Dänen-Hexerin zerstört deutschen WM-Traum
teilenE-MailKommentare

WM-Traum geplatzt! Die DHB-Frauen scheiden bei der Heim-WM vorzeitig aus. Im Achtelfinale ist nach einer schwachen Leistung gegen Dänemark Endstation.

Michael Biegler ließ sich frustriert auf seine Bank fallen, seine Ladies standen mit Tränen in den Augen fassungslos auf dem Feld: Nach dem krachenden Achtelfinal-Aus bei der Heim-WM herrschten bei den deutschen Handballerinnen und ihrem Trainer Verärgerung und Enttäuschung. 

Nach einer desolaten Angriffsleistung beim 17:21 (7:11) gegen den EM-Vierten Dänemark ist der Medaillentraum frühzeitig geplatzt. Die letzte WM-Medaille hat die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) vor zehn Jahren mit Bronze gewonnen.

Biegler verteidigt seine Spielerinnen

"Die Enttäuschung ist nicht in Worte zu fassen. Das war im Angriff einfach zu wenig. Aber ich lasse nichts auf die Mädels kommen", sagte Biegler. Diese zeigten sich durchaus selbstkritisch. "Wir machen einfach zu viele Fehler. Wir sind an uns selbst gescheitert. Wir werden ein bisschen brauchen, um das zu verarbeiten", sagte Spielführerin Anna Loerper. DHB-Vizepräsident Bob Hanning stellte fest, "dass so viele Fehler für ein WM-Viertelfinale einfach nicht reichen".

"Wir sind an uns selbst gescheitert"

Rückraumspielerin Xenia Smits konnte die zweite Turnierniederlage auch mit ihren sechs Toren nicht verhindern. Für Biegler war es das letzte Spiel als DHB-Coach. Der 56-Jährige wechselt zum Männer-Bundesligisten SC DHfK Leipzig, der Niederländer Henk Groener übernimmt am 1. Januar das deutsche Team.

"Jetzt fängt die ganze WM von vorne an", hatte Biegler vor dem K.o.-Spiel erklärt. Nach der Partie zeigte er sich im SPORT1-Interview kritisch: "Ich glaube wir haben alle gesehen, dass wir mit 17 Toren kein Spiel gewinnen können. Wir hatten klare Einschuss-Möglichkeiten und die haben wir liegen gelassen." Trotz der schwachen Leistung seiner Spieler nahm der Bundestrainer die Schuld auf sich. "Ich scheine die Spielerinnen nicht richtig vorbereitet zu haben, dass sie eine bessere Wurfqualität anbieten können", stellte er konsterniert fest.

Biegler nimmt Schuld für WM-Aus auf sich

Im Gegensatz zum desaströsen Auftritt im abschließenden Gruppenspiel gegen Vize-Weltmeister Niederlande (23:31) begannen seine Ladies vor 4133 Zuschauern in Magdeburg wesentlich konzentrierter und führten nach 13 Minuten mit 5:4.

Deutschland wirkte gehemmt

Doch Mitte der ersten Halbzeit kam ein Bruch ins deutsche Spiel. Immer wieder scheiterten die gehemmt wirkenden Gastgeberinnen an der überragenden Torhüterin Sandra Toft, technische Fehler führten zudem immer wieder zu Ballverlusten und luden den dreimaligen Olympiasieger zu einfachen Toren ein. Bei zwei 6:4-Überzahlsituationen blieb die DHB-Auswahl ohne eigenen Treffer, Svenja Huber und Loerper scheiterten zudem per Siebenmeter.

Trotz einer starken Torfrau Clara Woltering und einer ordentlichen Abwehrleistung lag der EM-Sechste angesichts seiner Offensivschwäche nach 21 Minuten mit 5:8 zurück. Biegler versuchte, in einer Auszeit beruhigend auf seine Ladies einzuwirken, dennoch ging es mit einem Vier-Tore-Rückstand in die Pause.

Enttäuschung nach WM-Aus bei allen groß

Deutsches Spiel mit vielen Fehlern

Das deutsche Spiel blieb auch nach dem Wechsel fehlerhaft und zu leicht auszurechnen. Da half auch die lautstarke Unterstützung des Publikums nichts. Beim Stand von 9:14 (37.) nahm Biegler die nächste Auszeit. Lautstark redete der Bundestrainer auf seine Spielerinnen ein, er sprach die Defizite deutlich an. Doch nur Sekunden später vergab Lone Fischer auch den dritten deutschen Siebenmeter. Biegler ließ sich fassungslos auf die Bank fallen und vergrub das Gesicht in den Händen.

"Bei solchen Fehlern ist man einfach sprachlos", sagte der ehemalige Welthandballer und Sport1-Experte Daniel Stephan. Loerper verwandelte zwar den vierten Siebenmeter zum 10:14 (43.), für eine Aufholjagd fehlte aber die Qualität. Beste Chancen wurden reihenweise vergeben. Da konnte auch Woltering mit ihren zahlreichen Paraden nichts mehr retten. Schon Minuten vor dem Abpfiff hatten die ersten Spielerinnen Tränen in den Augen.

Das Spiel im Stenogramm:

Deutschland - Dänemark 17:21 (7:11)

Deutschland: Woltering (Dortmund), Kramarczyk (Leverkusen), Eckerle (Thüringen) - Smits (Metz/6), Gubernatis (Buxtehude/5), Geschke (Oldenburg/2), Loerper (Metzingen/2/1), Huber (Dortmund/1), Karolius (Leverkusen/1), Stolle (Blomberg), Mansson (Dortmund), Wohlbold (Thüringen), Bölk (Buxtehude), Fischer (Buxtehude), Behnke (Metzingen), Klein (Nantes)
Dänemark: Toft, Reinhardt - Tranborg (5), S. Jorgensen (5/1), Heindahl (3), Jensen (3), , Iversen (2), Woller (2/2), Grigel (1).
Schiedsrichter: Kurtagic/Wetterwik (Schweden)
Zeitstrafen: 3:7
Rote Karten: Haugsted (23.) wegen groben Foulspiels
Siebenmeter: 1/4:3/4
Zuschauer in Magdeburg: 4133 

Nächste Artikel
previous article imagenext article image