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Edgar Schmitt (r.) und Manfred Bender bejubeln die Sensation des KSC © Imago
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München - Dieser Abend ging in die Fußballgeschichte ein. UEFA-Cup-Neuling Karlsruhe schlug das Starensemble aus Valencia mit 7:0. Trainerlegende "Winnie" Schäfer verrät, wie es dazu kam. Und warum er mit Decke über den Kopf in die Kabine schlich.

Von Adrian Rehling

Es war eine dieser magischen Europapokalnächte, die für immer in der Fußballgeschichte verankert bleiben. Am 2. November 1993 fertigte der Karlsruher SC den FC Valencia mit 7:0 (Hinspiel 0:3) im UEFA-Cup ab.

"Das war einer der schönsten Fußballabende meines Lebens", schwärmt der damalige KSC-Trainer Winfried Schäfer auch heute noch.

Dabei kam dem 68-Jährigen, der inzwischen den iranischen Erstligisten Esteghlal FC trainiert, eine zunächst tragische Rolle zuteil: Schäfer wurde nach der ersten Runde gegen Eindhoven von der UEFA gesperrt, musste die Partie von der Tribüne aus verfolgen.

Was er sah, hatten nur die kühnsten Fans der Badener für möglich gehalten. Immerhin spielten aufseiten der Spanier Stars wie Predrag Mijatovic und Juan Antonio Pizzi, die zudem vom niederländischen Coach Guus Hiddink trainiert wurden. Doch die KSC-Profis spielten wie im Rausch.

"Es ist unfassbar, unglaublich"

Vor allem einer: Edgar Schmitt. Der Stürmer feierte mit einem Viererpack die Geburtsstunde des "Euro-Eddy". Schmitt traf zum 1:0, 2:0, 5:0 und 6:0. Selbst Jörg Dahlmann, der das Spiel für Sat1 kommentierte, riss es von den Sitzen:

"Das ist nicht möglich. Es ist unfassbar, unglaublich, ich raff's nicht. Ich werd' wahnsinnig hier (…) Wie schön kann Fußball sein, wie schön kann Europapokal sein. Lieber KSC, wir danken euch."

Trainer Winfried Schäfer klatscht mit den KSC-Fans ab © Imago

Schäfer, dem sie an diesem Abend im Wildpark am liebsten ein Denkmal gesetzt hätten, erinnert sich im Gespräch mit SPORT1 gern zurück: "Für mich war es eine Qual, der Mannschaft nicht helfen zu dürfen. Doch diese Jungs hatten etwas ganz Besonderes. Alle haben daran geglaubt, das Wunder wahr machen zu können. Deshalb spielen wir ja Fußball."

So ganz unbeteiligt war "Winnie" übrigens nicht: "Natürlich war ich vor dem Spiel und in der Halbzeit in der Kabine. Mit einer Decke über dem Kopf bin ich hineingeschlichen." Allerdings nicht ganz unbeobachtet, denn der damalige UEFA-Beobachter aus Österreich bekam Wind von der Sache.

Salzburg stoppt den KSC-Lauf

Schäfer schmunzelnd: "Als er mich nach dem Spiel fragte, ob ich beim nächsten Trainerlehrgang als Gasttrainer vorbeikommen würde, verriet mir sein lächelndes Gesicht: 'Sag lieber ja'."

Doch erst einmal hatten Schäfer und der KSC anderes vor, setzten ihren Siegeszug auf europäischer Bühne fort. Im Achtelfinale wurde Girondins Bordeaux nach einem 0:1 im Hinspiel mit 3:0 aus dem Wildpark gefegt, im Viertelfinale Boavista Porto nach einem 1:1 in Portugal zuhause mit 1:0 bezwungen. Erst im Halbfinale war dann gegen Austria Salzburg (1:1, 0:0) Endstation.

"Wir sind als Außenseiter gestartet – und haben den Uefa-Cup ordentlich aufgemischt. Neben dem Wunder gegen Valencia und der Geburtsstunde von "Euro-Eddy" ging in diesen Spielen auch der Stern von Oliver Kahn auf. Wir hatten eine Mannschaft mit großartigen Charakteren“, schwärmt Winfried Schäfer.

Der 2. November 1993 - KSC, wir danken euch!

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