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Ianis Hagi (M.) und seine Mitstreiter überraschen bei der U21 EM die Experten
Ianis Hagi (M.) und seine Mitstreiter überraschen bei der U21 EM die Experten © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Imago/Picture Alliance
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Rumänien sorgt bei der UEFA U21 EM 2019 mit vermeintlich großen Namen für Furore - auch der Sohn einer rumänischen Spielmacher-Legende ist dafür verantwortlich.

Als der Schlusspfiff in Cesena ertönte, verwandelte sich das Dino Manuzzi Stadium in ein gelbes Jubelmeer. Rumänien hatte gerade England bei der UEFA U21 Europameisterschaft 2019 in einem komplett verrückten Spiel mit 4:2 geschlagen, damit das EM-Aus der Engländer besiegelt und somit für die zweite dicke Überraschung bei dem Turnier in Italien gesorgt.

George Puscas riss sich das Trikot vom Leib und sprang auf die Werbebande, Ianis Hagi rutschte auf den Knien in Richtung der zahlreich mitgereisten Fans, und das restliche Team bildete eine euphorische Jubeltraube.

Die Rumänen haben nach dem spektakulären Sieg nicht nur Cesena erobert, sie sind die Mannschaft der Stunde der U21 EM.

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In dem Land mit knapp 20 Millionen Einwohnern löst das Team eine riesige Begeisterung aus. "Rumänien hat wieder eine Goldene Mannschaft", titelte die rumänische Sportzeitung Sport Total nach dem Überraschungssieg gegen England.

Zuvor hatte der Außenseiter aus Osteuropa im ersten Spiel Kroatien mit 4:1 vom Platz gefegt. Gegen die klar favorisierten Engländer gelang der Mannschaft von Trainer Mirel Radoi dann der nächste Coup. 

Puscas, Hagi und Coman sind die Stars des Teams

Die drei Torschützen gegen England hießen Puscas (76.), Hagi (85.) und Florinel Coman (88. und 90.), die alle vier Treffer in der Schlussviertelstunde erzielten. Sie sind die Stars der jungen Überraschungsmannschaft aus Rumänien.

Und das, obwohl Rumäniens größte Fußball-Talente nicht in den europäischen Top-Ligen aktiv sind. Die meisten kicken in der heimischen Liga, die bei weitem nicht mit dem Niveau der großen Ligen Europas mithalten kann.

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So auch Coman, der ähnlich wie Namensvetter Kingsley Coman für seine Schnelligkeit und seine Technik gelobt wird. Der 21-Jährige steht seit zwei Jahren bei Steaua Bukarest unter Vertrag. In 38 Spielen erzielte er in dieser Spielzeit 12 Tore für den Klub, der sich den Außenstürmer 2,5 Millionen Euro kosten ließ und dafür sorgte, dass im Vertrag eine Ausstiegsklausel von 100 Millionen Euro steht. Rekord in Rumänien.

Sein Profidebüt hatte Coman für den FC Viitorul Constanța gefeiert - unter Trainer Gheorghe Hagi, Rumäniens Fußball-Legende.

Legende Hagi ist auch Vater von Ianis Hagi, den er selbst beim von ihm gegründeten Klub Viitorul Constanța trainiert.

Der Guardian hatte Hagi junior im Jahr 2015 zu einem der 50 Top-Talente des Jahrgangs 1998 erklärt. Ein Jahr später wechselte der Flügelflitzer zur AC Florenz, konnte sich dort aber nicht durchsetzen.

Im Januar 2018 wechselte er zurück zu Viitorul und zu Papa Gheorge - seitdem läuft es wieder für Hagi junior.

Rumänien hofft auf eine Goldene Generation

Der 20-Jährige wurde zweimal für den Golden-Boy-Award nominiert. Spielerisch wird er mit seinem Vater verglichen, der in seiner aktiven Karriere sowohl für den FC Barcelona als auch Real Madrid spielte.

"Mein Sohn ist beidfüßig, größer und schlanker", widerspricht Hagi senior, der sich ausschließlich auf seinen genialen linken Fuß verließ, über seinen Sohn, der wie er die Nummer zehn trägt. "Er spielt nicht wie Gheorghe Hagi, eher wie Zinedine Zidane."

In Sachen Einordnung von Spielmachers macht Gheorghe Hagi niemand etwas vor. 11 Freunde publizierten einst seine wie in Stein gemeißelte Behauptung: "Die Nummer zehn arbeitet nicht Sie macht den Unterschied."

Puscas als eiskalter Mittelstürmer

Für die meisten Tore ist bei den Rumänen allerdings George Puscas zuständig. Sein Name erinnert an die ungarische Fußball-Legende Ferenc Puskás, sein Spielstil ist der eines eiskalten Mittelstürmers.

In der Qualifikation für die U21 EM traf er sieben Mal und schoss seine Mannschaft damit zur erstmaligen Teilnahme an der Endrunde seit 1998.

Das vielversprechende Talent wechselte bereits 2013 zu Inter Mailand, wurde allerdings drei Mal an Klubs der Serie B ausgeliehen. Aktuell schnürt er seine Schuhe für US Palermo in der zweiten italienischen Liga. Die Sizilianer verpflichteten den Rumänen im letzten Sommer für 3,3 Millionen Euro. Der 23-Jährige schoss in der abgelaufenen Saison neun Tore in 33 Spielen.

Im letzten Gruppenspiel geht es für ihn und seine Mitspieler heute (ab 20.55 LIVE in der Konferenz im TV bei SPORT1) gegen Frankreich (auch sechs Punkte) nun um den Einzug ins Halbfinale, den Gruppensieg und die Olympia-Teilnahme. Ein Punkt würde den Rumänen für alle drei Ziele reichen. 

Die heimischen Fans träumen nach dem Traumstart ihres Teams jetzt vom ganz großen Wurf in Italien: dem Titel bei der U21 EM. Auf dass die vielversprechenden Talente bald auch die A-Nationalmannschaft zu neuem Glanz führen und sich wahrlich als Goldene Generation erweisen.

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