"Keine Sternstunde" - Müller warnt vor Eigenlob
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München - Joachim Löw greift beim Neustart gegen Frankreich auf eine System zurück, das auch der FC Bayern praktiziert. Zudem setzt der Bundestrainer auf eine kurze Ansprache.

Unisono waren sich die Nationalspieler einig: Nach dem WM-Debakel war das torlose Remis gegen Weltmeister Frankreich ein "erster Schritt in die richtige Richtung".

Auffällig war jedoch vor allem, dass Bundestrainer Joachim Löw zwar von einer großen Personalrotation absah, etliche Neuerungen das Spiel der DFB-Auswahl jedoch wiedererstarken ließ.

SPORT1 zeigt, was Löw veränderte.

Neues System

Statt im altvertrauten und bei der WM nicht bewährten 4-2-3-1-System änderte Löw gegen offensivstarke Franzosen die Marschroute zu einem 4-1-4-1. Ähnlich des Systems, was Niko Kovac bei den Bayern spielen lässt.

Vor der Viererkette verteidigte erstmals Joshua Kimmich als alleiniger Sechser, sicherte die beiden Achter Toni Kroos und Leon Goretzka ab. "Eine sehr gute Leistung. Kimmich auf der Sechs ist sicherlich eine gute Lösung", lobte ihn Löw. 

Vorne rotierten Timo Werner und Thomas Müller auf den Außen mit Einzelspitze Marco Reus. Werner dazu: "Marco und ich haben die Position getauscht. Er ist ein Spieler, der nicht wie ich immer ins Eins gegen Eins geht oder in die Tiefe, sondern der anspielbar ist und sich mit dem Ball fallen lässt, sodass Thomas und ich in die Tiefe starten konnten." Der Plan ging auf, die Offensive war deutlich lebhafter als bei der WM. Lediglich die Chancenauswertung muss besser werden.

Defensive Stabilität

Ein Problem der deutschen Nationalmannschaft war zuletzt vor allem die Konteranfälligkeit, davon war gegen Frankreich aber nichts zu sehen (Die Stimmen zum Spiel).

"Die Null muss nicht immer stehen aber defensive Stabilität ist Grundvoraussetzung für jede Mannschaft der Welt, um erfolgreich zu sein", so Mats Hummels, der mit Jerome Boateng die Innenverteidigung bildete. Um Griezmann, Matuidi, Mbappe und Giroud zu verteidigen, setzte Löw zwar erneut auf eine Viererkette, stellte mit Antonio Rüdiger (links) und Matthias Ginter (rechts) aber zwei defensiv orientierte Außenverteidiger auf, die sich in ihren Offensivbemühungen abwechselten. So hatte es Löw mit Benedikt Höwedes und Jerome Boateng auf den Außenpositionen auch bei der WM 2014 praktiziert.

Der Plan mit nominell vier Innenverteidigern ging auf. "Es war das Richtige, mit einer stabilen Viererkette zu spielen. Das ist keine dauerhafte Lösung, aber ein Mittel", erklärte Löw.

Neue Zweikampfstärke

Ein Hauptkritikpunkt des WM-Debakels war die fehlende Bereitschaft, Zweikämpfe anzunehmen.

Gegen Frankreich zeigte die Löw-Elf eindrucksvoll, dass sich das ab sofort wieder ändern soll. Vor allem Hummels scheute kein Duell, auch in der Offensive hielten die Deutschen gegen robuste Franzosen dagegen. Die Fans honorierten diese Leidenschaft mit viel Applaus. "Wenn du ohne Herz und Leidenschaft spielst, wird es schwierig. Das haben wir aber über 90 Minuten gut gemacht", stellte Reus fest.

Kurze Ansprache

Deutlich wurde, dass Löw in der Kabine scheinbar die richtigen Worte fand. Anders als sonst, sei die Ansprache diesmal "kurz und intensiv" gewesen, verriet Ginter.

Inhaltlich appellierte er darin vor allem an der Ehre der Spieler. Ginter: "Man hat gemerkt, dass viel für uns auf dem Spiel steht. Spätestens nach der Ansprache wusste jeder Bescheid, dass es um einiges geht. Nicht nur ums Ergebnis, sondern auch um die Art und Weise, wie wir auftreten."

Mannschaft und Fans im Schulterschluss

Zwar fanden unter der Woche noch immer keine öffentlichen Einheiten für die Fans statt, offiziell aufgrund des engen Terminplans.

Dennoch wurde in der Allianz Arena deutlich, dass die Mannschaft wieder auf die Fans zugeht und diese es honorieren, denn die Stimmung war gut.

Ilkay Gündogan bedankte sich noch auf dem Platz für den überwiegenden Applaus nach seiner Einwechslung, nach Spielende lief die gesamte Mannschaft an den Tribünen vorbei und applaudierte den Zuschauern. Reus lobend: "Die Fans waren extrem gut, sie haben uns gut getan. Das war so nicht zu erwarten. Ein Riesen-Kompliment."

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