Galerien>

Der Mythos Vierschanzentournee

1 / 54
Wer krönt sich diesmal zum König der Lüfte? Zum 71. Mal kämpfen die besten Skispringer der Welt vom 29. Dezember 2022 bis 6. Januar 2023 in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen um den Tourneesieg
Zum Auftakt der Vierschanzentournee wirft SPORT1 einen Blick zurück - und zeigt, wie der Mythos der legendären Veranstaltung entstand
1953 wird die Vierschanzentournee zum ersten Mal ausgetragen - zum einzigen Mal innerhalb eines Jahres vom 1. bis 11. Januar. Danach dauert die Tournee immer vom 30. Dezember bis 6. Januar
Helmut Recknagel (l.) ist der erste deutsche Skispringer, der die Tournee gewinnt
Bei seinem ersten Sieg 1958 ist sein Autogramm heiß begehrt. Auch 1959 und 1961 gewinnt Recknagel den prestigeträchtigen Wettbewerb
In den 60er-Jahren springt man noch waghalsig mit den Armen nach vorne gestreckt, so wie hier Max Bolkart
Der in Oberstdorf geborene Bolkart gewinnt die Tournee im Winter 1959/60
Die Anlage in Oberstdorf Mitte der 60er-Jahre
Der Norweger Björn Wirkola (r.) gewinnt Ende der 60er die Tournee drei Mal hintereinander
Die 80er-Jahre werden geprägt vom Duell des Finnen Matti Nykänen (Bild) mit Jens Weißflog aus dem sächsischen Oberwiesenthal. Nykänen gewinnt 1983 und 1988
Nykänen (l.) macht aber auch abseits der Schanzen Schlagzeilen - meist negative. Er verfällt dem Alkohol und wird wegen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe verurteilt
Jens Weißflog gewinnt in den 80ern ebenfalls zwei Mal die Tournee-Wertung. In den 90er-Jahren versucht der "Floh vom Fichtelberg", seine dritte Vierschanzentournee erst noch im Parallelstil zu gewinnen
Doch der V-Stil wird immer populärer, sodass auch Weißflog nicht daran vorbeikommt. Er packt die Umstellung auf die neue Technik und gewinnt die Tournee noch zwei Mal (1991 und 1996)
Der inzwischen verstorbene Skisprung-Trainer Reinhard Hess (l.) bespricht sich 1995 mit Schützling Weißflog
Bei der Materialpflege packt der viermalige Tournee-Sieger selbst mit an
Ein Skispringer, den man nicht vergisst: Michael Edwards, besser bekannt als "Eddie the Eagle" ist jahrelang Englands Skispringer Nummer eins
Für seine Flugkünste ist er aber nicht gerade berühmt - die sind nämlich eher beschränkt
Georg Thoma gewinnt in den 60er-Jahren viele Springen, aber nie die Tournee
Sein Neffe Dieter Thoma macht es da besser: 1989/90 holt er sich die Tournee-Wertung
In den 90ern sieht es auch in Oberstdorf schon wesentlich moderner aus
Die Pressegespräche werden beim Skispringen - wie hier mit Weißflog (r.) - gleich neben dem Bakken gemacht
Einer, den man in der Geschichte der Vierschanzentournee unbedingt erwähnen muss, ist Janne Ahonen: Zwischen 1998 und 2008 steht der Finne fünf Mal und damit öfter als jeder andere Springer auf Platz eins der Gesamtwertung
Ebenfalls einer der Besten und Beständigsten der Szene ist lange Zeit Adam Malysz. Zum großen Wurf bei der Vierschanzentournee reicht es aber nur einmal (2000/01)
Bei der 50. Ausgabe in der Saison 2001/02 gelingt Sven Hannawald das Meisterstück
Er gewinnt als erster Springer überhaupt alle vier Springen in einer Tournee. Da zieht sogar der damalige Bundestrainer Reinhard Heß den Hut
Hannawald schreibt damit Geschichte und wird vor allem von den weiblichen Fans wie ein Superstar gefeiert
