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Holger Glandorf gewann mit Flensburg im Vorjahr den Meistertitel
Holger Glandorf gewann mit Flensburg im Vorjahr den Meistertitel © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago
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München - Holger Glandorf greift mit Titelverteidiger Flensburg trotz der Supercup-Niederlage an. Der 35-Jährige blickt im SPORT1-Interview auch auf sein Karriereende.

Den ersten möglichen Titel der Saison hat Holger Glandorf mit der SG Flensburg-Handewitt verpasst. Der Rekordschütze der Handball-Bundesliga verlor mit dem Meister das Supercup-Finale gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 26:33 (16:18).

Am Samstag geht es für Flensburg in der Bundesliga mit einem Auswärtsspiel bei GWD Minden los (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER).

Im SPORT1-Interview erklärt der 35 Jahre alte Glandorf, dass man die Supercup-Pleite bereits verdaut habe, und spricht über die Erwartungen für die Saison und ein mögliches Karriereende (Alle Infos zur Saison 18/19).

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SPORT1: Herr Glandorf, nach 15 Minuten lag Ihr Team gegen die Löwen noch in Führung. Was waren die Gründe für die Niederlage?

Holger Glandorf: Wir hatten in der zweiten Halbzeit im Angriff nicht mehr genug Durchschlagskraft. Besonders in den letzten Minuten haben wir viele Fehler gemacht, die von den Löwen bestraft wurden. Ich denke nicht, dass wir sieben Tore schlechter waren, aber leider mussten wir zum Schluss noch einige Gegenstöße hinnehmen. Ich denke, insgesamt war unsere Niederlage verdient. Dennoch haben wir als neu formierte Mannschaft einen Schritt nach vorne gemacht, solche Spiele sind sehr wichtig für unsere Weiterentwicklung. Insofern hat uns die Niederlage dennoch etwas gebracht.

SPORT1: Was erwarten Sie für die kommende Saison?

Glandorf: Ich bin mir sicher, dass die Liga insgesamt sehr spannend und sehr eng wird - sowohl vorne als auch hinten. Es wird eine harte Saison. Für uns wird es nicht so einfach. Wir müssen sechs neue Spieler integrieren, das braucht seine Zeit. Es ist noch zu früh, um sagen zu können, wo die Reise hingeht

SPORT1: Flensburg geht als Meister in die neue Saison - sind Sie auch der Favorit?

Glandorf: Nein. Wir haben sechs erfahrene Spieler verloren und haben sechs neue Spieler, von denen vier noch keine Bundesliga-Erfahrung haben, dazubekommen. Insofern können wir nicht in der Favoritenrolle sein. Wir sind in einem zukunftsorientierten Umbruch.

SPORT1: Verändert sich mit den vielen Neuzugängen auch Ihre Rolle, fungieren Sie noch mehr als Mentor?

Glandorf: Ich versuche immer, meine Erfahrung weiterzugeben. Wenn ein Thema angesprochen werden muss, dann werde ich sicherlich etwas dazu sagen. Bis jetzt war aber noch nicht viel Handlungsbedarf.

SPORT1: Wie weit ist Ihr Team?

Glandorf: Vor einer Saison ist es immer schwer zu sagen, wo man steht. Wir haben schon einen guten Schritt nach vorne gemacht, aber dieser Entwicklungsprozess ist noch nicht abgeschlossen und das wird auch noch eine ganze Weile dauern. Wir müssen einen neuen Innenblock formieren und auch die Abstimmung mit den neuen Torhütern geht nicht so schnell. Es gibt einfach große Unterschiede: bei einigen Spielern geht es schneller, bei anderen langsamer.

SPORT1: Lassen sich die Abgänge überhaupt kompensieren?

Glandorf: Ich denke schon. Irgendwann musste ein Schnitt erfolgen, dieser war natürlich sehr radikal. Der Verein handelt sehr zukunftsorientiert. Ich glaube an die Spieler. Sie müssen einfach noch genügend Erfahrung sammeln. Um die Zukunft der SG muss aber niemandem bange werden.

SPORT1: Letzte Saison sind sie zum ersten Mal Meister geworden - ein ganz besonderer Titel für Sie?

Glandorf: Jeder erste Titel ist immer etwas Besonderes. Für uns war es natürlich ganz speziell, weil dieser Titel doch ziemlich überraschend kam. Es war einfach für alle ein riesen Ding. Wir werden noch eine lange Zeit stolz darauf sein.

SPORT1: Kann man den Schwung aus der Meistersaison mitnehmen?

Glandorf: Natürlich beginnt etwas Neues, aber dennoch kann man aus dem Titelgewinn unheimlich viel Selbstvertrauen schöpfen. Man hat gesehen, dass man, wenn man seine Hausaufgaben macht, wenn man an sich glaubt, eine Titelchance erhält. Diese Erfahrung werden wir an die neuen Spieler weitergeben.

SPORT1: Wie stehen die Chancen, den Titel zu verteidigen?

Glandorf: Wenn wir die Chance bekommen sollten, dann werden wir sie nutzen. Wenn wir an uns glauben und jedes Spiel gewinnen wollen, dann werden wir ganz vorne stehen. Aber wir haben momentan eine ganz andere Zielsetzung. Wir müssen zuerst die neuen Spieler weiter integrieren – so schnell wie möglich.

SPORT1: Möchten Sie selbst den Umbruch mitgestalten und noch mehrere Jahre bleiben?

Glandorf: Das weiß ich nicht. Mein Vertrag läuft noch bis 2019. Bis jetzt hat sich daran auch nichts geändert. Ich gehe in die Saison, als wäre es meine letzte. Ob ich noch weiterspiele, und wenn ja, ob das in Flensburg sein wird, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Es kommt auch immer darauf an, was der Spielermarkt hergibt und was der Verein möchte. Es gibt so viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Ich gehe aber davon aus, dass ich meine Karriere in Flensburg beenden werde. Ich werde mir im Laufe der Saison Gedanken über meine Zukunft machen.

SPORT1: Dirk Nowitzki ist 40 und spielt seine 20. Saison bei den Mavs. Sie sind 35. Könnten Sie sich vorstellen, bis 40 weiterzumachen?

Glandorf: Das kann ich definitiv ausschließen, bis 40 werde ich nicht weiterspielen. Ich gehe in meine 18. Bundesligasaison und bin clever genug, meine Situation realistisch einzuschätzen. Entweder ist nach dieser Saison Schluss oder ein Jahr später. Ich glaube nicht, dass ich das körperlich oder mental länger durchhalte. Nowitzki ist ein überragender Sportler und es ist klasse, dass er so lange spielen kann. Aber ich kann mir das nicht vorstellen. Da tun mir die Knochen schon zu sehr weh.

SPORT1: Was planen Sie nach der Karriere?

Glandorf: Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl in Flensburg, wir würden gerne hier bleiben. Ich habe mich in Richtung Sportmanagement weitergebildet und würde gerne in der Richtung bleiben – vielleicht auch bei der SG. Das muss man abwarten. Momentan bin ich in alle Richtungen offen. Wenn jemand eine gute Idee hat, dann habe ich offene Ohren.

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