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Die deutschen Handballerinnen haben bei der WM in Japan das Halbfinale verpasst. Nun beginnt das große Zittern um die Olympia-Qualifikation.

Als der große Traum von einer WM-Medaille geplatzt war, wurden die deutschen Handballerinnen von ihren Emotionen überwältigt. Dicke Tränen der Enttäuschung kullerten bei Torjägerin Emily Bölk die Wangen herunter, Kapitänin Kim Naidzinavicius ließ nach der 29:32 (16:17)-Niederlage gegen den zweimaligen Olympiasieger Norwegen mächtig Dampf ab.

"Wir haben zwei Matchbälle, um ins Halbfinale zu gehen, und jetzt stehen wir da und spielen um Platz sieben", schimpfte die Rückraumspielerin, sprach von "Enttäuschung pur" und ließ eine schonungslose Analyse folgen: "Wir starten so gut ins Turnier und dann, wenn es drauf ankommt, schaffen wir es nicht mehr, unsere Leistung so abzurufen, wie es nötig ist, um unter die besten Vier zu kommen. Norwegen hat gezeigt, wie es geht, mit Drucksituationen umzugehen."

Rumms. So deutlich wie Naidzinavicius formulierte es im deutschen Lager keiner, doch die Situation ist tatsächlich prekär. Die Mannschaft von Bundestrainer Henk Groener steht plötzlich gewaltig unter Druck: Statt am Wochenende nach dem ersten Edelmetall seit WM-Bronze 2007 zu greifen, geht es für die DHB-Frauen am Freitag (6.30 Uhr im LIVETICKER) gegen Schweden, WM-Vierter von 2017, um Platz sieben. Die Fortsetzung des Olympia-Traums hängt am seidenen Faden.

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Chancen gegen Serbien und Norwegen verpasst

Über zu wenig Chancen durften sich Naidzinavicius und Co. nicht beschweren: Ein durchaus mögliches Remis gegen Norwegen hätte zum ersten Halbfinal-Einzug bei einer WM seit zwölf Jahren gereicht. Schon gegen Serbien (28:29) hätte die Mannschaft das Ticket für die Vorschlussrunde und damit einen sicheren Platz für ein Qualifikationsturnier für die Sommerspiele 2020 in Tokio klarmachen können.

"Das muss man jetzt erstmal verdauen", sagte Linksaußen Antje Lauenroth mit brüchiger Stimme: "Jeder in der Mannschaft hat daran geglaubt, dass wir es schaffen. Leider ist es nicht so gekommen." 

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Auch Groener war die Ernüchterung über die auch im zweiten Anlauf verpasste Chance deutlich anzumerken. Noch Minuten nach dem Schlusspfiff starrte der Niederländer auf den Hallenboden und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. "Es ist enttäuschend, dass wir es nicht geschafft haben", sagte der Niederländer nach der dritten Niederlage um achten Turnierspiel: "Wir waren insgesamt nicht fit genug. Man hat gemerkt, die Mädels waren richtig müde. Das ist sehr schade."

Bölk beste Torschützin

In Kumamoto hielt das deutsche Team die Partie gegen den Olympiasieger von 2008 und 2012 bis in die Schlussphase spannend. Trotz eines unkonzentrierten Starts und fünf schnellen Gegentoren zu Beginn der zweiten Halbzeit (17:22) kämpften sich die deutschen Spielerinnen angeführt von Top-Torschützin Bölk (6 Treffer) wieder heran und hatten bis zum 29:31 (59.) alle Chancen auf eine weitere Überraschung.

"Wir waren in dem einen oder anderen Moment nicht kühl genug im Kopf beziehungsweise nicht abgezockt genug, um die Situationen klarer zu nutzen", sagte Meike Schmelzer (4 Tore). Dies sei "wahnsinnig enttäuschend". Am Ende fehlte vor allem in der Offensive die Durchschlagskraft. Mehrfach hatte Deutschland die Möglichkeit, auf ein Tor zu verkürzen, blieb aber an der norwegischen Deckung hängen.

"Jetzt gilt es, zu regenerieren und sich vorzubereiten auf das letzte Spiel", sagte Groener. Nicht nur der Coach weiß: Am Freitag steht viel auf dem Spiel.

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