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Mesut Özil: Chronologie der Erdogan-Affäre

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Erst das frühe WM-Aus, dann nur kurze Zeit später der nächste Hammer: Am 22. Juli 2018 erklärt Mesut Özil nach der Erdogan-Affäre seinen Rücktritt aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Wie konnte es so weit kommen? Die Chronologie der Affäre
14. MAI - Einen Tag vor der Nominierung des vorläufigen WM-Kaders tauchen Fotos auf, die Mesut Özil und Ilkay Gündogan in London mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zeigen. Gündogan schreibt auf sein Trikot-Geschenk: "Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll." Es hagelt Kritik
Der Deutsche Fußball-Bund reagiert pikiert, Präsident Reinhard Grindel sagt, das Duo habe sich für Erdogans "Wahlkampfmanöver missbrauchen" lassen. Wirkliche Aufarbeitung sieht anders aus
15. MAI - Joachim Löw beruft Özil und Gündogan in sein vorläufiges WM-Aufgebot, obwohl auch er verstimmt ist. "Das war keine glückliche Aktion", sagt der Bundestrainer über die Fotos und kündigt ein Gespräch an. Sanktionen oder ein Verzicht auf beide sei aber "zu keiner Sekunde" Thema gewesen. Der DFB verpasst, das Thema aus der Welt zu schaffen
19. MAI - Özil und Gündogan unterbrechen ihren Urlaub, treffen in Berlin Löw, Grindel und DFB-Direktor Oliver Bierhoff zur Aussprache. Im Schloss Bellevue besuchen sie Frank-Walter Steinmeier. Ein Termin, um die Öffentlichkeit zu beschwichtigen. Der Plan schlägt fehl
2. JUNI - Beim Länderspiel in Klagenfurt gegen Österreich (1:2) werden Özil und Gündogan ausgepfiffen. Thomas Müller verteidigt das Duo, beide seien "wichtiger Teil unseres Teams. Für uns ist das Thema abgehakt." Nicht aber für die Öffentlichkeit
5. JUNI -  Beim Medientag im Trainingslager in Eppan/Südtirol stellt sich Gündogan den Fragen ausgewählter Pressevertreter. "Einige Reaktionen haben mich getroffen, vor allem auch die persönlichen Beleidigungen", sagt er. Und: "Ich verstehe, dass man die Aktion nicht gut finden muss." Özil schweigt weiter. Der DFB scheitert daran, ihn zu einer öffentlichen Entschuldigung zu bewegen
6. JUNI - Steinmeier äußert sich in der "Zeit" befremdet über die Foto-Aktion, sie habe ihn "ein bisschen ratlos gemacht". Ob die Spieler sich entschuldigt hätten, sei "eine Interpretationsfrage", ergänzt er. Aussagen, die die gesamte Krisenkommunikation des DFB pulverisieren
7. JUNI - Bierhoff erklärt das Thema auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Saudi-Arabien eigenhändig für beendet. "Was hätten wir noch mehr machen sollen? Jetzt reicht es dann auch", sagt der Teammanager in Südtirol. Ein schwerer Fehler. Einen Maulkorb für die Medien braucht es an dieser Stelle am wenigsten
8. JUNI - Bei der WM-Generalprobe in Leverkusen gegen Saudi-Arabien (2:1) wird Gündogan vom Zeitpunkt seiner Einwechslung an (57.) ausgepfiffen. Löw reagiert betroffen, die massive Ablehnung habe ihn "geschmerzt", sagt er. Das Thema ist längst zu einer bundesweiten Angelegenheit geworden - und droht, die WM zu belasten
12. JUNI - Bierhoff stellt in einem Interview klar, dass er es Özil überlässt, ob er weiter schweigen will - lässt aber durchklingen, dass er es für falsch hält: "Ob es in diesem Fall richtig und gut für ihn ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Konsequenzen haben wir ihm aufgezeigt und kennt er aus Erfahrung."
