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Franck Ribéry: Lebensdrama, Karriere, FC Bayern, Erfolge, Skandale

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Vor zwölf Jahren trat ein Spieler auf die Bühne der Bundesliga, der diese prägen sollte wie wenig andere: Franck Ribéry absolvierte sein erstes Liga-Spiel für den FC Bayern (3:0 gegen Hansa Rostock)
Inzwischen ist die Münchner Ära Ribéry beendet. SPORT1 blickt auf die bewegte Laufbahn des Franzosen zurück - eine Karriere mit viel sportlichem Glanz, aber auch einigen Dramen und Skandalen
Der junge, 21 Jahre alte Franck Henry Pierre Ribéry 2004 beim FC Metz in Frankreich. Zu diesem Zeitpunkt hatte der in Boulogne-sur-Mer in Nordfrankreich geborene Mittelfeldspieler schon einiges hinter sich: Seinen ersten Klub Lille muss er als Jugendlicher wegen Schulproblemen verlassen
Danach führt ihn eine Odyssee durch unterklassige Vereine. Kurzzeitig verdingt sich Ribéry sogar als Bauarbeiter, um seinen Lebensunterhalt zu sichern - bevor er vergleichsweise spät den ersten Profivertrag in Metz unterschreibt und durchstartet
Sein größtes Lebensdrama erlebte Ribéry schon im Alter von zwei Jahren: Bei einem Autounfall zog er sich schwere Schnittverletzungen im Gesicht zu, die Narben blieben
In Metz legte Ribéry einen steilen Aufstieg hin, wurde Dreh- und Angelpunkt seines Teams, gab die meisten Torvorlagen, verdiente sich auch die Berufung ins U21-Nationalteam Frankreichs. Der FC Metz wurde da schnell zu klein für das große Talent, schon nach einem halben Jahr zog er weiter
Für eine Ablöse von fünf Millionen Euro wechselte Ribéry 2005 in die Türkei zu Galatasaray Istanbul und wurde schnell zum Stammspieler
Mit Gala holte er auch gleich seinen ersten Titel, den türkischen Pokal. Das Finale 2005 gewann Gala deutlich mit 5:1 gegen den Stadtrivalen Fenerbahce, Ribéry erzielte ein Tor
Doch in Istanbul gab es letztlich Ärger mit den Verantwortlichen, Ribéry zog zu Beginn der Saison 2005/06 weiter zu Olympique Marseille. Zurück in Frankreich reifte das Mittelfeld-Ass rasch zum Führungsspieler heran und zog mit Marseille in den UEFA-Pokal ein
Aufgrund seiner Schnelligkeit, Spielübersicht und Torgefährlichkeit wurde Ribéry im Mai 2006 in die französische Nationalmannschaft berufen. Bei der WM 2006 in Deutschland im Achtelfinale gegen Spanien sorgte er erstmals auf der Weltbühne für Aufsehen
Nach einem tollen Solo erzielte er sein erstes Tor für die Équipe Tricolore. Die marschierte bis ins Finale
Zusammen mit einem gewissen Zinedine Zidane griff Ribéry in Berlin vergeblich nach der frühen Krönung: Im Endspiel gegen Italien wurde er in der Verlängerung ausgewechselt und musste dann sowohl bei Zidanes Kopfstoß-Rot gegen Marco Materazzi und beim verlorenen Elfmeter-Drama zusehen
Die herausragenden Leistungen bei der WM blieben auch europäischen Spitzenklubs nicht verborgen. Im Juni 2007 schlug der FC Bayern zu. Für den damaligen Vereinsrekord von 25 Millionen Euro lotsten die Münchner Ribéry an die Isar
Gleich bei seiner ersten Teampräsentation tat sich Ribéry mit Späßchen hervor. Dem Ruf als humorvoller "Filou", der es versteht, die Atmosphäre im Team aufzulockern, blieb er treu - ebenso aber auch seinem Ruf, dass er sein Temperament in schlechten Momenten nicht immer unter Kontrolle hat
Ribéry war Teil einer großen Transfer-Offensive, die Bayern nach einer längeren Durststrecke wieder für internationale Titel rüsten sollte - auch die mit ihm verpflichteten Miroslav Klose (l.) und Luca Toni sollten dabei mithelfen
Mit nach München brachte Ribéry auch die Liebe seines Lebens, seine in Algerien geborene Frau Wahiba. Die beiden kennen sich seit ihrer Jugendzeit, haben mittlerweile zwei Töchter und zwei Söhne - sie verzieh ihm auch eine berühmte Affäre, von der hier noch zu reden sein wird ...
