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Die DFB-Frauen sind bei der WM bereits im Viertelfinale gescheitert. Das Aus gegen Schweden offenbart Schwachstellen. Die Bundestrainerin muss neu aufbauen.

Erst wurden die Stutzen runtergekrempelt, dann flossen die Tränen. Als Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ihre Schützlinge mit entgeistertem Blick weit vor der Ziellinie der Tour de France verabschiedete, waren die deutschen Fußballerinnen nur noch körperlich anwesend. "Das tut weh", gab MVT nach dem Aus des zweimaligen Weltmeisters im WM-Viertelfinale unumwunden zu.

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Das 1:2 (1:1) gegen Schweden wird sogar im kommenden Jahr noch schmerzen - der Olympiasieger muss bei den Spielen in Tokio zuschauen.

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Magulls Traumtor und dann nix mehr

"Wir sind in einem Prozess. Wir sind noch nicht ganz so gefestigt wie wir uns das gewünscht hätten", äußerte Voss-Tecklenburg, die in der ARD trotz des verpassten Minimalziels Zuversicht verbreitete: "Wir werden daran wachsen und uns neue Ziele setzen. Die EM-Qualifikation beginnt schon bald. Einige denken ans Aufhören. Auf der anderen Seite haben wir hungrige Spielerinnen, die nachkommen."

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Frische Spielerinnen hätte es schon bei der Hitzeschlacht von Rennes gebraucht. Schließlich brachen die Deutschen trotz Führung gegen Schweden ein und verpassten bei Temperaturen weit über 30 Grad die Vorschlussrunde am Mittwoch in Lyon gegen den Europameister aus den Niederlanden.

Voss-Tecklenburg muss aufbauen

Stattdessen geht es am Sonntag nach Hause, am 31. August steht in Kassel der Auftakt in die EM-Qualifikation gegen Montenegro auf dem Programm.

Dafür muss Voss-Tecklenburg nun ein neues Team aufbauen und die Schlüsse aus dem Aus ziehen. Die frappierenden Schnitzer in der Innenverteidigung und die ohne eine topfitte Dzsenifer Marozsán fehlende Kreativität im Spiel nach vorn zogen sich trotz des Viertelfinaleinzuges durch das Turnier. Die USA oder England zeigten ganz anderen Fußball.

Sofia Jakobsson hatte für das erste WM-Gegentor der Deutschen gesorgt (22.), Stina Blackstenius (48.) legte nach. Der Treffer von Lina Magull (16.) war zu wenig für den Rekord-Europameister. Die Spielerinnen müssen sich mit einer Prämie in Höhe von 10.000 Euro pro Kopf für das Erreichen des Viertelfinals begnügen.

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Trotz Niederlage viel Lob von den DFB-Bossen

"Wir müssen anerkennen, dass die schwedische Mannschaft über die 90 Minuten hinweg vielleicht das eine Tor besser war", sagte DFB-Interimspräsident Rainer Koch: "Es war nicht unser Tag, aber es werden auch wieder andere Tage kommen."

Oliver Bierhoff sah es ähnlich. "Natürlich sind wir enttäuscht über das Ausscheiden, und wir sind auch traurig, die Olympia-Qualifikation nicht geschafft zu haben", äußerte der DFB-Direktor: "Und dennoch hat uns dieses Team junger Frauen in den letzten Tagen und Wochen nicht enttäuscht, sondern - ganz im Gegenteil - viel Freude bereitet. Unsere Mannschaft wird daran wachsen und sich weiterentwickeln. Ihr gehört die Zukunft."

Voss-Tecklenburg hatte zunächst auf Marozsán verzichtet. Die Spielmacherin, die im Auftaktspiel gegen China (1:0) vor drei Wochen an gleicher Stelle einen Zehenbruch erlitten hatte, saß auf der Bank. Zu Beginn der zweiten Hälfte kam die 27-Jährige, konnte aber abgesehen von Standards kaum Impulse setzen.

Ex-Lieblingsgegner Schweden

Die Deutschen gingen mit einem mentalen Vorteil in die Partie. Die Schwedinnen hatten seit 1995 kein Pflichtspiel gegen den Rekord-Europameister gewonnen. Unter anderem zogen die Skandinavierinnen im Olympia-Finale 2016, bei der WM 2015 im Achtelfinale, beim EM-Halbfinale 2013 sowie beim WM-Endspiel 2003 den Kürzeren. Diese Negativserie hat nun ein Ende.

Für die Partie vor 25.301 Zuschauern hatte Voss-Tecklenburg in die taktische Trickkiste gegriffen. Erstmals seit dem China-Spiel agierte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einem 4-2-3-1-System. Spielführerin Alexandra Popp agierte nicht im Sturmzentrum, sondern im defensiven Mittelfeld. Die Strategie ging aber nur zu Beginn auf.

Vom raschen Ausgleich nach der Führung erholten sich die Deutschen nicht mehr. Das DFB-Team offenbarte zu viele Schwächen in allen Mannschaftsteilen.

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