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Die athletische Marina Hegering bildet mit Sara Doorsoun das Abwehrbollwerk der DFB-Frauen. Keine Selbstverständlichkeit - nach einer sechsjährigen Zwangspause.

Als der Regen den deutschen Fußballerinnen auch ins mediterrane Südfrankreich gefolgt war, stemmten sie im Fitnessstudio im Herzen von Montpellier Gewichte. Marina Hegering, aufgrund ihrer Athletik von Abwehrkollegin Sara Doorsoun "Maschina" getauft, macht diese Schufterei aber rein gar nichts aus.

"Wir stellen uns auf ein körperlich intensives Duell ein", sagte die Innenverteidigerin schon mit Blick auf das letzte WM-Vorrundenspiel (Frauen-WM: Südafrika - Deutschland, ab 18.00 Uhr im LIVETICKER), wenn es mit dem Achtelfinal-Ticket in der Tasche um den Gruppensieg geht.

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Ob im Kraftraum oder auf dem Spielfeld: Hegering genießt jeden Moment in Frankreich - denn sie erlebt ihr ganz persönliches Märchen.

Hegering: "Kann das hier schon als Traum bezeichnen"

Schließlich gab sie erst im April im fortgeschrittenen Fußball-Alter von 29 Jahren nach einer gefühlt endlosen Zwangspause ihr Debüt im A-Nationalteam.

Dabei war ihr schon 2010 - Hegering war als Kapitänin gerade U20-Weltmeisterin im eigenen Land geworden - eine große Karriere prophezeit worden. Doch dann setzte sie eine Fersenverletzung mitsamt Wundheilungsstörung außer Gefecht. Sechs Jahre lang.

"Man kann das hier schon als Traum bezeichnen", sagte Hegering, die neben dem Fußball als kaufmännische Angestellte in einem Bau-Unternehmen arbeitet.

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"Ich denke auch, dass ich emotional eine andere Wahrnehmung habe als eine ganz junge Spielerin zum Beispiel."

Deutschlands Abwehrduo: "Maschina" und "Speedy Gonzalez"

Bei den Siegen gegen China und Spanien (beide 1:0) spielte die Verteidigerin der SGS Essen mit Doorsoun im Abwehrzentrum des zweimaligen Weltmeisters und hat nun fünf Länderspiele auf dem Konto.

Beide geben zu: Es lief längst noch nicht alles glatt, aber es geht voran. Und die Aufgabenverteilung des Duos ist klar. "Marina geht eher in die Kopfbälle, ich sichere dahinter ab und gehe in die Laufduelle", erklärte Doorsoun, die bis zu ihrem Wechsel zum VfL Wolfsburg vor einem Jahr mit Hegering zusammen in Essen spielte und wegen ihrer Schnelligkeit den Spitznamen "Speedy Gonzalez" verpasst bekam.

Die beiden verstehen sich auch abseits des Platzes gut. Am freien Nachmittag gingen sie gemeinsam in der schönen Innenstadt von Montpellier bummeln. Am Freitagabend ging das gesamte Team auswärts essen. "Für den Kopf ist das Rauskommen gut, es bringt Frische rein", sagte die 27-malige Nationalspielerin Doorsoun auf der Presserunde im Mercure-Hotel Centre Comedien.

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Und wenn Hegering auf dem Hotel-Zimmer zu ihrer Gitarre greift ("Ich bin blutige Anfängerin"), springt Doorsoun ihr auch musikalisch zur Seite. "Sie hat letztens 'Country Roads' gespielt und ich habe ganz toll mitgesungen", erzählte die 27-Jährige augenzwinkernd: "Da haben wir uns mal wieder gut ergänzt."

Warnung vor Südafrika: "Wieder sehr ekelhaft"

Das wollen sie auch am Montag auf dem Platz, wenn gegen Südafrika ein Punkt reicht, um Platz eins zu sichern und so dem Angstgegner und Titelverteidiger USA aus dem Weg zu gehen. (Service: Tabellen der Frauen-WM)

Dass sie dank Schützenhilfe vorzeitig in der K.o.-Runde stehen, wissen die Olympiasiegerinnen seit dem 1:0 (1:0) der Chinesinnen gegen den WM-Neuling vom Kap.

Taktieren will im deutschen Lager dennoch niemand. "Wir spielen auf Sieg", betonte Doorsoun, warnte aber auch vor einem ähnlich wie China unangenehmen Gegner: "Die Zweikämpfe werden wieder sehr ekelhaft geführt werden. Da dürfen wir uns nicht den Schneid abkaufen lassen."

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