Unter Trainer Ottmar Hitzfeld wurde Ribéry gleich zum Leistungsträger und gewann in seiner ersten Saison das Double
Ribéry erzielte elf Treffer in der Liga und drei Tore im UEFA-Pokal, in der die Bayern das Halbfinale erreichten. Am Saisonende wurde der Ballkünstler zum Fußballer des Jahres in Deutschland und Frankreich erkoren. Auch die Vereinigung der Vertragsfußballer ernannte ihn zum Spieler der Saison
Die Zeit unter Hitzfelds Nachfolger Jürgen Klinsmann war nicht nur für die Bayern quälend. Auch Ribéry kam nicht an seine Leistungen des Vorjahres heran und erlebt eine eher schwächere Spielzeit, in er jedoch immerhin neun Tore erzielte
In der Saison 2009/10 lief es unter Trainer Louis van Gaal schon wieder besser für die Bayern: Die beiden eigenwilligen Charaktere wussten einander zu nehmen. Wichtig auch: Die Münchener holten einen zweiten Weltklasse-Flügelspieler, der Alleinunterhalter Ribéry offensiv entlastete und die Mannschaft weniger berechenbar machte
Der bei Real Madrid faktisch ausgebootete Arjen Robben schloss sich den Bayern an, bei dessen erster Trainingseinheit trafen die beiden neuen Flügelpartner direkt aufeinander. Der Beginn einer wunderbaren Partnerschaft, von den Medien wahlweise "Robbery" oder "Rib und Rob" genannt
Beinahe wäre es zu dieser Partnerschaft nie gekommen: Ribéry verkündete im Sommer 2009 in einer französischen Zeitschrift schon "Ich will weg", visierte einen Wechsel zu Real Madrid an, Bayern aber ließ ihn trotz intensiven Werbens nicht ziehen - und Ribéry erklärte hinterher, er sei falsch zitiert worden
Am Ende der Saison sackte Ribéry mit Bayern wieder die Meisterschaft und auch den DFB-Pokal ein. Schon damals war der Rekordmeister nah am Triple, verlor dann aber das Champions-League-Finale gegen José Mourinhos Inter Mailand
Abseits des Platzes verlief das Jahr für Ribéry turbulent: Er wurde in Frankreich angeklagt, Sex mit einer minderjährigen Prostituierten gehabt zu haben. Ribéry bestritt das nicht, sagte aber, dass er das mit der Minderjährigkeit nicht wusste - wurde letztlich dann auch freigesprochen
Die Affäre um die mittlerweile als Model arbeitende Zahia Dehar beschäftigte am Ende nicht nur Polizei und Boulevard: Weil Bayern sich in dem Skandal konsequent hinter Ribéry stellte, während Wunschverein Real auf Distanz gegangen sein soll, änderten sich die Zukunftsplanungen von Ribéry
Ribéry entschloss sich, auf der Double-Feier 2010 die unsterblichen Worte zu verkünden: "Isch abe gemacht fünf Jahre mehr!" Seine Transfer-Pläne waren ad acta gelegt, Ribéry war endgültig bei Bayern angekommen
Ein Schlüssel für das gemeinsame Glück: Ribéry und Klubpatriarch Uli Hoeneß verstanden und verstehen sich blendend - immer hatte Hoeneß ein offenes Ohr für den sensiblen Star und sprang ihm auch öffentlich zur Seite, wenn der sich gerade ungerecht behandelt fühlte
Zur Ruhe kam die Karriere von Ribéry dennoch erstmal nicht: Bei der WM 2010 in Südafrika schieden die Franzosen ohne Sieg und mit nur einem geschossenen Tor als Gruppenletzter aus. Zu den sportlichen Turbulenzen kamen persönliche
Ribéry wurde als einer der Hauptschuldigen des "Fiaskos von Knysna" ausgemacht: Im Trainingslager vor der WM entpuppte sich das Team von Raymond Domenech als von internen Querelen zerrütteter Chaos-Haufen. Ribéry wurde nach der WM zum Sündenbock und vom Verband für drei Länderspiele gesperrt
Beim FC Bayern lief es 2010/11 auch nicht nach Wunsch: Trotz einer bärenstarken Saison Ribérys mit der Rekordzahl von 20 Torvorlagen in der Liga blieb Bayern titellos, Coach van Gaal musste kurz vor dem Ende der Spielzeit gehen
Trainer-Altmeister Jupp Heynckes konnte im Jahr darauf erstmal nichts an Bayerns Sinnkrise ändern: Den Meistertitel mussten Ribéry und Co. wieder dem BVB überlassen, im Champions-League-Finale "dahoam" unterlagen sie dem FC Chelsea im Elfmeterschießen. Gegenspieler Didier Drogba (l.) tröstete Ribéry nach dem Spiel
Im Jahr darauf dagegen sah das Fazit für Ribéry, Coach Heynckes und den FC Bayern bekanntlich ganz anders aus ...