Im Jahr 2006 gibt es erneut ein Novum: Das erste Mal überhaupt in der Geschichte der Tournee gibt es zwei Sieger, die genau dieselbe Punktzahl in der Gesamtwertung haben. Jakub Janda (Tschechien) und Janne Ahonen (rechts, Finnland) teilen sich also den ersten Platz
Der lange Zeit letzte Deutsche, der es nach den vier Springen auf das Treppchen schafft, ist Michael Neumayer in der Saison 2007/08
Im selben Jahr wird auch erstmals in der Geschichte der Vierschanzentournee ein Springen komplett abgesagt. In Innsbruck kann wegen eines Föhnsturms nicht gesprungen werden, der Wettkampf wird am 5. Januar in Bischofshofen nachgeholt. Da die Tournee damit erstmals nur auf drei Schanzen, wenn auch mit vier Springen, ausgetragen wird, nennt man die Tournee scherzhaft schon die "Dreischanzentournee"
In den folgenden zwei Jahren gewinnen mit den Österreichern Wolfgang Loitzl (l.) und Andreas Kofler (Mitte) nicht die ausgemachten Favoriten
Bei der Tournee 2010/11 macht Thomas Morgenstern den Hattrick für Österreich perfekt. Mit seinem Auftaktsieg in Oberstdorf legt der spätere Gesamtsieger den Grundstein für den Erfolg. Auch in Innsbruck siegt Morgenstern
In der Liste aller Springer, die auf jeder der vier Schanzen mindestens einmal gewinnen können, steht mit Schlierenzauer nur noch ein derzeit aktiver Springer. Rang eins dieser Tabelle teilen sich der Norweger Björn Wirkola und Skisprung-Ikone Jens Weißflog, Ahonen ist Dritter
Im Winter 2012/13 können sich die deutschen Skispringer endlich wieder einmal berechtigte Hoffnungen auf den ersten Gesamtsieg seit Hannawalds Coup 2002 machen. Severin Freund geht als Weltcup-Zweiter ins Auftaktspringen in Oberstdorf ...
Doch die Tournee entwickelt sich zum Duell der beiden Überflieger Gregor Schlierenzauer und Anders Jacobsen. Beide teilen die Siege unter sich auf. Der Norweger gewinnt die ersten beiden Stationen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen, der Österreicher in Innsbruck und Bischofshofen
Am Ende gewinnt Schlierenzauer die Tournee mit einem knappen Vorsprung vor dem Norweger. Es ist sein zweiter Gesamtsieg bei der Tournee
Zum Auftakt der Ausgabe 2013/14 gibt es gleich ein vielbeachtetes Comeback: "Eddie the Eagle" springt auf einer kleinen Schanze gegen Kinder. Die dicke Brille von früher ist inzwischen überflüssig: Der kurioseste Skispringer aller Zeiten ließ sich die Augen lasern
Simon Ammann, der bis dahin noch nicht überzeugt hat, verzückt die Skisprung-Welt und sichert sich den Sieg in Oberstdorf
Noch überraschender ist dieser Rookie. Thomas Diethart springt bei seinem dritten Weltcupeinsatz gleich aufs Podium. Er wird hinter Ammann und Anders Bardal Dritter
Beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, dem traditionsreichsten Springen des Weltcupkalenders, setzt der Österreicher noch einen drauf: Diethart siegt und übernimmt die Spitze in der Gesamtwertung. Das Schwein in seiner Hand entwickelt sich zum Kultobjekt - sein Vater streichelt es vor jedem Sprung des Sohnemannes
"Adieu" sagt einer der ganz Großen im Skispringen: Martin Schmitt verabschiedet sich mit dem 27. Rang von der Skisprung-Bühne und beendet seine Karriere
Seine ambitionierten Teamkollegen um Severin Freund enttäuschen bei der Tournee. In Innsbruck verpasst Freund sogar den zweiten Durchgang und fällt weit zurück. Bester Deutscher wird am Ende Andreas Wellinger auf Rang zehn
