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DFB vs. Türkei: Der Kampf um die Deutsch-Türken im Fußball

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Nachdem sich zuletzt SUAT SERDAR für die deutsche Nationalmannschaft entschieden hatte, debütierte ein deutsch-türkischer Mannschaftskollege vom FC Schalke 04 nun für die Türkei in der EM-Qualifikation
Der in Gelsenkirchen geborene AHMED KUTUCU stand beim 2:0-Sieg in Andorra in der Startelf der Türken, war aber an keinem Tor direkt beteiligt und wurde kurz vor Schluss ausgewechselt
Durch den Pflichtspieleinsatz in der EM-Quali ist nun klar, dass das 19 Jahre alte Knappen-Talent nur noch für die türkische Nationalmannschaft spielberechtigt ist. Ein Wechsel zum DFB-Team ist ausgeschlossen, was den türkischen Nationaltrainer Senol Günes freuen wird. Denn Serdars Entschluss für das DFB-Team hatte ihn erzürnt….
Günes hat mit Verwunderung auf die Nominierung von SUAT SERDAR für die deutsche Nationalmannschaft reagiert. "Wir respektieren, dass er für Deutschland spielen will, aber er hätte es offen sagen sollen", sagte Günes vor den EM-Qualifikationsspielen der Türkei gegen Albanien und Frankreich
Serdar, der türkische Wurzeln hat, wurde in Bingen am Rhein geboren und durchlief alle Junioren-Nationalmannschaften des DFB. Dennoch hatte der türkische Fußballverband TFF bis zuletzt darauf gehofft, dass sich der Mittelfeldspieler von Schalke 04 im Senioren-Bereich für die türkische Auswahl entscheidet
"Allein wegen Suat Serdar war ich dreimal bei Schalke 04 im Stadion", sagte der 67-jährige Günes. "Es hat Gespräche mit seiner Familie gegeben." Zudem sei gesagt worden, dass der 22-Jährige nicht für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen werde
Serdar ist in Folge mehrerer verletzungsbedingter Absagen am Sonntag von Bundestrainer Joachim Löw für das Länderspiel gegen Argentinien am Mittwoch sowie das EM-Qualifikationsspiel in Estland am Sonntag nachnominiert worden
Serdar ist nicht der erste Deutsch-Türke, um den die beiden Verbände sich zanken. Immer wieder mussten sich Top-Fußballer mit Bezug zu beiden Ländern entscheiden - und immer wieder handelten sie sich Anfeindungen ein. SPORT1 blickt zurück
MUSTAFA DOGAN war der erste Spieler, der sich zwischen Deutschland und der Türkei entscheiden musste. Ab 1996 spielte er für die deutsche U21, 1999 berief der damalige Nationaltrainer Erich Ribbeck den Verteidiger von Fenerbahce Istanbul in das DFB-Team
Dogan machte nur zwei Länderspiele, eines gegen die Türkei. Er wurde dabei von den türkischen Fans ausgepfiffen - und nahm es ihnen nicht krumm: "Die Fans waren enttäuscht, dann wird einer eingewechselt, der auch für die Türkei hätte spielen können. Da ist die Reaktion doch verständlich"
Auch YILDIRAY BASTÜRK hat einen deutschen und türkischen Pass. Kurz vor der Jahrtausendwende entschied sich der in Herne geborene Regisseur, damals in Diensten des VfL Bochum, für die "Ay-Yıldızlılar" (dt.: "Halbmond-Sterne"). Für die Türkei absolvierte Bastürk 49 Länderspiele und erreichte Platz drei bei der WM 2002
HAMIT (M.) und HALILI ALTINTOP (r.) waren damals wohl die bekanntesten Deutsch-Türken im Fußball. Die beiden gebürtigen Gelsenkirchener wurden bei Schalke 04 und Kaiserslautern zu Bundesligaspielern und waren auch beim DFB begehrt. Letztlich setzten die beiden Zwillinge aber ihre Karriere in den türkischen Auswahlteams fort und kommen auf zusammen 120 Länderspiele