Aus dem tiefsten Tal ging es auf die höchsten Gipfel: Ribéry schwebte in der Saison 2012/13 beinahe über dem Rasen. Im Champions-League-Halbfinale wiesen die Münchner dank eines überragenden Ribéry den FC Barcelona und Lionel Messi mit einem Gesamtergebnis von 7:0 in die Schranken
Nach dem gewonnenen Finale gegen Borussia Dortmund konnte Ribéry das Triple mit Bayern feiern. Es folgten zudem noch der Gewinn des europäischen Supercups und der Klub-WM
Den persönlichen Höhepunkt seiner Laufbahn erreichte Ribéry im August 2013. Frankreichs Fußball-Idol Michel Platini (r.) verlieh ihm die Trophäe für den besten Spieler in ganz Europa. Die Superstars Messi und Cristiano Ronaldo stach er in der Abstimmung aus
Der ganz große Coup blieb Ribéry versagt: Bei der Weltfußballer-Wahl Anfang 2014 holte sich dann doch Ronaldo Platz 1 vor Messi und Ribéry - was Letzterer bis heute als Ungerechtigkeit empfindet
Die Fabelsaison 2013 ließ sich natürlich nicht toppen, aber Ribéry blieb auch in den kommenden Jahren unter Heynckes-Nachfolger Pep Guardiola unverzichtbar, wurde mit ihm dreimal hintereinander Meister, holte zweimal das Double - die Wiederholung des Champions-League-Triumphs gelang bekanntermaßen nicht
Im Nationalteam war Ribéry kein Glanzpunkt mehr vergönnt: Nachdem er die WM 2014 aufgrund von Rückenproblemen verpasste, erklärte er seinen Rücktritt. Das gestörte Verhältnis zu den Verantwortlichen in seinem Heimatland ließ sich nach dem WM-Eklat vier Jahre zuvor letztlich nie ganz reparieren
In der Saison 2015/16 begann der FC Bayern den Grundstein für die Ära nach Ribéry zu legen, der junge Landsmann Kingsley Coman wurde verpflichtet und zum Thronfolger auf der linken Seite aufgebaut
Auf Ribéry und den kongenialen Partner Robben mochten die Bayern-Bosse aber weiter nicht verzichten, ihre Verträge wurden immer wieder verlängert, zuletzt am Ende der Saison 2018 um jeweils ein Jahr
Eine kuriose Affäre, die Bayern in Ribérys letzter Saison beschäftigte: Als er in den sozialen Medien Angriffe einsteckte, weil er stolz ein mit Blattgold verziertes Steak verspeiste, beschimpfte er seine Kritiker übel - Bayern distanzierte sich und verhängte eine hohe Geldstrafe, sah aber von schärferen Konsequenzen ab
Nach dem 32. Spieltag 2018/19 verkündete Bayern, was längst erwartet worden war: Nicht nur Robben, auch Ribéry verließ den Klub nach dem Vertragsende im Sommer. Später schloss er sich dem AC Florenz an
Sein beeindruckendes Vermächtnis: 124 Tore und 182 Vorlagen in 425 Pflichtspielen, ein Champions-League-Triumph, sechs Pokalsiege, neun Meisterschaften - und ein Platz in den Herzen der Bayern-Fans
Franck Ribéry: Lebensdrama, Karriere, FC Bayern, Erfolge, Skandale
Vor zwölf Jahren trat ein Spieler auf die Bühne der Bundesliga, der diese prägen sollte wie wenig andere: Franck Ribéry absolvierte sein erstes Liga-Spiel für den FC Bayern (3:0 gegen Hansa Rostock)
@Getty Images
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