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München - Joachim Löw steht nach der Niederlage gegen die Niederlande unter Druck. Der DFB setzt weiter auf ihn und seinen Umbruch - hat aber auch kaum eine Alternative.

Nicht erst seit dem 2:4 gegen die Niederlande hat sich eine Stimmung gegen Joachim Löw als Bundestrainer breitgemacht, die man nicht ignorieren oder als lästiges Unkenrufen in den Sozialen Medien abtun kann. Der Weltmeister-Trainer von 2014 gerät in Erklärungsnot. (So will Löw den Alptraum gegen Nordirland verhindern)

Unnötige Auswechslungen im Sturm, die Dreierkette in der Innenverteidigung, die Passivität der zwei Flügelspieler, die Zurückweisung jeder Mitschuld: Was an Kritik zunächst allein auf die Niederlage in Hamburg gemünzt ist, schlägt bei Löw schnell ins Grundsätzliche über.

Löws Kritiker monieren Angsthasen-Fußball

Das Stimmungsbild reicht von Rücktrittsforderung bis Schuldzuweisung und ist Ausdruck allgemeiner Verunsicherung. Wenn die eine Pleite reicht, das Wohlwollen gegenüber Schwankungen im Umbruch aufzuzehren, kann das Wohlwollen nicht groß gewesen sein.

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Martin Przondziono, Geschäftsführer des SC Paderborn, erkennt eine Parallele in einem sieben Jahre alten Vorfall, als Deutschland im EM-Halbfinale gegen Italien die eigene Taktik am Gegner ausgerichtet hat - und prompt verlor. Damals fielen alle Kritiker über Löw her.

Diesen Angsthasen-Fußball will man jetzt im Holland-Spiel wiedererkannt haben. In seiner Analyse in der Pressekonferenz räumte Löw zwar Schwachstellen ein. Eine Ursache in der taktischen Grundordnung, also an seiner Arbeit, wollte er aber nicht verorten.

Soll heißen: Die Spieler waren's. Vorm nächsten EM-Qualifikationsspiel heute in Nordirland ist die Lage angespannt. (EM-Qualifikation: Nordirland - Deutschland, sb 20.45 Uhr im LIVETICKER) Ein Punktverlust - und Deutschland muss um die direkte EM-Quali bangen. Nordirland hat bisher alle vier Spiele in der Gruppe C gewonnen.

Dabei ist der Ruf nach Löws Demission nicht zielführend. Neun Monate vor der EM 2020 kommt der DFB nie auf die Idee, den Bundestrainer auszutauschen. Der designierte Präsident Fritz Keller will seine Amtszeit Ende September wohl kaum mit einem Trainerwechsel beginnen.

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Theoretisch stünden Nachfolger zur Verfügung. Der erfolgreiche Bundestrainer Stefan Kuntz. Oder der Konzeptionist Ralf Rangnick. Aber welchen Einfluss hätten sie noch, wenn sie übernähmen? Vor Turnieren blieb der Verband den leidenden Angestellten immer treu.

DFB setzt auf Löw und den Umbruch

Nach der WM-Blamage von 2018 hat man sich dazu entschieden, dass Joachim Löw den Umbruch in zwei Etappen vollzieht. Erst die Nations League durchspielen, dann auf die drei Weltmeister des FC Bayern verzichten. Niemand erwartet sofort einen Titel von ihm.

Die Unruhe um Löw ist offenbar dem Umstand geschuldet, dass er schon so lange im Amt ist, seit 2006 nämlich. Wie bei Bundeskanzlerin Angela Merkel dürstet ein Teil der Menge nach einem Wechsel um des Wechsels wegen. Dabei gehen Sachfragen unter.

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Löw muss sich schon den Vorwurf gefallen lassen, dass seine Maßnahmen - Ballsicherheit und kompaktes Abwehrzentrum - fehlschlugen. Sein Hinweis auf fehlende Spieler ist lächerlich. Denselben Leroy Sané, den er jetzt vermisst, hielt er voriges Jahr für überflüssig.

Nicht einmal ein klarer Sieg heute in Nordirland wird die Katerstimmung aus dem verlorenen Spiel gegen einen starken Gegner verschwinden lassen. Das wird jetzt nur noch eine gute EM 2020 können. Bis dahin ist jede Fundamentalkritik an Löw völlig zwecklos.

ZUR PERSON
Pit Gottschalk, 50, ist Journalist und Buchautor. Ehemals Chefredakteur von Sport Bild in Hamburg und bei Funke Sport in Essen. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hierhttp://newsletter.pitgottschalk.de

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