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Beim Spiel des Chemnitzer FC wird um einen Neonazi getrauert. Sogar ein Spieler gedenkt seiner mit einem Shirt. Der Geschäftsführer legt seine Ämter nieder.

Beim Regionalliga-Spiel zwischen dem Chemnitzer FC und VSG Altglienicke ist es zu einem Eklat gekommen.

Vor Spielbeginn wurde an einen der führenden Neonazis der Stadt erinnert, der in dieser Woche seinem Krebsleiden erlegen war, berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk.

Auf der Anzeigetafel des Stadions wurde während der Schweigeminute ein Schwarz-Weiß-Porträt des verstorbenen Thomas Haller gezeigt, zudem hielten Fans schwarze Transparente und ein großes Kreuz in die Höhe.

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Chemnitz weist Kritik zurück

"Entgegen der Berichterstattung des MDR war dies keine offizielle Trauerbekundung. Die Ermöglichung der gemeinsamen Trauer stellt keine Würdigung des Lebensinhalts des Verstorbenen dar. Es ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit, den Fans des CFC und Hinterbliebenen, die darum baten, die gemeinsame Trauer zu ermöglichen", schreibt der CFC auf seiner Homepage.

Dies sei in Übereinstimmung mit Abwägungen, die von den Sicherheitsbehörden getroffen worden waren, geschehen.

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Geschäftsführer legt Ämter nieder

Am Sonntag erklärte der kaufmännische Geschäftsführer der Sachsen, Thomas Uhlig (46), seinen Rücktritt.

"Um weiteren Schaden vom Chemnitzer FC fernzuhalten, habe ich die Entscheidung getroffen, mit sofortiger Wirkung alle Ämter niederzulegen. In meiner Funktion als kaufmännischer Geschäftsführer und Veranstaltungsleiter trage ich die Verantwortung für die Spieltage des CFC und dessen Begleiterscheinungen", betonte Uhlig.

Der Chemnitzer FC rechtfertigte zuvor sein Vorgehen: "Das Bedürfnis der Menschen nach gemeinsamer Trauer gilt es für uns zu respektieren. In diesem Kontext hat der Stadionsprecher den Hinterbliebenen das Beileid ausgesprochen."

Haller ein bekennender Neonazi 

Haller war bekennender Neonazi und gründete dem MDR zufolge Anfang der 90er Jahre sogar die Vereinigung HooNaRa (Hooligans Nazis Rassisten). Nach Informationen von MDR Sachsen hat er zudem die junge rechtsextreme Szene in Chemnitz mit aufgebaut und war den Ausschreitungen nach dem Tod von Daniel H. beteiligt.

Chemnitz-Spieler Daniel Frahn streckte nach seinem Tor zudem ein Shirt mit der Aufschrift "Support your local hools" hoch und hielt es in Richtung des Blocks, in dem Haller immer gestanden hatte. Wie der Verein am Sonntag mitteilte, wurde Frahn mit einer Geldstrafe belegt. "Der Angreifer hat die Möglichkeit diese Mittels einer Spende von Sport-Utensilien an eine wohltätige Organisation in Chemnitz abzuleisten. Darüber hinaus droht Frahn eine Bestrafung von Seiten des Verbandes", so das offizielle Statement.

Frahn bestreitet politische Motivation

"Es tut mir Leid, dass ich dem Verein mit meiner Art der Beileidsbekundung an die Hinterbliebenen Schaden zugefügt habe. Dafür habe ich mich heute Morgen bei den Verantwortlichen des CFC sowie meinen Mannschaftskameraden entschuldigt", erklärte derweil Frahn.

"Im Austausch mit unseren Fans habe ich eines Tages auch Thomas Haller kennengelernt. Mir persönlich gegenüber ist er nie politisch geworden. Ich bin weit davon entfernt, sein Gedankengut zu teilen. Mit dieser Geste wollte ich dem Wunsch unserer Fans nach gemeinsamen Gedenken an die Hinterbliebenen des Verstorbenen entsprechen", so der 31-Jährige weiter:

"Ich weiß, dass dieses T-Shirt verkauft wurde, als Thomas Haller erkrankt ist, um die medizinische Betreuung zu gewährleisten. Daher hatte das Shirt für mich eine andere Bedeutung. Dass dieses T-Shirt so tief in der Nazi-Szene verbreitet ist, war mir dabei nicht bewusst."

Das spektakuläre Spiel, welches vor mehr als 4.000 Zuschauern mit 4:4 endete, geriet angesichts dieser Bilder in den Hintergrund.

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