Darum wandelt Löw auf den Spuren von Vogts
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Paris - Das Spiel gegen Frankreich ist für Bundestrainer Joachim Löw eine Art Endspiel. Auffällig sind die Parallelen zum Ende der DFB-Amtszeit von Berti Vogts.

Joachim Löw und Berti Vogts einen zwei große Titel: Der aktuelle Bundestrainer wurde 2014 Weltmeister in Brasilien. Vogts holte als DFB-Coach 1996 den EM-Titel in England. Eint die beiden bald auch das gleiche, schicksalhafte Ende in der Nationalmannschaft?

Wie Löw aktuell stand auch Vogts 1998 nach dem enttäuschenden Viertelfinalaus bei der WM in Frankreich unter Druck. Der heute 71-Jährige wurde damals unter anderem wegen seines Spielstils und seiner Kaderzusammenstellung kritisiert.

Vogts blieb auch nach der WM im Amt, setzte den angekündigten Neuanfang aber nicht um, rumpelte in den darauffolgenden Testspielen (2:1 gegen Malta, 1:1 gegen Rumänien) weiter – und trat nach acht Jahren unter großem, öffentlichen Druck im September 1998 zurück. Die Begründung damals: Er sah sich nicht mehr im Stande, die DFB-Elf für die bevorstehende Qualifikation zur EM 2000 vorzubereiten.

DFB-Präsident Egidius Braun sagte damals: "Es tut menschlich unglaublich weh, aber die Entscheidung war unausweichlich."

Ähnlich ist die Lage bei Löw. Nach dem WM-Debakel folgte ein 0:0 gegen Frankreich, ein 2:1 gegen Peru und zuletzt das 0:3 gegen die Niederlande. Von Umbruch ist derzeit nicht viel zu sehen im Kader – im Gegenteil. So könnte das dritte von vier Spielen in der Nations League heute in Paris für den 58-Jährigen zum Schicksalsspiel werden. (UEFA Nations League: Frankreich - Deutschland ab 20.45 Uhr im LIVETICKER)

Diese Probleme machen Löw Sorgen

Die Löw-Szenarien

Gewinnt Deutschland oder kämpft sich zum Punkt, wird Löw ziemlich sicher im Amt bleiben und auch im Testspiel gegen Russland (15.11.) sowei im vierten Nations-League-Gruppenspiel gegen die Niederlande (19.11.) an der Seitenlinie stehen. Verliert Löw und lässt sich die DFB-Auswahl, wie beim 0:3 gegen Holland, erneut vermöbeln, so wird er trotz eines Vertrags bis 2022 kaum zu halten sein.

Löw selbst bemüht sich, dieser Tage gelassen zu wirken. Während Manuel Neuer am Montagnachmittag auf der Pressekonferenz sprach, wartete Löw im Auditorium des Stade de France auf der obersten Treppenstufe. Wohlwissend, dass sich alle Kameras längst vom noch sprechenden Neuer auf ihn wandten, blieb Löw gelassen, streckte sich, riss dabei die Arme nach oben, atmete tief durch und vergrub seine Hände lässig in der Trainingshose.

Löw: "Mit Druck kann ich umgehen"

Auf die Frage, wie er sich ob all der Kritik fühle, antwortete Löw wenig später: "Ich schlafe schon ein bisschen anders, aber das lag an einer leichten Grippe in den letzten Tagen. In der Regel stört das den tiefen Schlaf." Ebenso gelassen fügte er hinzu: "Mit dem Druck kann ich gut umgehen. Wenn das alles war, halte ich es aus." Am Ende der Pressekonferenz entschuldigte er sich höflich, dass er nicht mehr Fragen beantworten könne, weil er pünktlich beim Training sein müsse. Er betonte aber glaubhaft, für mehr Fragen bereit gewesen zu sein.

Ist Löw wirklich so cool? Ja. Löw weiß, dass er unter Beobachtung steht, aber er weiß auch, dass er die volle Rückendeckung eines schwachen, oftmals rumeiernden Präsidiums genießt. Wie groß der Stellenwert von Löw ist, zeigte allein die Entscheidung von DFB-Boss Reinhard Grindel, dass Löw nach dem WM-Debakel selbst entscheiden konnte, ob er weitermacht oder bleibt. Präsidenten-Autorität? Fehlanzeige!

Löw erhielt dadurch eine solche Macht, dass er vom Präsidialausschuss nun nicht einfach gefeuert werden kann. Würde Löw indes zurücktreten, würde er auf viel Geld verzichten. Sein Jahresgehalt soll bei rund 3,8 Millionen Euro liegen. 

Nach SPORT1-Informationen stellt übrigens auch sein nahes DFB-Umfeld kaum Änderungen an Löw fest. Der Bundestrainer ist nach wie vor beherrscht, zugänglich, kommunikativ.

"Mir war ja klar, dass es Kritik geben würde. Kritik nehme ich an, blende sie aber auch aus", sagte der gebürtige Freiburger.

Annehmen will der Bundestrainer nun die Partie gegen den Weltmeister. Das Problem: Die DFB-Elf ist gefordert, das Spiel zu machen. Deutschland muss auf Sieg spielen, die Franzosen unter Druck setzen. Ein Teufelskreis, denn eben dies ist die große Stärke Frankreichs, so kann sich der Weltmeister zurückziehen und seine ganz große Stärke ausspielen: Das Konterspiel über eine starke Zentrale (Kante, Pogba) und einen Weltklasse-Angriff (Mbappe, Griezmann).

Anspannung bei DFB-Ankunft in Paris

"Müssen uns taktisch verbessern"

Löw weiß natürlich um deren Stärke, bändigte den Weltmeister im Hinspiel mit einem guten Defensiv-Spiel und rang ihm ein 0:0 ab. Diese Spielweise wird diesmal nicht reichen. "Wir müssen taktisch das ein oder andere verbessern, absolut. Das gilt für unsere Konteranfälligkeit und für Zuordnungen. Da ist Frankreich noch stärker als die Niederlande. Zum anderen müssen wir offensiv einen besseren Ansatz finden", kündigte Löw an. "Wir wollen auch in Paris mutig spielen."

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