Galerien>

Formel 1: SPORT1-Kolumne von Peter Kohl

1 / 20
SPORT1-Kolumnist Peter Kohl beleuchtet den Saisonstart der Formel 1 in Melbourne. Er nennt Gewinner und Verlierer des ersten Rennens
TOP - MERCEDES: Im Rausch der Titelgewinne wurden die Beine nicht hochgelegt. Verdienter Lohn mit Doppel-Pole und Doppelsieg. Die Dominanz kann man ihnen nicht anlasten, sie haben schlichtweg seriös weiterentwickelt auf einer gesunden Basis
LEWIS HAMILTON: Cool, cooler, Ham. Super sauberes Wochenende vom Titelverteidiger. Im Stile eines echten Champions
FERRARI: Das große Aufräumen im Mitarbeiterstab zeigt Wirkung. Der Antriebsstrang ist stark verbessert, die Aerodynamik scheint zu funktionieren. Es weht ein frischer Wind in Maranello. Noch ist  es aber kein Sturm, der Mercedes weg weht
SEBASTIAN VETTEL: Sein Rennstart war nicht das Gelbe vom Ei, aber wie er sich im roten Gewand gibt, die Leader-Rolle ausfüllt, das Team mitzieht, das lässt sich gut an. Dank besserer Reifenstrategie an Massa vorbei gekommen, das gesamte Wochenende über schneller als Kimi Räikkönen. Platz 3 ist ein verdienter Lohn
KIMI RÄIKKÖNEN: Er spricht über Boxenfunk, er lacht und macht Jokes im Fahrerlager. Der Finne wirkt wie von Fesseln befreit und seine Leistung im Rennen bis zu seinem Ausfall gibt durchaus Anlass zu glauben, dass er Podest-Plätze aus eigener Stärke holen kann in dieser Saison. Dank seiner Weitsicht Ferrari-Crash-Chaos in Kurve 1 vermieden. Schuldlos an der Boxenpanne
SAUBER: Nur elf Autos im Ziel, das hat natürlich geholfen, aber der C34 scheint gelungen zu seien. Fahrbarkeit und Aerodynamik sind um Welten besser, das Team aus Hinwil ist wieder voll konkurrenzfähig im Kampf um WM-Punkte. Eine bemerkenswerte Entwicklung, wenn man bedenkt, in welch finanzieller Drucksituation die Schweizer sich bewegen
LOTUS: In Enstone hat sich eine Menge zum Guten gewendet. Eine klare Steigerung, der neue Mercedes-Antriebsstrang beflügelt, Punkte wären garantiert gewesen im Rennen. Der Doppel-Ausfall war echtes Pech
DIE ROOKIES: Chapeau dafür, wie sich Felipe Nasr (Bild), Carlos Sainz jr. und Max Verstappen geschlagen haben bei ihrem ersten F1 Start. Sie haben gezeigt, dass sie nicht nur wegen der mitgebrachten Kohle ( im Falle Nasr ) oder der klangvollen Namen ihrer Väter in die Königsklasse aufgestiegen sind, sondern dass da auch grundlegendes Talent vorhanden ist
JENSON BUTTON: Der Typ ist einfach genial. Wie er mit dem Warmluftgebläse des McLaren Honda rundenlang Perez geärgert hat, war überragend, wenn auch der Crash dann unnötig war, da hat er es ein bisschen übertrieben. Stellt sich vehement vor das Team um die lautstarke Kritik abzufedern und verkauft den japanischen Reiskochererhitzer im Heck seines Autos sogar noch als den Zukunft bringenden genialen Ingenieurswahnsinn. Für die Truppe aus Woking ist er einfach unbezahlbar
DESIGN: Den neuen Vorgaben sei Dank, die F1-Boliden schauen um Welten besser aus, die Fahrzeugnasen sind keine Hubbel-Zinken mehr, und auch das Sound-Design bei Mercedes und Ferrari ist eine Wohltat für die Ohren nach den akustischen Rohrkrepierern des Vorjahres
