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Hamburg - Das war Käse! Die 2:4-Pleite des DFB-Teams gegen die Niederlande liegt schwer im Magen. SPORT1 beleuchtet die Fehler - im Mittelpunkt Bundestrainer Joachim Löw.

Was für eine Schmach in Hamburg! Vier Tore in nur einer Halbzeit, am Ende eine 2:4-Pleite im Rückspiel in der EM-Qualifikation gegen die Niederländer, die dank des vierten Treffers nun auch im direkten Vergleich mit Deutschland im Vorteil sind (Hinspiel 3:2 für das DFB-Team).

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Stolpert die Elf von Bundestrainer Joachim Löw auch in Nordirland, ist die direkte EM-Quali in Gefahr!

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Die Niederlage hat zunächst einmal Löw Recht gegeben, der zuvor klarmachte, dass es auf dem selbsternannten Weg zurück zur Weltspitze "Rückschläge" geben werde. Schonungslos hat Oranje die Probleme der sich immer noch im Umbruch befindenden DFB-Elf gezeigt, wenngleich es auch Lichtblicke gab.

Das sind die Erkenntnisse!

Löw bleibt stur

Zuletzt bewährte sich das 3-4-3-System des Bundestrainers, weil es mit Fünferkette im Spiel gegen den Ball zur defensiven Stabilität beitrug.

Gegen die in Ballbesitz starken Niederländer war man mit der Löw-Taktik aber vor allem in Halbzeit zwei viel zu passiv und lief nur hinterher. Die Folge: Kein Druck, kein Tempo, vier Gegentore.

Statt umzustellen, reagierte der Bundestrainer aber nicht. Ein Kritikpunkt, der ihm auch schon bei der WM in Russland nachhallte.

Besorgniserregend war auch, dass Löws Pläne schon im Vorfeld scheinbar leicht von den Holländern durchschaut und als Schwachstellte ausgemacht wurden. Oranje-Kapitän Virgil van Dijk verriet: "Im Aufbau haben wir sie unter Druck gesetzt. Besonders Jonathan Tah, weil er Rechtsfuß ist und auf der linken Seite spielte. Da ist es nicht leicht. Wir haben viele Bälle in dem Bereich geholt."

Löws Taktik wird kritisch gesehen

Mal mehr, mal weniger direkt kritisierten am Freitagabend einige Nationalspieler die defensive Ausrichtung der DFB-Elf. Nach 90 Minuten konnte die Löw-Auswahl nur 43 Prozent Ballbesitz vorweisen. "Das hat man gemerkt. Ich bin ein Freund davon, mehr Ballbesitz und Kontrolle zu haben", sagte Kapitän Manuel Neuer.

Auch andere Spieler äußerten sich. Marco Reus sagte: "Wir standen in der ersten Hälfte schon relativ tief. Der Weg zum Tor ist dann extrem weit. Das ist schwierig."

Joshua Kimmich erklärte: "Wenn du nur hinterherläufst, ist es für den Kopf ermüdend. Unter dem Strich hatten wir zu wenig Ballbesitz und Kontrolle."

Sané und Rüdiger sind nicht zu ersetzen

"Wir haben eine gute Mannschaft, aber man hat auch gesehen, dass wir den ein oder anderen Spieler, der jetzt verletzt ist, gut gebrauchen können", sagte Toni Kroos deutlich. Gemeint sind vor allem Leroy Sané (Kreuzbandanriss) und Antonio Rüdiger (nach Verletzung noch nicht fit).

Sané-Ersatz Werner fand überhaupt nicht ins Spiel und wurde von den Mitspielern kaum gesucht. Seit Monaten tut er sich in der DFB-Elf schwer.

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In der Abwehr war Jonathan Tah ein Unsicherheitsfaktor. Thilo Kehrer (angeschlagen) dürfte langfristig Lukas Klostermann wieder auf der rechten Seite ersetzen.

Neuer ist zu Recht die Nummer eins

Der Kapitän hielt gegen die Niederlande, was es zu halten gab. An den vier Gegentoren war er machtlos.