Warum die Türkei und nicht Deutschland? Hamit Altintop hat da eine klare Überzeugung: "Es heißt doch 'Länder'-Spiel, man hört die Hymne, und da spielt man doch für das Land, dem man sich zugehörig fühlt. Ich bin Deutschland sehr, sehr dankbar, ich habe hier sehr viel gelernt und sehr viele Chancen bekommen. Aber meine Mama kommt aus der Türkei, mein Vater kommt aus der Türkei, ich bin Türke"
Mit gerade einmal 16 Jahren startete NURI SAHIN schon 2005 in der Bundesliga für Borussia Dortmund durch. Um sich das Riesentalent fest zu sichern, lud ihn die Türkei auch sofort zu einem Länderspiel ein
In einem Testspiel - ausgerechnet gegen Deutschland - wurde Sahin kurz vor Schluss eingewechselt und traf sogar noch zum 2:0-Endstand. Für die Türkei lief der Mittelfeldspieler bislang 50-mal auf
Als der Stern von MESUT ÖZIL 2006 aufging, buhlte die Türkei mit Trainer Fatih Terim um den deutschen U21-Nationalspieler. Özil aber entschied sich jedoch für den DFB und gab 2007 seinen türkischen Pass ab, wurde dafür von türkischen Fans als "Vaterlandsverräter" und Schlimmeres beleidigt
Özils Antwort: Er habe nun einmal zwei Vaterländer, "das verdeutlicht die Globalisierung des Fußballs". Özil entwickelte sich bekanntlich zu einem der wichtigsten DFB-Spieler überhaupt, wurde Weltmeister - und trat unter großem Brimborium zurück. Unter anderem warf er dem DFB Rassimus vor
2008 wurde ÖMER TOPRAK mit der deutschen U19-Nationalmannschaft Europameister. Der in Ravensburg geborene Innenverteidiger stand vor einer großen Karriere. Ein schwerer Kart-Unfall warf ihn zurück, er kämpfte sich zurück - und entschied sich 2011 für eine Nationalmannschaftskarriere mit der Türkei
Toprak hatte bis dahin gar keinen türkischen Pass und war "selber überrascht", wie schnell er ihn dann bekam. Kritik an seiner Entscheidung konterte er: "Integration bedeutet doch nicht, dass ich unbedingt Deutscher sein muss." Er werde es "nie beiden Seiten recht machen können. Nur mir selber"
SERDAR TASCI, der aufgrund seiner türkischen Abstammung sowohl für die deutsche als auch für die türkische Nationalmannschaft spielberechtigt gewesen wäre, entschied sich im Oktober 2006 – trotz heftigen Werbens des türkischen Verbandes – für eine Laufbahn im DFB-Team
Am 16. August 2007 wurde er erstmals ins Aufgebot der deutschen A-Nationalmannschaft berufen. Der damalige Verteidiger des VfB Stuttgart kam gegen England am 22. August 2007 aber nicht zum Einsatz. Sein Debüt feierte er erst ein Jahr später, am 20. August 2008, beim Testspiel gegen Belgien (2:0). 14 Mal spielte er für die DFB-Auswahl
Auch um die Dienste von HAKAN CALHANOGLU stritten sich der DFB und der türkische Verband leidenschaftlich. Der Mittelfeldspieler spielte seit der U16 für die Türkei und blieb dieser trotz doppelter Staatsbürgerschaft treu
"Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen", hielt Calhanoglu nach seinem endgültigen Entschluss 2013 fest: "Ich bin in Mannheim geboren, in Deutschland aufgewachsen. Aber der türkische Nationaltrainer Fatih Terim hat sich sehr um mich bemüht
ILKAY GÜNDOGAN ist einer der wenigen Deutsch-Türken, die sich für eine Karriere beim DFB entschieden haben. 2011 gab der damals 21-Jährige sein Debüt für die deutsche A-Nationalmannschaft
"Meine Art, Fußball zu spielen, ist von der deutschen Ausbildung geprägt, von deutschen Tugenden, wie es oft heißt", begründete der gebürtige Gelsenkirchener seine Entscheidung: "Deshalb kam es für mich nie in Frage, für ein anderes Land zu spielen"
Verständnis erntete Gündogan dafür in der Heimat seiner Familie auch nicht uneingeschränkt: "Ich wurde im Internet und auf der Straße von Fremden als Verräter beleidigt. Es waren auch schlimmere Sachen dabei", berichtete der heutige ManCity-Star
