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Duisburg und München - Die Pleite gegen Nordmazedonien ist für das DFB-Team peinlich und kann weitreichende Folgen haben. SPORT1 beantwortet die brennendsten Fragen.

Vier Monate nach dem 0:6-Debakel in Sevilla kassiert die deutsche Nationalmannschaft die nächste Blamage.

Das 1:2 gegen den Weltranglisten-65. Nordmazedonien lässt jegliche Mini-Aufbruchstimmung wieder schwinden. Die EM-Euphorie ist komplett verpufft, und jeder Fan stellt sich jetzt die folgenden Fragen.

Tritt Löw nach dem Debakel noch vor der EM zurück?

Unwahrscheinlich! Eine vorzeitige Entlassung Löws ist nach SPORT1-Informationen kein Thema für die DFB-Führung. Im Präsidium hat man sich am Donnerstagmorgen untereinander telefonisch ausgetauscht und beraten. Es bleibt bei der Rückendeckung für Löw. Die Verantwortlichen sind sich einig, dass eine Kurzschlussreaktion nicht zielführend ist.

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Ebenso gibt es von Löw bislang keine Anzeichen, noch vor der EM zurückzutreten. Dennoch: Die 1:2-Blamage sorgt bei den Verbandsbossen für Kopfschütteln. Interner Tenor: Dieser Auftritt ist unerklärlich.

Der Bundestrainer bleibt trotz der Peinlich-Pleite fest entschlossen. "Wir dürfen jetzt nicht den Glauben verlieren", sagte der 61-Jährige nach der erst dritten WM-Quali-Niederlage der Verbandsgeschichte.

"Es nützt nichts, wenn wir Alibis suchen. Jeder muss sich jetzt ernsthaft Gedanken machen, was wir verbessern können." Dennoch: Die öffentliche Kritik nimmt wieder zu, erste Rücktrittsforderungen werden laut. 

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Profitieren Hummels und Müller von der Nordmazedonien-Pleite?

Ja! Beide gehören zu den heimlichen Gewinnern dieser Länderspielreise. Hätte die Mannschaft auch das dritte WM-Quali-Spiel (souverän) gewonnen, wäre diese Frage wohl nicht akut geworden. Gerade das Nordmazedonien-Spiel hat aber gezeigt, wie löchrig die Innenverteidigung sein kann.

BVB-Star Hummels könnte der Mannschaft wieder Sicherheit geben.

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Offensiv fand das Team zudem kaum Lösungen gegen den Fußball-Zwerg, weshalb gerade die Rufe nach Müller immer lauter werden. RTL-Experte Uli Hoeneß fordert eine Rückkehr der beiden Weltmeister. Löw dazu: "Die Frage ist jetzt heute nicht zu beantworten aufgrund des einen Spiels. Die finale Entscheidung fällt erst im Mai."

Hat die Dreierkette ausgedient?

Hoffentlich! Löw wechselte am Mittwoch immer wieder zwischen Dreier- und Viererkette und verunsicherte die Mannschaft damit. In nahezu keinem Spiel mit Dreierkette überzeugte das DFB-Team - im Gegenteil! Es hagelte Gegentore und es fehlte an Abstimmung. Hoeneß kritisierte: "Ich verstehe überhaupt nicht, dass man ein erfolgreiches System ohne Not ändert."

Klar: Der Bundestrainer will taktisch flexibel bleiben, probiert deshalb viel aus. Die Zeit der Experimente muss aber vorbei sein, und das hatte er auch eigentlich angekündigt. Völlig unverständlich daher, warum er sich im letzten Spiel der DFB-Woche umentscheiden musste.

Nach SPORT1-Informationen wurden die taktischen Umstellungen zuletzt auch in der Mannschaft kritisch gesehen. Das Team fühlt sich in einem 4-2-3-1-System sichtlich wohler.

Nach Fehlschuss: Bleibt Werner ein Löw-Opfer?

Ja! Die drei Spiele gegen Island, Rumänien und Nordmazedonien haben gezeigt, dass Löw in der Offensive auf andere Spieler setzt. Werner kam in allen Spielen von der Bank. 

Bezeichnend für seine Formkrise: Der Slapstick-Fehlschuss kurz vor Schluss (79.). "Den muss er natürlich machen", sagte Löw. "Timo macht sich selbst wahrscheinlich die größten Vorwürfe."

Werner muss sich deutlich steigern. Um sein EM-Ticket muss der Stürmer aber wohl nicht zittern. Löw lässt den Chelsea-Star nicht fallen. Klar ist aber auch: Holt Löw Müller zurück, sind die Einsatzchancen für Werner noch geringer. Denn beim DFB kam der Ur-Bayer vor seiner Ausbootung oft über die rechte Seite.

Scheidet Deutschland schon in der EM-Vorrunde aus?

Möglich! Mit Weltmeister Frankreich (15. Juni), Europameister Portugal (19.), und Ungarn (23.) hat Deutschland eine Hammer-Gruppe. Die DFB-Gegner verloren keine ihrer drei Quali-Partien (je zwei Siege und ein Remis). Die Blamage von Duisburg macht den deutschen Fans Sorge.

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Das Problem: Zeit zum Einspielen hat das DFB-Team nicht mehr. Nordmazedonien war der letzte Pflichtspiel-Test. Am 25. Mai startet die EM-Vorbereitung, am 1. Juni muss Löw den EM-Kader nominieren. Danach gibt es zwei Tests gegen Dänemark (2. Juni) und Lettland (7. Juni). 

Wann entscheidet sich die Bundestrainer-Nachfolge?

Unklar! DFB-Manager Oliver Bierhoff hat zuletzt betont, sich Zeit nehmen zu wollen. Mit der DFB-Delegation um Präsident Fritz Keller führte Bierhoff während der Länderspielreise viele Gespräche.

Bei Wunschkandidat Hansi Flick will man noch die Entwicklung beim FC Bayern abwarten. Mit Ralf Rangnick wird es Mitte April Gespräche geben. Als interne Sofortlösungen stünden U21-Coach Stefan Kuntz und Löw-Assistent Marcus Sorg parat.

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