Dieser Schlitzohr-Freistoß überrascht Japan
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Saransk und München - Eine frühe Rote Karte reißt Kolumbien gegen Japan aus allen WM-Träumen. Trainer Jose Pekerman hadert. Bayern-Star James kann nur eingeschränkt helfen.

In seiner Verzweiflung zog James Rodriguez einen allerletzten Sprint an, doch der Schlusspfiff stoppte jäh den Vorwärtsdrang des Bayern-Superstars.

Das bittere und unerwartete 1:2 (1:1) zum Auftakt in der Gruppe H gegen Japan riss Kolumbien vorerst aus allen Träumen, den Viertelfinaleinzug der WM 2014 beim Turnier in Russland noch zu toppen.

Die vorher so lautstarken Fans der Cafeteros verstummten konsterniert, die größte kolumbianische Tageszeitung El Tiempo schrieb von "einem Keulenschlag" und Trainer Jose Pekerman blickte ernüchtert zu Boden.

Pekerman beklagt "fatale Rote Karte"

Seine Mannschaft hatte bravourös 87 Minuten in Unterzahl gekämpft - wurde dafür aber nicht belohnt. "Die frühe Rote Karte für Carlos Sanchez war fatal und hat uns das Leben sehr schwer gemacht", klagte Pekerman. Für ein Handspiel hatte der Abwehrspieler den zweitschnellste Platzverweis in der WM-Geschichte gesehen. (LIVETICKER zum Nachlesen)

Im Verbund mit dem anschließenden Foulelfmetertor durch Shinji Kagawa (6.) war es ein Albtraumstart für den Favoriten, der sich aber gut ins Spiel zurückbiss. Das 1:1 durch Juan Quintero (39.) konterte der Kölner Yuya Osako mit seinem siegbringenden Kopfball (73.). (Alle Ergebnisse im Überblick)

James hat Ausgleich auf dem Fuß

Hoffnungsträger James, den Wadenprobleme plagen, spielte die letzte halbe Stunde und hätte beinahe den Ausgleich erzielt (78.) – Japans Siegtorschütze Osako blockte den Schuss.

So blieb der Torschützenkönig der WM 2014, der in Brasilien in jedem Spiel mindestens einmal traf und insgesamt 6 Tore erzielte, erstmals in einem WM-Spiel ohne einen Treffer.

Stattdessen handelte sich James sich für ein Frustfoul noch eine Gelbe Karte ein. Das war der Schlusspunkt einer nervenaufreibenden Partie.

Japan spielt Überzahl geschickter aus

"Wir waren von Beginn an sehr aggressiv und hatten den Vorteil, schnell in Überzahl spielen zu können. Wir haben allerdings unsere Chancen nicht genutzt. In der zweiten Hälfte haben wir unseren zahlenmäßigen Vorteil besser ausgespielt", sagte Japans Trainer Akira Nishino.

Der erste Triumph einer asiatischen Mannschaft über ein südamerikanisches Team bei einer Weltmeisterschaft im 18. Versuch sorgte auch bei Lukas Podolski für Jubel.

Kolumbien gegen Polen unter Druck

Beim unterlegenen Gegner herrschte hingegen Ernüchterung. "Japan hat das Spiel vor allem in der zweiten Halbzeit gut kontrolliert, wir sind müde geworden und haben den Rhythmus verloren", sagte Pekerman.

Den muss sein Team nun schnellstmöglich wiederfinden. Im zweiten Gruppenspiel gegen Polen in Kasan am Sonntag (20 Uhr im LIVETICKER) steht Kolumbien praktisch mit dem Rücken zur Wand. "Wir haben Fehler gemacht, aber wir haben noch zwei Spiele, gegen Polen müssen wir um unser Leben spielen", sagte Angreifer Radamel Falcao.

Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Offensivstar James, der dann möglichst von Anfang an helfen soll.

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