Gemeinsam mit Gündogan durchlief MEHMET EKICI mehrere deutsche Junioren-Nationalmannschaften. Der gebürtige Münchner wechselte 2010 allerdings den Verband, mittlerweile hat der Mittelfeldspieler von Fenerbahce zwölf Länderspiele für die Türkei absolviert
Nach 22 Einsätzen für die deutsche U17 stellte sich bei EMRE CAN 2011 die Frage, ob er dem Werben der Türkei erliegen und seinen türkischen Wurzeln folgen soll. Das damalige Bayern-Talent entschied sich jedoch für den DFB und gab 2015 sein Länderspieldebüt für das DFB-Team
"Mein Ziel war es immer, einmal in der deutschen A-Nationalmannschaft zu spielen", erklärte Can seinen Entschluss für Deutschland: "Ich bin genauso Türke, wie ich auch Deutscher bin"
CENK TOSUN durchlief alle deutschen Junioren-Nationalmannschaften und schoss in 29 DFB-Einsätzen 13 Tore. Trotzdem entschied sich der in Wetzlar geborene Stürmer am 25. Februar 2011 gegen Deutschland. Seitdem kam der Deutsch-Türke vom FC Everton 37 Mal zum Einsatz und erzielte 13 Tore
Ein weiteres Beispiel für einen späten Verbandswechsel ist YUNUS MALLI. Als Sohn türkischer Eltern absolvierte der jetzige Wolfsburger insgesamt 43 Einsätze für deutsche Junioren-Nationalmannschaften
Das Werben der Türkei hatte jedoch Erfolg, 2015 debütierte er im Länderspiel gegen Katar für den TFF. "Es war eine Entscheidung des Herzens", sagte Malli: "Vorher habe ich bei jedem Länderspiel vor dem Fernseher mitgefiebert, plötzlich konnte ich selbst Teil davon sein"
KAAN AYHAN wusste wohl nicht so recht, für wen er spielen soll, wenn man sich seine Einsätze in der Junioren-Zeit genauer anschaut: Der Abwehrchef von Fortuna Düsseldorf lief sechs Mal für die deutsche U16 auf, zwei Mal für die türkische U17 sowie 20 Mal für die deutsche U17, zwei Mal für deutsche U18 und acht Mal für die türkische U21, ehe er sich final für ein Land entscheiden musste
Den Zuschlag erhielt die türkische A-Nationalmannschaft und nicht das DFB-Team. Am 31. August 2016 debütierte der gebürtige Gelsenkirchener für die Türkei gegen Russland im Freundschaftsspiel
KEREM DEMIRBAY sorgte beim türkischen Fußball-Verband wie zur Zeit Suat Serdar für große Verwunderung, als der damalige Hoffenheimer 2017 plötzlich umschwenkte und sich gegen die Türkei entschied
Demirbay erklärte damals in einem Schreiben, das der TTF-Verband auf seiner Homepage veröffentlichte, er wolle künftig für die Türkei auflaufen. Am Mittwoch darauf erfolgte dann die Kehrtwende
Er wollte nur "prüfen, ob für mich überhaupt die Möglichkeit bestand, für die Türkei zu spielen". Er habe "das Schreiben dann leichtsinnigerweise ohne inhaltliche Prüfung unterschrieben", erklärte Demirbay über seine Berateragentur. "Ich bin ausschließlich deutscher Staatsbürger"
Sein A-Länderspieldebüt für das DFB-Team gab der heutige Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen am 6. Juni beim 1:1 im Testspiel gegen Dänemark, nachdem ihn Bundestrainer Joachim Löw zuvor auch in den deutschen Kader für den Confederations Cup 2017 berufen hatte
Im dritten Vorrundenspiel des Konföderationen-Pokals folgte mit dem zweiten DFB-Einsatz das erste Pflichtspiel, als er gegen Kamerun in der Startelf stand und kurz nach der Pause mit dem 1:0 sein erstes Länderspieltor erzielte. Er blieb zwar ohne weiteren Einsatz, gewann am Ende aber das Turnier zusammen mit der deutschen Nationalmannschaft
DFB vs. Türkei: Der Kampf um die Deutsch-Türken im Fußball
Nachdem sich zuletzt SUAT SERDAR für die deutsche Nationalmannschaft entschieden hatte, debütierte ein deutsch-türkischer Mannschaftskollege vom FC Schalke 04 nun für die Türkei in der EM-Qualifikation
@Getty Images
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