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Bologna - Die deutsche U21 steht dank Luca Waldschmidt im EM-Finale. Doch die große Party nach der Hitzeschlacht bekommt der Stürmer kurioserweise gar nicht mit.

Von der ausgelassenen Party nach dem Spiel hatte Luca Waldschmidt gar nichts mitbekommen.

Während in der Umkleidekabine der deutschen Mannschaft bei den Feierlichkeiten ein Lautsprecher zu viel Wasser abbekam und daraufhin seinen Dienst quittierte, musste der Held der Hitzeschlacht von Bologna noch bei der Dopingkontrolle warten.

"Keine Ahnung, ich war ja leider nicht dabei", sagte der Doppeltorschütze vom 4:2-Sieg im Halbfinale der UEFA U21 EM gegen Rumänien darauf angesprochen, wie es zu dem Missgeschick kam.

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Waldschmidt: "Sechs bis acht Flaschen getrunken"

Er habe zwar schon vor dem Spiel drei, vier Liter getrunken und auch während des Spiels bei rund 40 Grad noch mal reichlich nachgefüllt. Doch das reichte offenbar noch nicht ganz.

"Wahnsinn! Bei der Dopingkontrolle waren es glaube ich sechs bis acht Flaschen", erinnerte sich Waldschmidt, als er endlich mit den Journalisten sprechen konnte.   

Kuntz: "Habe ein Klasse-Team"

Auch Trainer Stefan Kuntz hob zunächst die außergewöhnlichen Umstände des Spiels hervor: "Es waren unglaubliche Temperaturen. In der Halbzeit haben wir uns in Ruhe darüber unterhalten, ob das die Art und Weise ist, wie wir uns aus dem Turnier verabschieden, oder ob wir den Kampf noch mal annehmen wollen", sagte Kuntz nach dem "Saunagang" im Stadio Renato Dall'Ara im ZDF: "Ich kann keinen herausheben, es war eine tolle Mannschaftsleistung. Ich habe einfach ein Klasse-Team."

Mit zwei Spielern, die mit ihren Toren den Unterschied machten: Waldschmidt, der per Foulelfmeter (51.) und per Freistoß in der 90. Minute nach der Pause für die Wende sorgte und mit seinen sieben Turniertoren den Rekord des Schweden Marcus Berg von 2009 einstellte. Und der Hoffenheimer Nadiem Amiri (21./90.+4), der bei seinem Startelf-Debüt ebenfalls doppelt traf.

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"Ich bin einfach nur überglücklich. Wir hatten einen Plan, mich fit zu bekommen. Ich danke dem Trainer, dass er mir das Vertrauen geschenkt hat", sagte Amiri.

Bundestrainer Löw lobt Kampfgeist und Spielfreude

Nach dessen 1:0 hatte das DFB-Team zeitweise die Kontrolle verloren und war durch zwei Treffer von George Puscas per Foulelfmeter (26.) und Kopfball (44.) sogar in Rückstand geraten. Und doch reichte es am Ende, Gegner im Finale von Udine ist in einer Neuauflage des Endspiels von 2017 Spanien, das Frankreich 4:1 (2:1) besiegte

"Ich stand noch nie in so einem Finale - das ist einfach geil. Wir müssen das ein Stück weit genießen und wenn man im Finale steht, will man auch gewinnen, das ist keine Frage", blickte Waldschmidt bereits voraus.

Auch Bundestrainer Joachim Löw meldete sich zu Wort. "Es ist beeindruckend, wie diese jungen Spieler die Vorgaben umsetzen, wie diszipliniert sie sind, wie sie - wie auch gegen Rumänien - kämpfen und wie viel Spielfreude sie zeigen", sagte er. "An so manchem Spieler werden wir bestimmt auch über die U21 hinaus noch unsere Freude haben."

Von einem "Auswärtsspiel" hatte Kuntz vor Anstoß gesprochen, gut 10.000 der 16.211 Zuschauer drückten den Rumänen die Daumen.

In der hitzigen Atmosphäre behielt das deutsche Team aber kühlen Kopf, ließ sich auf keine Scharmützel ein und hatte zunächst mehr vom Spiel. Allerdings fehlte es angesichts der 37 Grad Celsius auf beiden Seiten an Tempo.

Rumänien erwies sich als zäher, laufstarker und technisch versierter Gegner, der dem deutschen Team alles abverlangte. Schon nach 15 Minuten wurde das Spiel für eine Trinkpause unterbrochen, was dem DFB-Team gut tat.

Amiri zahlt Vertrauen zurück

Der in die Startelf gerückte Hoffenheimer Amiri marschierte nahezu ungestört durch das Mittelfeld, ließ sich auch von einem Trikotzupfer nicht stören und traf aus 17 Metern mit einem Flachschuss ins linke Eck. 

Amiri ersetzte Marco Richter, der dreimalige EM-Torschütze des FC Augsburg musste angeschlagen auf der Bank Platz nehmen.

Die Führung hielt allerdings nicht lange. Nach einem Foul von Timo Baumgartl an Ianis Hagi, Sohn von Fußball-Legende Gheorghe Hagi, ließ Schiedsrichter Orel Grinfeld aus Israel das Spiel zunächst laufen. Nach Ansicht der Videobilder entschied er aber doch auf Elfmeter, Puscas verwandelte mit etwas Glück.

Nübel erneut stark

Anschließend verlor das DFB-Team komplett die Kontrolle. Hinten häuften sich Fehler, vorne war nicht viel zu sehen. Ein unnötiger Ballverlust von EM-Debütant Maximilian Mittelstädt leitete den Rückstand ein. Jonathan Tah ließ Andrei Ivan flanken, in der Mitte kam Puscas gegen Baumgartl und Mittelstädt zum Kopfball.

Schalke-Schlussmann Alexander Nübel war ohne Chance, bewahrte sein Team aber wenig später vor dem 1:3.

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Erst zu Beginn des zweiten Durchgangs zeigte sich die deutsche Mannschaft wieder konzentrierter. Die Belohnung folgte prompt: Hagi riss Dahoud an der Strafraumgrenze zu Boden, Waldschmidt nahm das Geschenk dankend an und verwandelte vom Punkt. Anschließend lieferten sich beide Teams ein offenes, spannendes Duell auf Augenhöhe. Mit dem besseren Ende für die Deutschen.

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