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München - Die Niederlage gegen die Niederlande hat für Deutschland Konsequenzen in Sachen EM-Qualifikation. SPORT1 zeigt, wie es um die deutschen EM-Chancen steht.

"Wir müssen gewinnen. Die Ausgangssituation hat sich komplett verändert."

Passender als Joshua Kimmich es formulierte, kann man die Lage der deutschen Nationalmannschaft vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland nicht beschreiben. (EM-Qualifikation: Nordirland - Deutschland, ab 20.45 Uhr im LIVETICKER)

Die 2:4-Niederlage gegen die Niederlande in Hamburg brachte nicht nur eine Debatte über spielerische und taktische Defizite der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw mit sich, sie sorgte auch schon für erste Konsequenzen in Sachen Gruppensieg.

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Für das Spiel in Belfast heißt es genau wie für die übrigen Partien: Verlieren verboten. Denn sonst steht noch mehr als nur der Gruppensieg auf dem Spiel. SPORT1 erklärt, wie es um die deutschen EM-Chancen steht.

Wie wichtig ist das Nordirland-Spiel?

Das Spiel in Belfast ist ein Schlüsselspiel für den Verlauf der weiteren Qualifikation. Die DFB-Elf liegt aktuell mit neun Punkten aus vier Spielen auf Platz zwei der Gruppe C, Nordirland ist mit der Maximalausbeute von zwölf Punkten Erster. Die Niederlande folgen mit sechs Punkten aus drei Partien hinter den Deutschen. (Service: Tabellen der EM-Qualifikation)

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Mit einem Sieg gegen die Nordiren wäre die DFB-Elf vorerst Gruppenerster. Dieser erste Platz ist von immenser Bedeutung. Zwar qualifiziert sich auch der Gruppenzweite für die EM 2020, die in zwölf Ländern (darunter auch Deutschland) ausgetragen wird, doch die Platzierung in der Qualifikation ist maßgebend für die Setzliste bei der Auslosung der EM-Gruppen.

Wie viele Teams sind bei der EM dabei?

An der Endrunde 2020 nehmen wie schon vier Jahre zuvor 24 Teams teil. Diese setzen sich aus den Gruppenersten und -zweiten der zehn Qualifikationsgruppen zusammen. Die restlichen vier werden nach Abschluss der Qualifikationsphase über ein Playoff-Turnier der Nations League vergeben.

Kann Deutschland noch Gruppensieger werden?

Ja, allerdings nicht mehr aus eigener Kraft. Auch wenn die DFB-Elf die restlichen vier Spiele gewinnt, könnten die Niederlande mit Deutschland noch gleichziehen. Bei fünf Siegen aus den restlichen fünf Partien wäre die Elftal in jedem Fall Gruppensieger. (Service: Ergebnisse und Spielplan)

Die Deutschen müssen neben den beiden Spielen gegen Nordirland dabei jeweils noch einmal gegen Estland und Weißrussland antreten, die Niederlande haben fast das identische Programm, allerdings spielen sie noch zweimal gegen das punktlose Schlusslicht Estland.

Gewinnen beide Teams ihre restlichen Spiele, herrscht Punktgleichheit, in diesem Falls entscheidet der direkte Vergleich über den Gruppensieger. Und dieser geht dank des 4:2-Sieges in Hamburg an Oranje, denn das Hinspiel in Amsterdam gewann die Löw-Elf "nur" mit 3:2.

Der direkte Vergleich ist damit punktemäßig ausgeglichen, die bessere Tordifferenz in den direkten Duellen gibt hier allerdings den Ausschlag für die Elf von Bondscoach Ronald Koeman. Die DFB-Elf müsste also alle Spiele gewinnen und auf einen Patzer der Elftal hoffen, um noch Platz eins erreichen zu können.

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Auch Nordirland kann noch Gruppensieger werden, allerdings haben sie das mit Abstand schwerste Restprogramm. Die zwölf Punkte resultieren aus jeweils zwei Siegen gegen Estland und Weißrussland, Nordirland muss dementsprechend noch je zweimal gegen Deutschland und die Niederlande antreten.

Welche Konsequenzen hätte ein zweiter Platz?

Wird Deutschland nur Gruppenzweiter, könnte die Löw-Elf bestenfalls in Topf zwei der Gruppenauslosung für die EM-Endrunde landen. Die Töpfe der sechs EM-Gruppen setzte sich aus den Ergebnissen der Qualifikation zusammen. Die sechs besten Gruppenersten bilden die Gruppenköpfe, die restlichen vier landen in Topf zwei, der dann mit den zwei besten Gruppenzweiten aufgefüllt wird.

Die Reihenfolge der Gruppenersten wird hierbei nach der Punktzahl in den Qualifikationsgruppen bestimmt, wobei bei den Gruppen F bis J jeweils die Spiele gegen den Letzten gestrichen werden, da diese Gruppen aus sechs statt fünf Teams bestehen.

Mit einem zweiten Platz würde Deutschland also bestenfalls in Topf zwei landen, aber auch Topf drei oder sogar vier wären möglich. Schon in Topf zwei droht Deutschland mindestens ein starker Gegner. Nach jetzigem Stand wären Frankreich oder Belgien mögliche Gegner.

Hinzu kommt, dass Deutschland nicht jedem Gruppenersten zugelost werden kann, da die zwölf Gastgeber in die Gruppen gelost werden, in der sie mindestens zwei Gruppenspiele in ihrem Land austragen können. Bei Deutschland ist das Gruppe F, die ihre Spiele in München und Budapest austrägt.

Kann es sogar noch schlimmer kommen?

Ja, kann es. Denn auch ein dritter Platz in der Gruppe C ist in der aktuellen Konstellation möglich, vor allem, wenn Deutschland in Belfast verlieren sollte. Dieser wäre eine sportliche Katastrophe, denn, anders als bei vergangenen Europameisterschaften, spielen die Gruppendritten der Qualifikation keine Playoffs.

Die restlichen vier Startplätze für die Endrunde werden über ein Playoff-Turnier der Nations League ermittelt. Die jeweils vier Gruppensieger der Ligen A,B,C,D spielen dabei im März 2020 pro Liga einen Teilnehmer aus. Sollten diese bereits vorher qualifiziert sein, rücken andere Teilnehmer der Ligen nach. Deutschland kann sich als Gruppendritter seiner Nations-League-Gruppe also keinesfalls sicher sein, überhaupt einen Platz bei dem Playoff-Turnier sicher zu haben.  

Die restlichen Spiele der Qualifikation haben für die DFB-Elf eine immense Bedeutung, angefangen das Spiel in Belfast. "Unsere einzige Aufgabe ist, alles daran zu setzen, das Spiel zu gewinnen", gibt Löw die Marschrichte vor. Denn aller entdeckten Defizite gegen die Niederlande zum Trotz: Gegen Nordirland zählen nur drei Punkte.

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