SO LALA - FORCE INDIA: Nach nur 2,5 Testtagen trotzdem mit Standfestigkeit beide Autos in die Punkte zu bringen ist in Ordnung, aber im Freien Training war zu sehen, dass es diesmal keine Top 10 Resultate in Serie in der ersten Saisonhälfte geben wird aus eigener Kraft. Vom Leistungsniveau eindeutig hinter Sauber und Toro Rosso sowie wohl auch Lotus zurückgefallen
FELIPE MASSA: Platz 4, das ist das, was man mit einem Williams derzeit herausholen muss, so wie das Rennen gelaufen ist. Es war aber auch nicht mehr
NICO ROSBERG: Vielen Ankündigungen ließ er wenige Taten folgen, war gegen Teamkollege Hamilton chancenlos. Da muss deutlich mehr kommen, wenn er wirklich Champion werden will
MANOR-MARUSSIA: Aus dem Nichts auferstanden und anwesend in Australien. Das ist überaus respektabel. Das etwa Roberto Merhi noch keinen Meter mit dem Auto fahren konnte, ist dagegen eine Posse, die der Formel 1 nicht guttut
MONISHA KALTENBORN: Als Teamchefin trägt sie die Verantwortung. Und deshalb muss sie auch den Kopf hinhalten für den Vertragswahnsinn rund um Giedo van der Garde. Eine unfassbare Posse, die das von Peter Sauber über zwei Jahrzehnte so seriös und sympathisch aufgebaute positive Image in kürzester Zeit in den Dreck gestampft hat. Kaltenborn muss ihren Hut nehmen und gehen. Alles andere ist eigentlich nicht akzeptabel
MCLAREN-HONDA: Nach über einem Jahr Vorbereitungszeit ein solches Debakel. Das schmeckt wie Leberkäs mit süßer Sahne. Die vollmundigen Ankündigungen im Vorfeld klingen derzeit wie glatter Hohn. Ich bin gespannt, wie lange Ron Dennis das aussitzen darf
RENAULT: Quelle domage, quelle blamage! In Sachen Antriebsstrang-Verbesserung klar hinter Ferrari zurück geblieben. Die Allianz mit Red Bull ist  stark gefährdet, das riecht wie ranziger Camembert. Der Ruhm der acht  gewonnenen WM-Titel bei den Konstrukteuren und in der Fahrerwertung mit den Bullen ist verblasst, der Ist-Zustand erregt derzeit eher Mitleid statt Respekt
FEHLENDE STANDHAFTIGKEIT: Das Ausfall-Festival, das aufgrund der neu eingeführten Technik beim Saisonstart 2014 erwartet worden war, hat mit einjähriger Verspätung den Rennbetrieb diesmal beinahe lahm gelegt. So macht das keinen Spaß, wenn die Kisten schon beim Weg in die Startaufstellung auseinanderbröseln. Wie etwa bei Magnussen (Foto), der es mit seinem McLaren nicht einmal bis zum Start schaffte
BOXENSTOPPS: Da scheinen einige Crews im Winter eingerostet zu sein! Dringender Übungsbedarf war offensichtlich. Wie unter anderem die Boxenpanne beim Reifenwechsel von Räikkönen gezeigt hat. Generell war das Rennen, was die Spannung anging, sicher kein Burner. Aber das kann sich in knapp zwei Wochen in Malaysia schon wieder grundlegend ändern. Ich freue ich jedenfalls tierisch auf Sepang.
Bis dahin: Pedal To The Metal. Ihr Peter Kohl
Formel 1: SPORT1-Kolumne von Peter Kohl
SPORT1-Kolumnist Peter Kohl beleuchtet den Saisonstart der Formel 1 in Melbourne. Er nennt Gewinner und Verlierer des ersten Rennens
@SPORT1-Grafik mit Bild von Getty
AUCH INTERESSANT