Selten wie nie ärgerte sich Neuer bereits auf dem Feld über die Gegentreffer. "Es war wirklich nicht gut von uns. Wir haben die Gegentore oft selbst eingeleitet. Die vier Tore sind viel zu viel", sagte Neuer weit nach Abpfiff im Gespräch mit SPORT1.

Angedacht war von Löw, Herausforderer Marc-André ter Stegen Spielzeit gegen Nordirland zu geben. Nun aber steht die Löw-Elf unter Druck. Fraglich, ob Löw im Tor wechselt.

Kroos und Kimmich - das passt

Einer der wenigen Lichtblicke am Freitagabend war das Zusammenspiel von Toni Kroos und Joshua Kimmich im zentralen Mittelfeld. In Löws 3-4-3 System haben sie primär die Aufgabe, das Zentrum zu sichern und mit klugen Pässen die schnellen Stürmer in Szene zu setzen. Dies gelang oft.

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In der Offensive selbst sind sie hingegen kaum zu finden. Fazit Kimmich: "Toni ist sehr passsicher, sehr ballsicher und macht wenig Fehler. Wir ergänzen uns gut auf der Position."

Zumindest stimmt die Selbstreflexion

Klartext statt Flucht! Schonungslos stellten sich etliche DFB-Spieler nach Abpfiff in den Katakomben des Volksparkstadions und beschönigten kaum etwas.

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Sie alle wissen, dass sich die DFB-Elf auf einem langen Weg zurück zur Weltspitze befindet und Rückschläge einkalkuliert werden müssen. Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Akademie: "Es gibt für diese junge Mannschaft keine Abkürzung zum Erfolg. Gegen die Qualität der Holländer kommt man auch mal an seine Grenzen." Eine Erkenntnis allerdings, die mehr zu denken geben sollte.

Havertz bislang ein DFB-Fremdkörper

Löw lobte das Supertalent von Bayer Leverkusen in den höchsten Tönen, einen Startelfplatz für ihn hat er aber noch nicht. Stattdessen wechselte ihn der Bundestrainer in der 60. Minute für Werner ein. Löw stellte ihn auf die rechte Seite, dabei hat der 20-Jährige seine Stärken im Zentrum. Szenen hatte er in seinem ersten DFB-Pflichtspiel keine. Perfekt geeignet könnte für ihn die Position vor Kroos und Kimmich sein, dafür aber müsste Löw auf ein 4-3-3 umstellen.

Falsch gewechselt

Beim Stand von 1:0 beorderte Löw Havertz und Ilkay Gündogan zur Ersatzbank. Sekunden später stand es 1:1. Löw hielt an seinem Wechselplan aber fest und nahm die schnellen Reus und Werner vom Platz.

Ob der Wechsel unglücklich gewesen sei, wurde Kimmich gefragt. Seine Antwort: "Der Trainer wollte uns mit Ilkay noch einen zentralen Mittelfeldspieler geben, sodass wir noch mehr Ballsicherheit haben. Teilweise hat es ganz gut funktioniert. Ansonsten sind Wechsel immer Entscheidungen des Trainers. Als Mannschaft versucht man, einfach weiterzuspielen."

DFB-Elf noch zu naiv

Noch ärgerlicher als die Niederlage war das vierte Gegentor - wegen des direkten Vergleichs. Die direkte EM-Quali ist in Gefahr, vor allem, wenn auch in Nordirland gepatzt wird. Der Vorwurf einiger Spieler: Lieber hätte man das 2:2 verwalten oder noch konsequenter nach dem 3:2 sein müssen, statt sich ein weiteres Gegentor einzufangen. (SERVICE: Tabellen der EM-Qualifikation)

Kimmich wurde in diesem Zusammenhang deutlich: "Es hat uns gezeigt, dass wir noch nicht reif genug sind. Es ist nicht das erste Mal, dass wir eine Führung hergegeben haben. Irgendwann ist es kein Zufall mehr, wenn man es nicht schafft, Ball und Gegner nach einer Führung zu dominieren."

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