Geschichte schreibt ein anderer: Diethart holt in Bischofshofen seinen zweiten Einzelsieg bei der Tournee und sichert sich damit auch den Gesamtsieg
Im nächsten Jahr strahlt zumindest in Innsbruck ein Deutscher: Richard Freitag siegt auf der 	Bergiselschanze. Doch in der Gesamtabrechnung schafft es wieder einmal kein Deutscher auf das Podest
Geschichte wiederholt sich nicht? Von wegen! Ein Jahr nach dem Triumph von Diethart verblüfft erneut ein österreichischer Senkrechtstarter die Experten. Stefan Kraft gewinnt zuerst das Auftaktspringen in Oberstdorf und holt sich dann auch den Tourneesieg
Doch irgendwann muss es auch einmal gut sein mit der Dominanz der Österreicher. In der Saison 2015/16 lässt Severin Freund endlich einmal alle Springer aus dem Nachbarland hinter sich - doch zu Platz eins reicht es dennoch nicht
Denn ein Springer ist noch besser als der Deutsche: Der Slowene Peter Prevc gewinnt gleich drei Springen und holt sich verdient den Gesamtsieg. Nur Wind-Pech in Oberstdorf verhindert wohl, dass er Hannawalds Kunststück von 2002 wiederholt
Im Januar 2017 nimmt der Pole Kamil Stoch die Trophäe für den Gesamtsieg in Empfang. Mit einem Sieg in Bischofshofen zieht er noch am Norweger Daniel Andre Tande vorbei, der am Ende hinter Stochs Landsmann Piotr Zyla Dritter in der Gesamtwertung wird
Bei der Ausgabe 2017/18 glauben die deutschen Fans fest an den ersehnten Tourneesieg, schließlich gehen Richard Freitag (l.) und Andreas Wellinger (r.) als Erster und Zweiter des Gesamt-Weltcups in Oberstdorf an den Start
Doch schon auf der ersten Station macht erneut Kamil Stoch den Gastgebern einen Strich durch die Rechnung: Der Pole gewinnt aber nicht nur in Oberstdorf, sondern auch in Garmisch-Partenkirchen ...
... genauso wie in Innsbruck und, ja, tatsächlich auch in Bischofshofen: Als erst zweitem Springer in der Tourneegeschichte gelingt Stoch damit der Grand Slam
Einer der ersten Gratulanten: der bis dahin einzige Vierfach-Sieger Sven Hannawald (r.). Der elitäre Kreis besteht nun also aus zwei Springern
Aber das Duo Hannawald/Stoch muss nur ein Jahr auf das nächste Mitglied warten. Bei der Vierschanzentournee 2018/19 gelingt dem Japaner Ryoyu Kobayashi ebenfalls das Kunststück, alle vier Springen zu gewinnen
Nach dem letzten Springen in Bischofshofen liegt der Japaner über 32 Punkte vor dem Zweitplatzierten Markus Eisenbichler und krönt damit eine überragende Saison. Am Ende des Winters triumphiert er auch noch im Gesamtweltcup - mit über 700 Punkten Vorsprung auf Stefan Kraft
Nach dem polnischen Double von Dawid Kubacki (2019/20) und Kamil Stoch (2020/21) wäre der Japaner fast zu einem erneuten Eintrag in die Geschichtsbücher gesprungen. Bei seinem zweiten Triumph endete seine Siegesserie erst im letzten Springen in Bischofshofen. Dem knappen Verpassen seines zweiten Grand Slams bei der Vierschanzentournee tat die Freude über den Erfolg keinen Abbruch.
Der Mythos Vierschanzentournee
Wer krönt sich diesmal zum König der Lüfte? Zum 71. Mal kämpfen die besten Skispringer der Welt vom 29. Dezember 2022 bis 6. Januar 2023 in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen um den Tourneesieg
@Getty Images
AUCH INTERESSANT