17. JUNI - Deutschland verliert das WM-Auftaktspiel mit 0:1 gegen Mexiko. Gündogan sitzt auf der Bank, Özil spielt und bleibt glücklos. Im zweiten Spiel gegen Schweden lässt Löw ihn draußen. Özil wird erstmals zum Sündenbock
27. JUNI - Fast noch schlimmer: Im dritten Gruppenspiel gegen Südkorea revidiert Löw seine eigene Personalentscheidung, bringt Özil wieder in der Startelf. Deutschland verliert gegen Südkorea, das WM-Aus bereits in der Gruppenphase ist besiegelt
29. JUNI - Sami Khedira, der als Vertrauter Özils gilt, stellt die DFB-Führung in einem "Bild"-Interview bloß. Der Umgang mit Erdogan-Gate sei nicht richtig gewesen: "Das war ein Riesen-Thema und wurde unterschätzt, ja." Von wem? Das lässt Khedira offen
5. JULI - Bierhoff macht Özil in einem "Welt"-Interview endgültig zum Sündenbock. Erklärt, es sei womöglich besser gewesen, Özil zu Hause zu lassen
"Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Insofern hätte man überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet", sagt er - und kassiert flächendeckend Kritik
6. JULI - Tags darauf rudert Bierhoff im "ZDF" zurück. Tenor: Er habe alles nicht so gemeint und sei falsch verstanden worden
8. JULI - Auch DFB-Präsident Grindel setzt Özil öffentlich unter Druck. "Dass sich Mesut bisher nicht geäußert hat", habe "viele Fans enttäuscht, weil sie Fragen haben und eine Antwort erwarten", sagt er in einem "kicker"-Interview. Er stellt Özil ein unterschwelliges Ultimatum
"Deshalb ist für mich völlig klar, dass sich Mesut, wenn er aus dem Urlaub zurückkehrt, auch in seinem eigenen Interesse öffentlich äußern sollte." Die Öffentlichkeit bewertet die Aussage als ein Ablenken von eigenem Versagen
10. JULI - Unterdessen taucht der Bundestrainer nach dem WM-Aus tagelang ab. Keine Erklärungen, keine Fehleranalysen zum sportlichen Debakel. Während die Nationalmannschaft am Pranger steht, die Özil-Debatte weiter schwelt, macht sich der Trainer rar
13. JULI - Philipp Lahm übt in einem Beitrag auf "LinkedIn" deutliche Kritik am Führungsstil des Bundestrainers. Löw müsse "klarere Entscheidungen etablieren", schreibt Lahm. Auch eine Anspielung auf den Umgang mit Özil?
20. JULI - Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge holt zum Rundumschlag gegen die DFB-Spitze aus. Der Verband sei "durchsetzt von Amateuren", den Machern fehle "sportliche Kompetenz". Özil zum Sündenbock zu machen, halte er "für etwas weit überzogen", kritisiert er
22. JULI - Auf seinen Sozialen Kanälen meldet sich Özil endlich selbst zu Wort. Er zeigt keine Reue für die Erdogan-Fotos, schreibt in einem Statement: "Ob es der türkische oder der deutsche Präsident gewesen wäre, meine Handlungen wären nicht anders gewesen"
Gleichzeitig knöpft er sich unverhohlen den eigenen Verband vor und kritisiert, dass einer seiner Sponsoren (Mercedes-Benz) ihn im Zuge der Erdogan-Affäre aus seiner WM-Kampagne genommen habe. "Warum?", fragte Özil, "was hat der DFB zu all dem zu sagen?"
Den Medien wirft Özil in der Berichterstattung Rassismus vor. Einige Zeitungen würden das Foto mit Erdogan nutzen, um "rechte Propaganda im Sinne ihrer politischen Sache zu machen"
Am Abend folgt im dritten Teil des Statements dann der Hammer. "Ich werde nicht länger für Deutschland spielen", verkündet Özil.
"Wenn hochrangige DFB-Offizielle mich so behandeln, meine türkischen Wurzeln nicht respektieren und mich selbstsüchtig für politische Propaganda nutzen, dann sage ich: 'Genug ist genug.' Das ist nicht, warum ich Fußball spiele und ich werde mich nicht zurücklehnen und nichts dagegen tun. Rassismus sollte niemals hingenommen werden"
Mesut Özil: Chronologie der Erdogan-Affäre
Erst das frühe WM-Aus, dann nur kurze Zeit später der nächste Hammer: Am 22. Juli 2018 erklärt Mesut Özil nach der Erdogan-Affäre seinen Rücktritt aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Wie konnte es so weit kommen? Die Chronologie der Affäre
@Getty Images
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