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München - Ilkay Gündogan und Emre Can sorgen mit ihren Likes auf Instagram für Wirbel. Der Fall zeigt, welche Gefahren für Sportler in den Sozialen Medien lauern.

Es ist nur ein unschuldig anmutendes Herzchen - doch es kann eine große Wirkung entfalten.

Das mussten zuletzt auch Ilkay Gündogan und Emre Can erfahren. Die zwischenzeitlichen Likes eines Fotos auf Instagram, auf dem Spieler der türkischen Nationalmannschaft salutieren, hat am vergangenen Wochenende für viel Wirbel gesorgt.

"Ich dachte, ich like ein Foto eines Kumpels, mit dem ich teilweise in Manchester zusammengelebt habe, der eine schwierige Zeit beim FC Everton hat, kaum spielt, dann ein Tor schießt und seine Mannschaft zu einem Sieg führt", erklärte Gündogan seinen Like des Postings von Cenk Tosun.

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Gündogan distanziert sich im Nachhinein

Er distanzierte sich von jeglicher politischen Intention. "Emre und ich sind beide konsequent gegen jegliche Art von Krieg und Terror, egal, wo er auf der Welt stattfindet. Deswegen war es nur als reine Unterstützung für unseren Freund gedacht", ergänzte Gündogan.

Der Fall zeigt, welche Gefahren in den sozialen Medien lauern, insbesondere für Fußballstars, die besonders im Fokus der Öffentlichkeit stehen.

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"Meines Erachtens prallen zwei völlig verschiedene Welten aufeinander", sagt Roland Eitel, der Berater von Bundestrainer Joachim Löw und Jürgen Klinsmann, im Gespräch mit SPORT1. "Wir haben eine Generation von Spielern, die mit Social Media aufgewachsen ist. Und wir haben eine Generation von Personen im Umfeld - meistens diejenigen, die am lautesten aufschreien - die wenig Ahnung von Social Media haben."

Es ist kein Geheimnis, dass so ziemlich jeder Profifußballer für die Betreuung seines Social-Media-Accounts professionelle Unterstützung in Anspruch nimmt. Eitel, der einst auch Mesut Özil beriet, sieht aber Berater, Vereine und Verbände in der Pflicht, junge Spieler auch zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Social Media zu erziehen.

Eitel nimmt Vereine und Verbände in die Pflicht

"Fast alle jungen Spieler waren in den Nachwuchsleistungszentren der Bundesligisten. Wir leben nun einmal im Zeitalter der Kommunikation. Über schlechte Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sind in unserem Lande schon wichtigere Leute gestolpert", führt Eitel aus. "Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sind deshalb für mich ein elementarer Teil der Ausbildung eines Spielers."

Eitel selbst hat U17- und U19-Mannschaften des VfB Stuttgart und der Stuttgarter Kickers in Lehrgängen unterwiesen und ihnen dabei Grundregeln im Umgang mit den sozialen Netzwerken nähergebracht.

Dabei ging es zunächst darum, bei eigenen Posts den rechtlichen Rahmen zu beachten. Es hat schon junge Spieler gegeben, die ein Bild von sich online gestellt haben, auf dem sie mit Handy am Steuer zu sehen waren. Ebenfalls suboptimal ist es, sich beispielsweise in der Sportkleidung eines anderen Herstellers als dem des eigenen Vereins abzulichten, wenn genau dieses Thema im Arbeitsvertrag festgehalten ist.

Übertriebene Selbstdarstellung widerspricht dem Mannschaftsgeist

Die Spieler zu sensibilisieren, dass sie auch nicht ohne Weiteres Bilder aus der Kabine oder vom Vereinsgelände veröffentlichen dürfen, gehört weiterhin in diesen Komplex. Verwenden Sie Fotos anderer, ist selbstverständlich das Urheberrecht des Fotografen zu beachten.

Moralische Aspekte sind Eitel ebenfalls wichtig. Es gehe um einen Mannschaftssport. Nichts sei da weniger angebracht als übertriebene Selbstdarstellung. Und wenn ein Spieler ein Foto mit einem Mitspieler posten möchte, müsse er sich natürlich vorher vergewissern, ob sich der Mitspieler auch wirklich so in der Öffentlichkeit abgebildet sehen möchte.

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"Das Internet vergisst nichts", mahnt Eitel. "Alles, was dort steht, ist für die Ewigkeit. Ein Fehler, ein Missverständnis kann später bei Vertragsverhandlungen mit anderen Vereinen oder Arbeitgebern oder Partnern rausgeholt werden."

Daher sei öffentliche Kritik an Vereinen, Schiedsrichtern oder anderen Personen zu vermeiden. Es verschaffe mitunter für fünf Minuten ein Gefühl der Befriedigung. Mit den möglichen negativen Konsequenzen hat der Betreffende aber oft deutlich länger zu tun.

Zurückhaltung bei Posts zu Verletzungen

Auch in medizinischen Aspekten - beispielsweise der öffentlichen Verkündigung einer Verletzung und der möglichen Ausfalldauer - empfiehlt Eitel Zurückhaltung. Ist der Eintrag nicht mit dem Verein abgesprochen, drohen dem Spieler lästige Scherereien.

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Wenn ein Spieler private Dinge wie beispielsweise ein Bild seiner Freundin posten möchte, ist das für den Berater völlig okay - solange der Spieler das auf seinem privaten Account macht. Der sei von dem Account des Profifußballers deutlich zu trennen.

"Social Media ist für die Spieler eine Riesenchance, aber auch ein Risiko", sagt Eitel. Stars wie beispielsweise Jérôme Boateng haben mit Hilfe der sozialen Medien ihr Profil geschärft, sich als Marke etabliert und nutzen die Plattform entsprechend zu Promotionzwecken.

Eitel: Social Media verändert das Image nicht grundlegend

Dass das allein auf diesem Wege geht, sei aber ein Irrglaube, meint Eitel: "Das größte Gut eines Fußballers und vor allem eines Trainers ist die Glaubwürdigkeit. Man kann durch Social Media ein Image verstärken, aber man kann es nicht grundlegend ändern."

Die sozialen Netzwerke böten den Spielern aber die Chance, "ihre News ungefiltert an den Fan zu bringen".

Im Falle von Gündogan und Can bestand die öffentliche Äußerung zwar nur in dem Setzen eines Herzchens. Doch der Aufruhr, den diese Kleinigkeit zur Folge hatte, sollte ihren Berufskollegen als Mahnung dienen.

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