mich glauben, und nicht zuletzt mir selbst schuldig."

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